Bachs Messe in h-Moll mit Concerto Köln und BR-Rundfunkchor in Kloster Eberbach

Barocke Pracht und Innigkeit

Eltville - Es mag im Trend liegen, Johann Sebastian Bachs Messe h-Moll immer kantiger, schneller, kompakter besetzt aufzuführen. Die jüngste Aufführung des Riesen-Werks beim Rheingau Musik Festival setzte auf Gegenteiliges. Von Axel Zibulski 

Dennoch entfaltete sich die Opulenz, die der Chor des Bayerischen Rundfunks in die Basilika von Kloster Eberbach mitgebracht hatte, in der Auseinandersetzung mit Bachs einziger katholischer Messe eher in geschmeidiger vokaler Beweglichkeit und enormer klanglicher Varianz als unter Wucht oder gar Pathos.

Der Niederländer Peter Dijkstra übernahm 2005 den Chor des Bayerischen Rundfunks, dessen Leitung er 2016 abgeben wird. In dieser Zeit hat er anscheinend für einen erfrischenden Kontrapunkt zur Münchner Lust auf möglichst prominent schallende Dirigentennamen gesorgt. Denn offenbar hat er in Bayern so fundiert gearbeitet, dass sich der Chor mit seinem 1978 geborenen Leiter trotz dessen sparsamer Zeichengebung perfekt zu synchronisieren scheint.

In Kloster Eberbach war das von den so heterogenen Ausdrucksweiten der „Kyrie“-Eröffnung bis zur völligen Geschlossenheit und Rundung der späten Friedensbitte „Dona nobis pacem“ uneingeschränkt spürbar. Nahezu zwei Stunden lagen in der Basilika dazwischen, äußerst gemäßigt und dabei ungemein beseelt schritt Bachs Spätwerk voran – ohne dass auch nur ein Augenblick dank Prägnanz und tiefer Durchdringung zu gedehnt gewesen wäre.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Zusammengefunden hatte sich der Chor des Bayerischen Rundfunks mit den Experten in Sachen historischer Aufführungspraxis von Concerto Köln: Chordirigent Dijkstra band sie in einen hervorragend ausgewogenen Gesamtklang von Chor- und Instrumentalstimmen ein. Unter diesen Bedingungen wirkte Bachs Messe gewiss stilistisch so vielfältig, wie sie es als Amalgam zahlreich zitierter früherer Bach-Werke ist – aber eben unter der starken Klammer einer von Wortverständlichkeit und Logik wie von Sinnlichkeit und Kontemplation gleichermaßen geprägten Aufführung: Der Kontrast zwischen dem sphärisch-dunklen Absinken und dem strahlenden Moment der Auferstehung (im „Credo“) brachte das besonders eindringlich auf den Punkt.

Nicht alle Solisten konnten das große Niveau der Aufführung perfekt wahren, vor allem Maximilian Schmitts Tenor klang punktuell flackernd, während Anke Vondungs reif-präzisem Alt einzelne Verzierungen zu attackierend gerieten. Christina Landshamers Sopran hatte eine ähnlich unbeschwerte Leuchtkraft wie der Chor, und auch der junge Andreas Wolf brachte eine dazu perfekt passende, auf ein sattes Fundament gestützte Flexibilität ein. Ein klarer Festival-Höhepunkt, der als solcher vom Publikum bejubelt wurde!

Quelle: op-online.de

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