Banger Blick nach vorn

Krise beunruhigt auch Griechen in Hessen

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Der aus Griechenland stammende Kioskbesitzer Antonios Chantzaras liest in seinem Kiosk in Offenbach eine griechische Zeitung. Mit Sorge verfolgt er die Vorgänge in der alten Heimat.

Offenbach In Griechenland stehen die Menschen vor verschlossenen Banken. Auch die in Deutschland lebenden Griechen verfolgen mit großer Sorge die jüngste Zuspitzung der Krise. Viele fragen sich: Wie geht es weiter? Von Laura Lewandowski

Am Kiosk von Antonios Chantzaras in Offenbach stapeln sich Zeitungen aus aller Welt. Blätter in Deutsch, Englisch, Griechisch gehen hier regelmäßig über den Ladentisch. Aber egal, welche Zeitung an diesem Morgen verkauft wird, auf fast allen Titelseiten dreht es sich um ein und das selbe Thema: Griechenland - die Heimat von Chantzaras. Von der Krise liest er selbst nur in den Zeitungen. Doch wie viele seiner Landsleute erlebt er den Finanz-Krimi hautnah mit.

„Europa spielt ein Spiel mit Griechenland“, sagt der 57-Jährige. Gewinner gebe es seiner Meinung nach bislang keine, Verlierer schon. Die jüngsten Entwicklungen hätten auch seine Eltern getroffen: Wieder einmal sind die Verhandlungen mit den Gläubigern gescheitert, seit Beginn der Woche haben die Banken deshalb dicht gemacht. Die Menschen kommen pro Tag nur noch an Mini-Beträge bis zu 60 Euro ran. Gerade in den Großstädten führe das aufgrund der steigenden Preise für viele zu einer Katastrophe. Dass seine Eltern auf dem Land leben, sieht er als Glücksfall. „Dort hat jeder sein eigenes Haus, seinen Garten und seine Tiere.“ Familien seien in der Lage, sich selbst zu versorgen.

Der Ticker zur Griechenland-Krise

Destina Kivriki kann das nur bestätigen. „In Thessaloniki, da hungern die Leute“, sagt die 37-Jährige über die zweitgrößte Stadt des Landes, wo auch ihre Familie wohnt. Im Gegenteil zu vielen Griechen, gehe es ihren Eltern und ihrem Bruder noch gut, sagt sie. Sie hätten dort ein Gyrosgeschäft und versorgen Menschen mit Essen, die Hunger leiden. Sie kennt Geschichten, die an Afrika erinnern, sich aber in Europa abspielen: „Ich habe mit einer Familie telefoniert, die haben drei Euro am Tag - das ist nicht mal ein Eis für die Kinder.“ Sollte ihren Eltern eine ähnliche Situation drohen, würde sie sofort Geld schicken. Doch die Lage sei nicht nur dramatisch, auch in Deutschland zeigten sich die Folgen der Krise deutlich.

Als Mitglied im Vorstand der Griechischen Gemeinde Offenbach hat sie alle Hände voll zu tun. Rund 4700 Griechen leben dort nach Angaben der Stadtverwaltung, das sind rund 17 Prozent aller ausländischen EU-Bürger in Offenbach - die Zahl steigt. „Immer mehr kommen zu uns“, sagt Kivriki. Sie alle flüchten vor der Armut, sie alle hoffen auf ein besseres Leben. Doch die Offenbacherin weiß, dass die Realität nicht so rosig ist, wie viele glauben. „Kaum einer kann Deutsch, doch die Sprachkurse sind überfüllt.“ Einen Job oder eine Wohnung finden? „Mit diesen Voraussetzungen ist das schier unmöglich.“

Griechenland will IWF-Rate nicht zahlen

Griechenland steckt in einer Sackgasse, darin sind sich viele einig - die Wut auf die Politiker ist groß. Doch wie soll es weiter gehen? „Meine Hoffnung ist, dass die griechische Bevölkerung für den Verbleib im Euroraum stimmt“, sagt der Rechtsanwalt und Vorsitzende der Griechischen Gemeinde Frankfurt, Nikolaus Athanassiadis. Er blickt damit auf das für den 5. Juli angekündigte Referendum, bei dem das Volk zu Wort kommen soll. Zwar müssten sich die Griechen den Strukturmaßnahmen und Reformen dann beugen - „alles andere würde das Land aber nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte zurückwerfen“.

Quelle: op-online.de

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