Entwicklung des Viertels

Bauboom im Ostend

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Die Zentrale der EZB spiegelt sich an der Hanauer Landstraße im Schaufenster eines Cafes (l). Rund um den Neubau im Frankfurter Ostend wird weiter kräftig gebaut.

Frankfurt/Offenbach - Im Osten viel Neues - zumindest wenn damit das Frankfurter Ostend gemeint ist. Das längs der Hanauer Landstraße gelegene Viertel entwickelt sich weiter dynamisch. Nun darf auch näher zur Gefahrguthalle an der Lindleystraße hin gebaut werden. Von Christian Riethmüller

Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und Michael Stapf, Niederlassungsleiter Rhein-Main beim Projektentwickler Groß & Partner, sind sich einig: „Es war ein hartes Stück Arbeit“ Doch nicht zuletzt die „gute und konstruktive Zusammenarbeit“ mit Behörden wie dem Regierungspräsidium Darmstadt sowie dem Planungsamt der Stadt Frankfurt habe schließlich zum Erfolg geführt. Das Lob gilt einem Verwaltungsakt, der von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Ostends ist.

An der Lindleystraße, einer Parallelstraße der Hanauer Landstraße, betreibt die VLS -Group seit vielen Jahren eine Gefahrguthalle, in der gefährliche Stoffe, etwa für die Chemie-Produktion, lagern. Nun hat die Europäische Union vor einiger Zeit die nach dem Ort eines Giftunfalls in Italien benannte Seveso-II-Richtlinie verordnet, derzufolge ein Mindestabstand zwischen Industriebetrieben und Wohngebieten und anderen öffentlich genutzten Gebieten einzuhalten ist, um die Auswirkungen bei einem möglichen Unfall gering zu halten. Kommunen müssen diese Richtlinie, die auch Bestandteil des Bundesimmissionsschutzgesetzes ist, sowohl bei der Erstellung von Bebauungsplänen als auch bei der Erteilung von Baugenehmigungen für Grundstücke ohne Bebauungsplan berücksichtigen und einen sogenannten Achtungsabstand einhalten. Dieser Abstand betrug früher 1000 Meter und zuletzt 640 Meter.

Wie Michael Stapf am Freitag in Frankfurt berichtet, ist es in Verhandlungen mit der VLS-Group gelungen, den Achtungsabstand auf 400 Meter zu reduzieren. Der Chemie-Logistiker, der Standorte in mehreren europäischen Ländern unterhält, verzichtet darauf, von seiner Genehmigung Gebrauch zu machen, in Frankfurt bestimmte gefährliche chemische Stoffe zu lagern. Wie Stapf weiter sagt, leistet Groß & Partner für dieses Entgegenkommen der VLS-Group eine finanzielle Kompensation, über deren Höhe allerdings „Stillschweigen vereinbart ist“.

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In Folge dieser Einigung kann der Immobilienentwickler nun auf einem der letzten freien Grundstücke am Hafenbecken einen Gebäudekomplex mit dem Namen „Dock“ vollenden, dessen erster Bauabschnitt an der Lindleystraße 11 bereits vollendet ist. In der Nachbarschaft sollen nun weitere Büro- und Geschäftshäuser entstehen, in denen auch großzügige Wohnungen vorgesehen sind.

Wie Wirtschaftsdezernent Frank betont, bedeutet die Reduzierung des Achtungsabstands aber auch für andere Bauvorhaben und die allgemeine Entwicklung des Ostends eine Vereinfachung.

In dem Viertel, das nach Ansicht der Interessenvereinigung „Eastside.Frankfurt“ nicht zuletzt wegen der Ansiedlung der Europäischen Zentralbank (EZB) von besonderer Attraktivität ist und das dank der Osthafenbrücke nun auch den direkten Kontakt zu Offenbach hergestellt hat, sind derzeit etwa 2000 neue Wohnungen in Planung. Um weiter für den Standort zu werben, hat die Initiative nun die dritte Ausgabe des kostenlosen „Eastside“-Magazins herausgebracht, das auf 172 Seiten über bereits umgesetzte sowie noch geplante Projekte im Ostend informiert.

Quelle: op-online.de

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