Behinderte auf Wohnungssuche

Offenbach - Frau Z. leidet an schweren Wirbelsäulenerkrankungen. Sie ist im Alltag stark eingeschränkt und auf einen Rollator angewiesen.

Seit ihr Vermieter vor vier Jahren Eigenbedarf angemeldet hat, sucht sie eine neue behindertengerechte und bezahlbare Wohnung, was ihr aber - trotz Unterstützung durch den Verein Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach - bisher nicht geglückt ist. Nur in einer Senioreneinrichtung hätte es geeignete Räume gegeben. Frau Z. ist aber erst 59 Jahre alt. Laut Ingrid Schmalhorst-Behrendt, Leiterin des Ambulanten Dienstes des Vereins, ist dies kein Einzelfall: Menschen mit Behinderung finden kaum noch geeigneten Wohnraum. „Entweder ist dieser zu teuer, ungünstig gelegen oder nicht barrierefrei“, so Schmalhorst-Behrendt. So müssten Menschen, die eigentlich selbstständig und selbstbestimmt leben können und wollen, gezwungenermaßen in stationären Wohnformen verbleiben.

Aktuell suchen die Wohnverbünde und der Ambulante Dienst des Vereins für 18 Personen eine passende Wohnung in Stadt und Kreis Offenbach. Darunter fünf Menschen, die zwar aktuell eine eigene Wohnung haben, aber deren Wohnsituation aufgrund der schwierigen Nachbarschaft oder baulicher Mängel nicht mehr tragbar ist. „In unseren stationären Wohneinrichtungen leben Personen, die aufgrund ihrer gewonnenen Selbstständigkeit nunmehr in eine eigene Wohnung ziehen könnten“, erläutert Jürgen Großer, Geschäftsführer des Vereins Behindertenhilfe. „Es ist sehr frustrierend für diese Menschen, immer wieder enttäuscht zu werden.“

„Die gegenwärtige Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt macht uns große Sorgen“, moniert Großer. „Bezahlbarer Wohnraum ist eine Mangelware geworden.“ Die Sozialhilfe übernehme zwar grundsätzlich die Mietkosten. Indes sei die Höhe begrenzt und von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Sie liegt zwischen 400 und maximal 500 Euro. In dieser Preislage sind der Behindertenhilfe zufolge allenfalls Wohnungen in Quartieren zu finden, die sich als problematisch für eine Integration erweisen. Maklergebühren werden nur in Einzelfällen übernommen. Außerdem haben dem Verein zufolge viele Vermieter und Makler Vorurteile gegenüber Mietern mit Behinderung und engagierten sich wenig oder gar nicht.

„Wir sehen die Kommunen in der Verantwortung, für alle ihre Bürger bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum anzubieten“, so Großer. Die Konsolidierung der Finanzen dürfe nicht zu Lasten der finanzschwachen Bürger gehen. Für Frau Z. war die Zeit der Wohnungssuche sehr belastend. Die drohende Obdachlosigkeit konnte sie nur verhindern, indem sie vorübergehend zu Verwandten und Bekannten zog. Seit Juni 2010 lebt sie in einer zwar ebenerdigen und vom Sozialamt finanzierten Wohnung, indes ist diese nicht behindertengerecht; Bad und Küche sind nicht mit dem Rollator nutzbar. Erschwerend hinzu kommen Probleme mit dem Wohnumfeld und den Nebenkostenabrechnungen.

(cz)

Quelle: op-online.de

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