Bedrucktes Blech für mehr Gefühl

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In Wetzlar soll vom Sommer an wieder mit „WZ“ gefahren werden. Mit der Gebietsreform fielen die Buchstaben „WZ“ weg, gefahren wird seitdem mit „LDK“. Der Magirus-Laster von Müllermeister Jörg Wieler - Baujahr 1960 - hat noch die alte Kennung.

Wiesbaden/Wetzlar/Hanau - Hanau hat es schon, die Stadt Wetzlar bekommt es bald zurück: Das alte Autokennzeichen. Auch andere Kommunen im Land interessieren sich für die Wiedereinführung ihrer Buchstabenkennung, die sie im Zuge der Gebietsreformen abgeben mussten.

Das Verkehrsministerium in Wiesbaden führt derzeit eine Umfrage durch, wo im Land der Wunsch nach dem alten Kennzeichen besteht. Bis Ende März will sich das Ministerium auf diesem Weg einen Überblick verschafft haben. Hintergrund der Befragung ist eine Initiative der Länder, bei der Kennzeichen-Liberalisierung klare Verhältnisse zu schaffen.

Das Bundesverkehrsministerium hat zugesagt, demnächst eine rechtliche Regelung in den Bundesrat einzubringen, damit Alt-Kennzeichen auf Wunsch der Länder wieder gültig gemacht und von den Zulassungsbehörden mehrere Unterscheidungszeichen ausgegeben werden können. Wann das soweit ist, ist aber noch offen. Geregelt wird die Kennzeichenvergabe in einer Anlage der Fahrzeug-Zulassungsverordnung.

Zu den alten Nummernschildern zurück

In Hessen können sich dem Wiesbadener Ministerium zufolge offenbar mehrere Städte vorstellen, zu den alten Nummernschildern zurückzukehren. Dazu gehören etwa Dieburg, Hofgeismar oder Dillenburg. Das hessische Verkehrsministerium knüpft die Wiedereinführung früherer Kennzeichen an bestimmte Voraussetzungen: Grünes Licht gibt es nur, wenn dadurch weder extra Kosten noch mehr Bürokratie verursacht werden.

Den Trend zum alten Kennzeichen hat Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn mit aufgespürt. Der Professor forscht zum Thema Markenbildung von Gebietskörperschaften. Dabei spielen Symbole - und nichts anderes sind Nummernschilder - eine Rolle. Für seine Studien befragte er Menschen zu Kfz-Zeichen. Ergebnis für Hessen: Rund 69 Prozent der etwa 3000 Befragten würden, wenn sie die Möglichkeit hätten, ihre alte Buchstabenkombination zurückzubekommen, das auch wollen. Gefragt wurde unter anderem in Alsfeld, Büdingen, Dieburg, Dillenburg, Frankenberg (Eder), Gelnhausen, Hofgeismar, Hünfeld, Rotenburg a.d. Fulda, Schlüchtern, Usingen, Weilburg und Wetzlar. Sollten die Städte tatsächlich zu ihren alten Kennzeichen zurückkehren, könnten durch Hessen folgende Buchstabenkombinationen wieder rollen: ALS für Alsfeld, BÜD für Büdingen, DI für Dieburg, DIL für Dillenburg, HOG für Hofgeismar, HÜN für Hünfeld und USI für Usingen

„Das Kennzeichen hat eine Namensschildfunktion“

„Das Kennzeichen hat eine Namensschildfunktion. Es ist ein Symbol für das, was den Menschen wichtig ist“, erklärte Bochert. Deshalb würden auch so viele Geburtsdaten oder Initialen auf den Straßen herumfahren. Zwischen 60 und 80 Prozent - je nach Landkreis - hätten ihr Wunschkennzeichen und zahlten dafür drauf. „In diesem Kontext ist es dann auch von Bedeutung, was vorne auf dem Nummernschild zu lesen ist“, sagte der Experte. Auch dort wollten die Menschen etwas stehen haben, mit dem sie sich identifizieren könnten. Und die Identifikation mit der Stadt sei in der Regel höher als mit dem Landkreis. Der sei für die Menschen oft nur ein Verwaltungskonstrukt. „Ich bin Main-Kinzig-Kreisler“ sagt kaum jemand, weil das fast niemand so fühlt“, erklärte Bochert.

Auch in anderen Landesteilen verschwanden Kombinationen. Hanau war vor einigen Jahren Hessens erste Stadt, die ihr altes Schild wieder aufleben ließ. Gefahren wird dort nicht mehr mit „MKK“, sondern mit „HU“.

dpa

Quelle: op-online.de

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