Belgier mit Romantik im Originalklang

Frankfurt - Als Barock-Ensemble gegründet, hat es die Originalklang-Forschung jetzt auch der musikalischen Romantik angedient und tritt dabei in Orchesterstärke auf. Von Klaus Ackermann 

„Anima Eterna Brugge“ gastierte mit seinem Erfinder Jos van Immerseel und zwei Schubert-Sinfonien beim Abonnementskonzert der Alten Oper. Dabei boten Urtext und Wiener Blasinstrumente aus der romantischen Epoche den besonderen Akzent. Die Bezeichnung „Anima Eterna“ (Ewige Seele) hat der Orchestergründer seinem eigenen Namen entlehnt. Das wirkt so selbstbewusst wie van Immerseels Dirigat, kein permanenter Luft-Ruderer, sondern ein sparsam Zeichen gebender Orchesterleiter.

Hochdramatisch sind die Eingangstakte von Schuberts Ouvertüre zum Melodram „Die Zauberharfe“, ein dunkles Zauberstück um Liebe und Hass einleitend. Doch schon im Klarinetten-Oboen-Lied, das mit viel orchestralem Durchzug in ein munteres Tänzchen einbiegt, zeigt sich der Romantiker als großartiger Melodie-Erfinder. Für „Anima Eterna“ gleichsam Aufgalopp zur Sinfonie Nr. 2 B-Dur, in der Schubert, gerade mal 18 Jahre jung, seine Vorbilder Mozart und Beethoven nicht verleugnet. Der Liederkomponist lässt dann im charaktervoll variierten Andante grüßen, ein Fest für die fein tönenden, aber immer geradlinig aufspielenden „historischen“ Holzbläser. Intensiv ist das Zusammenspiel der Orchestersektionen. Noch im filigranen und ungemein schnell angegangenen figürlichen Gemenge des Presto herrscht Übersicht.

Schlanker Klang und starke Ausdruckskraft auch bei der „Großen C-Dur-Sinfonie“, in der Naturhörner astrein und unisono die Romantik beschwören. Van Immerseel, dem orchestralen Laut und Leise stets in vielen Schattierungen verpflichtet, aber auch robuste Ländler- und elegante Walzerszenen klanglich zeichnend, reiht Episode an Episode. Der sinfonische Weg hat zwischen seelenvollem Streichergesang, deftigen „Gassenhauser“-Passagen und hymnischem Blech viele Wendungen – und „himmlische Längen“ (Schumann). Immerhin umfasst das Finale mehr als 1000 Takte. Dessen zentrales Bläsermotiv bleibt so dauerhaft im Ohr.

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Quelle: op-online.de

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