Beethoven beim Wort genommen

Frankfurt - Dass britische Spitzenorchester das deutsche Repertoire schätzen, offenbarte London Philharmonic wieder einmal bei Pro Arte in der Alten Oper. Von Klaus Ackermann 

Dabei versicherten sich die Insulaner der hochkarätigen Kunst des Christian Tetzlaff, der Beethovens einziges Violinkonzert mit heiligem sinfonischen Ernst zelebrierte. Immer einig mit dem international renommierten Dirigenten Christoph Eschenbach, der bei Brahms’ erster Sinfonie auch ins schwierige Seelenleben des Tondichters zu leuchten schien.

Die milden Paukenschläge zum Auftakt täuschen ein wenig. Energisch gehen Eschenbach und London Philharmonic die an musikalischen Gedanken reiche Einleitung des Violinkonzerts D-Dur an, deren leidenschaftliche Ausrichtung Tetzlaff auf seiner klanglich groß dimensionierten Greiner-Geige aufnimmt, bei den schönen beredten Melodien indes auch gesanglich brillierend. Ein dynamisch intensives Miteinander, das in einer originellen Kadenz mündet.

Nach nur mäßigem Erfolg bei der Uraufführung hatte Beethoven das Violinkonzert in ein Klavierkonzert umgemünzt, die vorgeschriebene Kadenz mit Kesselpauken-Untermalung. Tetzlaff adaptiert das mehr oder minder freie Spiel der Kräfte für die Violine, gewinnt dem Ganzen sogar ein virtuos-martialisches Tänzchen ab, bekommt aber immer wieder die Kurve zum vorab orchestral verbreiteten Themenmaterial.

Ungemein expressiv gehen die Londoner auch das Larghetto an, vom Solisten angelegentlich so leise umspielt, dass man Stillstand fürchtet. Ins zupackend gespielte finale Rondo stimmen auch die Kesselpauken ein, Poltergeister im heiteren Wirbel. Knappes Fazit: Endlich erfährt man über ein schon weidlich ausgepowertes Repertoire-Stück etwas Neues. Von Tetzlaff, der mit dem Andante aus der a-Moll-Sonate von J. S. Bach die erwartete Zugabe bringt.

Wieder ein hartnäckiger Paukenrhythmus: Schroff ist der Einstieg in die geheimnisvollen Klangwelten der Sinfonie Nr. 1 c-Moll, in der Johannes Brahms sein großes Vorbild Beethoven nach langwieriger sinfonischer Genesis überwand. Schnell ist da ein Fortissimo erreicht, für ausdauernde Gipfelgänge des stimmlich miteinander gut vernetzten Orchesters.

Nach einprägsamer Oboenidylle, einem beziehungsreichen, aber immer handfesten Allegretto grazioso, dann die Alphorn-Erlösung aus finsterer Nacht, schon an Eschenbachs Körperspannung ablesbar, der beim butterweichen Posaunenchoral die Taktierhände nach oben reißt. Mit Beethovens „Prometheus“-Ouvertüre als Zugabe ein früher Höhepunkt der Saison. So kann’s weitergehen.

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Quelle: op-online.de

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