Al-Wazir rudert zurück

Hessen dürfen weiter mit Bembel ausschenken

Wiesbaden - Zwei Landesminister schlagen Alarm und fürchten um ihre regionalen Trinktraditionen. Doch einen Tag später rudern Tarek Al-Wazir und seine Rheinland-Pfälzische Amtskollegin schon wieder zurück.

Die Meldung sorgte gestern für große Aufregung in hessischen Kneipen und Lokalen: Laut einer EU-Regelung müssen die Hessen beim Apfelwein-Genuss künftig auf ihren Bembel verzichten. So zumindest stellten es die Wirtschaftsminister von Hessen und Rheinland-Pfalz, Tarek Al-Wazir und Eveline Lemke, dar. Doch anscheinend hatten sich die beiden über die entsprechende EU-Verordnung und ihre Umsetzung nicht ausreichend informiert, denn heute folgte prompt das Dementi.

Nach Darstellung des hessischen Wirtschaftsministeriums sicherte ein Vertreter der Bundesregierung heute in Berlin zu, dass die geplante Änderung der Mess- und Eichverordnung die traditionellen Apfelwein-Gefäße nicht infrage stellt. „Den Gebrauch von Keramikkrügen für Wein oder Steinkrügen für Bier einzuschränken, wäre eine rein nationale Entscheidung und wird durch EU-Recht in keiner Weise verlangt", sagte Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland. „Die EU-Regeln geben nationalen Akteuren bewusst großen Spielraum, um regionale Traditionen zu schützen.“

Die EU-Richtlinie sieht einen innen liegenden Maß-Strich in Gefäßen vor, damit Verbraucher besser sehen können, ob die angegebene Menge ausgeschenkt wurde. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) begrüßte die Klarstellung. "Der Bembel aus Steingut gehört zum hessischen Apfelwein wie der Krug zur Maß und die Stange zum Kölsch", sagte er. In Rheinland-Pfalz ist das Trinkgefäß auch als Viezporz bekannt.

(dpa/nb)

Quelle: op-online.de

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