Bau von Nordmainischer S-Bahn vor dem Aus

Frankfurt - In Hessen kämpfen sie vehement um den Bau einer neuen S-Bahnlinie von Frankfurt nach Hanau. Doch weil die Kosten gestiegen sind, und der Bund den Nutzen in Zweifel zieht, steht das Millionen-Projekt auf der Kippe.

Seit mehr als 25 Jahren laufen die Gespräche und Planungen zum Bau der Nordmainischen S-Bahn . Sie soll von Frankfurt über Maintal nach Hanau führen. Doch nun, der geplante Spatenstich 2012 rückt allmählich näher, droht dem millionenschweren Verkehrsprojekt wegen Finanzierungsproblemen das Aus. Denn die prognostizierten Baukosten steigen und steigen.

Noch vor einem Jahr war die Rede von 360 Millionen Euro, mittlerweile wird sogar mit 420 Millionen Euro gerechnet, wie das hessische Wirtschaftsministerium in Wiesbaden bestätigt. Teurer wurde der geplante Bau der mehr als 19 Kilometer langen Linie wegen zusätzlicher Lärmschutzauflagen und wegen schwieriger Untergrund-Bauarbeiten im Frankfurter Osten. Fertig sein soll die Linie Ende 2016. Nicht wenige zweifeln daran, ob der Zeitplan überhaupt noch eingehalten werden kann.

Kosten-Nutzen-Analyse alles andere als günstig

Hessens zuständiger Minister Dieter Posch (FDP) fordert nun Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, die Finanzierungslücke von rund 60 Millionen Euro aus dem Topf des Bundes für Eisenbahn-Fernstrecken zu schließen. Das Problem ist: Nur der zunächst geplante Betrag kann nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz gestemmt werden. Demnach trägt der Bund 60 Prozent, das Land 27,5 Prozent und die Anrainerkommunen übernehmen 12,5 Prozent der Baukosten.

Problematisch ist auch: Die Kosten-Nutzen-Analyse für das Projekt fällt bei deutlich mehr als 400 Millionen Euro alles andere als günstig für den S-Bahnbau aus. Damit begründet das Ministerium in Berlin auch derzeit seine Zurückhaltung. Das Wiesbadener Ministerium argumentiert jedoch: Die Berliner Sichtweise ignoriere allerdings den Nutzen für den Güter- und Fernverkehr. Der entstehe dadurch, dass die S-Bahn in Richtung Hanau eigene Gleise bekomme. Der Regional- und Fernverkehr werde entflochten.

Östlichem Rhein-Main-Gebiet droht „Verkehrskollaps“

Bei Politikern im östlichen Rhein-Main-Gebiet und beim Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main schrillen wegen der Hängepartie derzeit die Alarmglocken. Leidenschaftlich bis verzweifelt verlangen sie den S-Bahnbau. Für den Direktor des Verbandes, Heiko Kasseckert, ist die Strecke ein „zentrales Anliegen“. Das Gebiet zähle zu den Wachstumsregionen in Europa. Da bedürfe es einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur.

Kasseckert warnt: Sollte der Ausbau scheitern, drohe dem östlichen Rhein-Main-Gebiet ein „Verkehrskollaps“. Der Verbandsdirektor fragt sich, ob nur Verzögerungen beim Bau der „wichtigen Verkehrsader“ zu befürchten seien. Oder ob das Projekt vor dem Aus stehe. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Bahn den Ausbau erneut infrage stelle.

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der naturgemäß ein Profiteur der Strecke wäre, sagt: „Wir hängen in der Berliner Warteschleife, die Signale stehen auf Rot.“ Beim Ausbau der Schienen-Infrastruktur drohe dem östlichen Rhein-Main-Gebiet Stillstand bis ins nächste Jahrzehnt, wenn der Bund nicht mehr Geld zur Verfügung stelle. Einmal in Fahrt gekommen kritisiert Kaminsky gen Wiesbaden: „Es reicht nicht, wenn Landesverkehrsminister Posch den Bund nur auffordert, sich hier finanziell zu beteiligen, vielmehr muss der Druck auf Berlin größer werden.“ Kaminsky, der große Umbaupläne der Hanauer Innenstadt für mehr als 200 Millionen Euro vorangetrieben hat, regte deshalb einen Bahngipfel in Berlin an.

Hanaus Verkehrsdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) gibt zu bedenken: Wenn nicht bis 2012 der erste Spatenstich erfolge, wäre wegen der Zehnjahresfrist eine neue Planfeststellung nötig. In Hanau fragen sie sich, ob die Inbetriebnahme überhaupt bis Ende 2016 erfolgen könne.

dpa

Quelle: op-online.de

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