Beide Hände frei

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Martina Birkelbach leitet nun die Kulturinstitution „Brotfabrik“ in Hausen. 

Frankfurt - Im Künstlerhaus Mousonturm beginnt Ende dieses Jahres eine neue Zeitrechnung. Von Detlef Kinsler

Mit Niels Ewerbeck beerbt ein neuer Intendant Dieter Buroch, der das Haus seit Ende 1988 führt und – weltweit vernetzt – zu einer der wichtigsten Spiel- und Produktionsstätten für nationale und internationale freischaffende Künstler aus den Bereichen Tanz, Theater, Performance, Musik, Kleinkunst, Literatur und Bildende Kunst machte. Ein Glück für Martina Birkelbach, dass sie schon zu Unizeiten den Weg in die Waldschmidtstraße fand, dort nach ihrem Studentenjob blieb und in den letzten 14 Jahren alle Abteilungen durchlief – bis zur Assistenz der Geschäftsleitung. „Da habe ich ganz viel gelernt. Aber als rechte Hand hast du nicht beide Hände frei“, erkannte sie und suchte die Veränderung. „Für mich war schon klar, dass das jetzt mal sein muss. “.

Der Weg in die Eigenverantwortung fiel ihr letztlich leicht, denn das Angebot, zukünftig als Geschäftsführerin in das Frankfurter Kulturschaffen einzugreifen, kam aus der Brotfabrik. Im sechsten Jahr nach dem Führungswechsel in der im Stadtteil Hausen gelegenen Kulturinstitution ziehen sich Conny Wynen, Harald Scherbach und Torsten Müller vom Kulturprojekt 21 e.V. aus dem operativen Geschäft zurück. Bis dato agierten sie als Vorstand des Vereins und Geschäftsführung in Personalunion. „Das war ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen“, sagt Torsten Müller. „Die Brotfabrik ist gut aufgestellt, der Bekanntheitsgrad hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm gesteigert.“ Aber das Potential des Kulturbetriebes ist längst noch nicht ausgeschöpft.

Laut Birkelbach ist die "Brotfabrik" ein Biotop

Hier kommt nun Birkelbach ins Spiel. „Die Brotfabrik ist ein Superort, die Räume, das Gelände. Das ist weit über ein soziokulturelles Zentrum hinaus gewachsen“, spricht Martina Birkelbach liebevoll von einem Biotop. Denn die Brotfabrik ist irgendwie ja auch ein Frei- und Schutzraum für Künstler, die für etwas Spezielles stehen. Neben Konzerten, weiterhin betreut von Markus Gardian, der nicht zuletzt mit Reihen wie „Female Voices“, „New American Folk“ und „Musique actuelle française“ oder Festivals wie der „British Jazz Week“ die Definition einer Bühne für Jazz und Weltmusik immer weiter fasste, gehören seit jeher Lesungen und Discos zum Brotfabrik-Programm.

Birkelbach will aber weitere Verknüpfungen schaffen und hat dabei nicht nur Frankfurts freie Szene und hier besonders die Tanz-, Theater- und Performance-Leute im Blick. „Aber wir wollen nicht das alte Publikum verschrecken“, sagt sie zu den angedachten Veränderungen und Ergänzungen, die behutsam angegangen werden sollen. „Inhalte und Qualität sind die obersten Prinzipien, aber ein bisschen cool muss schon sein.“ Und wenn sie sich und ihr Team vor allem als „Dienstleister für das Publikum und die Künstler“ versteht, den eigenen Gechmack kann und will man dabei nicht ausblenden. Schon gar nicht, um den Mainstream zu bedienen. „Das Angebot muss mutig und gewagt sein, einen Wow!-Effekt haben“, arbeitet Birkelbach schon an einem Fünf-Jahres-Plan.

Quelle: op-online.de

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