Baubeginn für A-Plus

+
So sieht der Flugsteig in der Computersimulation aus.

Platz braucht er reichlich, der A 380 des Flugzeugherstellers Airbus. Mehr als 70 Meter lang bei einer Flügelspannweite von fast 80 Metern wollen erst einmal untergebracht sein und am Flugsteig andocken können. Von Jens Dörr

Weil auch die Großraumflugzeuge vom Typ A 340-600 nicht eben klein sind, bedeutete die gestrige Grundsteinlegung für den neuen Flugsteig A-Plus am Frankfurter Flughafen den offiziellen Startschuss für ein weiteres gigantisches Bauprojekt in der Region. Sogar als „größtes Bau-Konjunkturprogramm der Nation“ bezeichnet Martin Schlegel das Vorhaben. Schlegel zeichnet beim Flughafenbetreiber Fraport als Generalbevollmächtigter für Immobilien und Facility Management verantwortlich für das, was sich trotz der Grundsteinlegung am gestrigen Tag schon seit vielen Monaten tut an einem der wichtigsten Flughäfen der Welt.

Fraport-Chef Stefan Schulte betonte bei der Grundsteinlegung für den Terminal-Bereich die Bedeutung des Flughafen-Ausbaus.

Seit Januar 2007 laufen die Vorarbeiten, mit der Baugrube von A-Plus begannen die Arbeiter im November vergangenen Jahres, auch mit dem Rohbau schon vor einigen Wochen. Insofern kam Ministerpräsident Roland Koch gestern eigentlich etwas verspätet, um den Beginn der Bauarbeiten einzuläuten. Kaum übertrieben ist es, bei A-Plus von Gigantismus zu sprechen – obwohl der Neubau das Terminal 1 lediglich erweitert und kein eigenes neues Terminal darstellt.

Großen Wert auf Flexibilität gelegt

790 Meter nach Westen dehnt sich A-Plus aus, umfasst dabei eine Gesamtfläche von über 185.400 Quadratmetern. Sieben Positionen für Großraumflugzeuge wird der Neubau haben, davon vier für die A 380 und drei für die A 340-600. Bei den Andockmöglichkeiten legen die bauende Fraport, der Nutzer und Kunde Lufthansa sowie das planende Architekturbüro gmp aus Hamburg großen Wert auf Flexibiltät: Auf jeder A 380-Position können alternativ auch zwei kleinere Flugzeuge vom Typ A321 direkt über das Gebäude angedient werden, so dass maximal elf Flugzeuge gleichzeitig andocken können. Hinzu kommen drei Außenpositionen im neu entstehenden Vorfeldhof A-Plus.

Flexibilität für sechs Millionen Passagiere jährlich

Komfort bieten ab dem Jahre 2012 - dann soll das Großprojekt, das planmäßig 500 Millionen Euro kostet, fertig sein - viele weitere Angebote der Superlative: Fluggäste steigen über insgesamt 18 Brücken in die Flugzeuge ein, betreten darüber auch wieder das Gebäude, für das 100 000 Kubikmeter Beton verbaut werden. Im Innenbereich sorgen derweil fünf Lufthansa-Lounges für das bequeme Verweilen insbesondere vor dem Flug.

Noch läuft der Ideenwettbewerb, steht das endgültige Design nicht fest. Für First-Class-Kunden soll es neben einem TV-Bereich und einem A-la-carte-Restaurant zukünftig auch Spa-Anwendungen im Terminal-Anbau geben. Das Mobiliar für Fluggäste der Economy Class unterscheidet sich auf den ersten Blick unterdessen kaum vom bisher Gewohnten.

Bald auch Handy-Navigation am Flughafen

Leichter - das betrifft aber nicht nur A-Plus - soll bald auch die Orientierung auf dem Frankfurter Flughafen werden: mithilfe mobiler Endgeräte, vor allem Handys. „Wir wollen das System der Autonavigation auf den Flughafen übertragen“, erklärt Tobias Donaubauer von der siebenköpfigen Software-Schmiede infsoft aus der Nähe von Ingolstadt. Mittels einer speziellen Software, die zurzeit schon durch Mitarbeiter erprobt wird, könne man sich zum Schalter, Mietwagen oder jedem beliebigen Punkt am Flughafen führen lassen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:

 „Heiße Fragen - kalte Füße“

Auch Heiko Merten, bei der Lufthansa in der Abteilung Passagierprozesse tätig, verspricht sich damit einen Mehrwert für die Kunden: „Alleine aus Platzgründen ist die normale Beschilderung sicher nicht immer und überall optimal.“ Donaubauer verdeutlicht derweil den technischen Unterschied zur bekannten Navigation im Auto: „Da wird über GPS gesteuert, während wir den Datentransfer über WLAN vornehmen.“ Im Gebäude funktioniere GPS logischerweise nicht.

Viele kleine und große Schritte also, die Fraport und Lufthansa am Terminal 1 aktuell unternehmen. So viel wie möglich werde dabei nachts bewerkstelligt, um den normalen Flugbetrieb so wenig wie möglich zu stören. Mit Eintreten des Sommerflugplans 2012 sollen dann sechs Millionen Passagiere jährlich im Gebäude A-Plus abgefertigt werden. „Der Flugsteig A-Plus bedeutet eine deutliche Verbesserung für unsere Gäste“, sagt der Lufthansa-Vorsitzende Wolfgang Mayrhuber. Komfort, Flexibilität und Geschwindigkeit würden dort klar verbessert.

Ministerpräsident will Airport für die Zukunft fit machen

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat bei der Grundsteinlegung die große Bedeutung des Flughafens Frankfurt hervorgehoben: „Jeder Schritt den Flughafen fit zu machen für die Zukunft ist wichtig.“ Mit Blick auf den neuen Flugsteig und die dort geplante Abfertigung des größten Passagierflugzeugs der Welt, sagte Koch: „Das ist ein Zeichen für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa und des gesamten Frankfurter Flughafens und damit im Interesse der Rhein-Main-Region und mit Blick auf die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze von herausragender Bedeutung.“

Stefan Schulte, der neue Vorsitzende des Vorstands der Fraport AG, sprach in seiner Rede die Notwendigkeit der Kapazitätserweiterungen am Frankfurter Flughafen an: „Mit dem Flughafen-Ausbau sowie der umfangreichen Modernisierung und Erweiterung der vorhandenen Anlagen steigern wir die Wettbewerbsfähigkeit des Frankfurter Flughafens als einem der leistungsfähigsten Luftverkehrsknoten weltweit. Die Hub-Flughäfen verdichten sich zu zentralen Entwicklungsknoten im Netzwerk der globalisierten Wirtschaft: Hier laufen die Passagierströme, die Transportketten von Gütern und für den Austausch von Know how zusammen.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare