Banken in der Region

„Internet-Filiale“ verstärkt gefragt

München/Offenbach - Ob über den Computer, das Smartphone oder den Tablet: Online-Banking nimmt immer mehr zu. Da stellt sich die Frage, ob Banken Filialnetze überhaupt noch brauchen. Von Marc Kuhn und Achim Lederle

Die HypoVereinsbank (HVB) zieht nun Konsequenzen. Sie plant einen grundlegenden Umbau ihres Privatkundengeschäfts. Nach Medienberichten könnten im Zuge dieses Umbaus fast die Hälfte der 584 Filialen geschlossen und knapp 1600 Stellen gestrichen werden. Vorstandschef Theodor Weimer wollte die Zahlen zwar nicht ausdrücklich bestätigen, dementierte sie aber auch nicht: „Filialen werden geschlossen, weil die Kunden diesen Vertriebsweg nicht mehr nutzen und andere Angebote einfordern“, sagte er.

Die Bank wolle stark in den Ausbau ihres Multikanal-Geschäfts investieren und dafür 300 Millionen Euro in die Hand nehmen, betonte Weimer. „Die Kunden kommen immer weniger in die Filialen. Sie nutzen für ihre Bankgeschäfte lieber das Internet, Tablets und Smartphones. Im Jahr 2000 liefen 70 Prozent der Kundenkontakte über Filialen. 2010 waren es noch 30 Prozent. 2015 werden es nur noch fünf Prozent sein.“ Bis Ende 2016 plane man massive Investitionen in mobile und internetbasierte Angebote sowie in die Attraktivität der Filialen. Die HVB unterhält Filialen in Offenbach und Rodgau. Über ihre Zukunft wollte sich ein Sprecher der Bank nicht äußern. Derzeit führe die Hypovereinsbank Gespräche mit dem Betriebsrat. Deshalb seien Informationen momentan nicht möglich. Ein Konzept solle im März vorgelegt werden.

Deutsche Bank behält Filialen

Die Deutsche Bank steht Kunden in Offenbach, Langen, Neu-Isenburg, Dietzenbach und Heusenstamm mit Filialen sowie mit SB-Zonen in Bieber, Rodgau und Obertshausen zur Verfügung, wie das Geldhaus mitteilte. Aktuell seien keine Schließungen geplant. „Wir glauben an die klassische Filiale“, erklärte eine Sprecherin unserer Zeitung. „Wir haben uns auch auf eine neue Generation von Kunden eingestellt, die Digital Natives. Schon heute nutzen 50 Prozent der Bankkunden sowohl das Online-Banking als auch ihre Filiale vor Ort. Und dieser Trend beschleunigt sich immer mehr Richtung Online.“ Die Kunden würde schon heute 90 Prozent der Überweisungen „in unserer Internet-Filiale“ erledigen. Die Filiale werde aber nicht überflüssig.

Auch die Commerzbank plant keine Schließungen von Filialen, wie ein Sprecher sagte. In Stadt und Kreis Offenbach habe das Institut zehn Filialen. In Langen steht im Frühjahr die Zusammenlegung der Standorte August-Bebel-Straße und Bahnstraße an, weil sie nahe zusammenliegen. Aus dem selben Grund hat die Commerzbank im Zuge der Integration der Dresdner Bank in Offenbach zwei Geschäftslokale in der Filiale an der Kaiserstraße zusammengefasst.

„Wir definieren den persönlichen Kontakt zum Kunden im stationären Betrieb als unseren wichtigsten Kommunikationsweg“, so der Sprecher der Sparkasse Offenbach, Manfred Bernjus. Am Filialnetz von zehn Zweigstellen und acht SB-Centern im Stadtgebiet seien keine Änderungen geplant. In ihren Filialen setze die Sparkasse Offenbach zunehmend auf „bedarfsorientierte Öffnungszeiten“. Bernjus: „Unsere Mitarbeiter gestalten ihre Arbeitszeit flexibel und beraten und betreuen die Kunden bei Bedarf auch zu Hause.“ Das Online-Angebot der Sparkasse sei in der Vergangenheit stetig ausgebaut worden und befinde sich technisch auf dem neuesten Stand. „Bei unserem Online-Banking handelt es sich um ein Ergänzungsangebot zu unserem Filialnetz“, unterstrich Bernjus.

Wie Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt sagte, sei es auch das Bestreben seines Hauses, mit Geschäftsstellen weiter präsent zu bleiben. 2013 habe es insgesamt 41 Geschäftsstellen und vier SB-Center der Sparkasse Langen-Seligenstadt gegeben. „Unsere Absicht ist, dass wir an dieser Strategie mittelfristig keine Veränderungen vornehmen“, erklärte Metzger. Gleichzeitig werde das Internet-Angebot weiter ausgebaut. „Im Sparkassenlager sind wir eines der führenden Institute im Transaktions-Banking als auch im Angebot innerhalb des Online-Bankings“, sagte Metzger.

Die Frankfurter Volksbank ist in Offenbach und Hanau mit acht Geschäftsstellen, fünf SB-Stellen und 14 Geldausgabeautomaten vertreten. „Als genossenschaftliche Regionalbank hat die Filiale vor Ort für unsere Zielsetzung einer lebenslangen Begleitung unserer Kunden und einer persönlichen, individuellen Beratung eine herausragende Bedeutung“, erklärte ein Sprecher. Deshalb gebe es keine Überlegungen, das Geschäftsstellennetz zu verändern.

„Bei der Zahl und den Standorten unserer Filialen sind keine Veränderungen geplant, sie bleiben konstant“, unterstrich auch Udo Heberer, Sprecher der Vereinigten Volksbank Maingau. Die Bankstellen würden jedoch kontinuierlich renoviert und modernisiert und orientierten sich an den Bedürfnissen der Mitglieder und Kunden. Weiter sagte Heberer: „Unser Ziel ist es, unseren Kunden im Sinne einer Multikanal-Strategie ganz unterschiedliche Zugangswege zur Volksbank Maingau anzubieten.“

Quelle: op-online.de

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