Comedian Kaya Yanar in der Jahrhunderthalle

Beim Heimspiel in Bestform

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Frankfurt - Er gilt als Musterbeispiel für Integration und eine multikulturelle Gesellschaft, doch seit Kaya Yanar der Liebe wegen in die Schweiz abgewandert ist, hat auch er -  so seine Probleme, die Welt zu verstehen. Von Maren Cornils

Die Welt tickt bei den Eidgenossen nämlich etwas anders. Doch als Comedian, der Kaya Yanar nun einmal ist, macht er aus all den Erlebnissen, die ihm in dem Alpenstaat bislang zugestoßen sind, ein Programm. „Around the world“ heißt das, und in der Jahrhunderthalle Frankfurt gibt der gebürtige Frankfurter damit ein Heimspiel. Kaum, dass Yanar auf der Bühne steht, ertönt auch schon frenetischer Applaus aus dem ausverkauften Rund. Ein gutes Gefühl, wie der Wahlschweizer findet: „Nach Hause kommen fühlt sich einfach fantastisch an. Und was das Gute für euch ist: Bei einem Heimspiel gibt es 20 Prozent mehr Gags.“ Und diese liefert der gut gelaunte Deutsch-Türke zuverlässig, allerdings nicht ohne einen liebevollen Seitenhieb auf seinen Comedy-Kollegen Bülent Ceylan.

Den Teil der Zuschauer, der Yanar noch nicht live gesehen hat („Ich bin seit 20 Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs, und Ihr kommt erst jetzt zu mir?“) - es ist ein überraschend großer – überzeugt der 42-jährige Komiker mit seiner flapsigen Art ohnehin sofort. Denn im Gegensatz zu älteren Programmen wirken Yanars Gags spontaner, ungekünstelter. Volkswagen („Sag mir was Dreckiges – VW Golf Diesel 2.0!“) wird ebenso vorgeführt wie die Charterairline „SunExpress“ und selbst die aus der Türkei skypende Mutter muss für einen Gag herhalten.

Ob russische Urlauber in einem All-Inclusive-Resort, krakeelende Kleinkinder im Urlaubsbomber nach Antalya, Niederländer („Holländisch ist Deutsch auf lustig“) oder Schweizer Postbeamte – Kaya Yanar erweist sich als genialer Imitator mit viel Talent zur Dialekt-Persiflage und kennt auch dann kein Pardon, wenn es um türkische Machos geht. Da wundert es auch nicht, dass der Frankfurter sich mehr als fünf höchst amüsante Minuten mit dem aus der Luftfahrt bekannten Phänomen „Vogelschlag“ beschäftigt und dazu eine ganz eigene Theorie über suizidgefährdete Vögel vorlegt: „Vorne kommen Vögel rein, hinten kommt Frikassee raus.“ Am besten aber ist Yanars Tour um die Welt dann, wenn er mit Stolz von seiner Beziehung zu einer Schweizerin erzählt. Und so erfahren die Zuschauer, wie es sich anfühlt, in einen Schweizer Elektrozaun zu greifen, wie Mann lernt, wofür ein Glätteisen gut ist und was Banane auf Türkisch heißt. Die Zuschauer biegen sich ob Yanars Imitation eines ausgelassenen Schweizer Absatztanzes und seiner Erlebnisse als Skianfänger auf dem Idiotenhügel vor Lachen. Besser kann ein Heimspiel nicht laufen.

Quelle: op-online.de

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