Berufstätige zum Umsteigen bewegen

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Mit dem Fahrrad zur Arbeit - egal bei welchem Wetter.

Offenbach (vs) - Mal schnell zum Supermarkt? Dann ab ins Auto. Das Kind muss zur Schule? Die Mutter wartet schon mit angelassenem Motor. Und der Bürohengst fährt sowieso PS-stark zur Arbeit. Das Auto ist nach wie vor das meistgenutzte Verkehrsmittel in Deutschland.

Selbst für kurze Entfernungen. Jede zweite Strecke, die mit dem Pkw zurückgelegt wird, ist kürzer als fünf Kilometer.

Das Fahrrad zur echten Verkehrs-Alternative für Arbeit und Alltag zu machen und den Radverkehrsanteil bis 2020 auf 15 Prozent zu erhöhen, ist Ziel des Projekts „bike+business“. Es wurde 2002 im Rhein-Main-Gebiet vom Regionalverband FrankfurtRheinMain und dem ADFC Hessen gestartet und soll Berufstätige zum Umsteigen aufs Fahrrad motivieren - nicht nur, wenn sie nah an der Arbeitsstelle wohnen, sondern auch in der Kombination mit Bus und Bahn. Teilnehmer des Projekts sind 19 Unternehmen und Stadtverwaltungen, darunter die Deutsche Bundesbank, die Deutsche Flugsicherung (DFS), das Klinikum Offenbach sowie die Kommunen Bad Homburg, Frankfurt, Hanau, Offenbach und Neu-Isenburg. Seit 2009 wird der „bike+business Award“ verliehen. Schirmherr ist der Hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch, selbst ein begeisterter Radfahrer.

Der Vorjahressieger ist der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Er hat den Rekordwert von 25 Prozent Fahrradpendlern im Betrieb. Der Durchschnitt in Rhein-Main liegt bei elf Prozent, hessenweit noch geringer. „Wir haben mehr Fahrrad-Abstellplätze als Pkw-Parkplätze“, sagt Vorstandsmitglied Hans-Gerd Nitz. „Unsere Mitarbeiter haben hier die Möglichkeit, sich umzuziehen und zu duschen.“ Seit der DWD den Preis gewonnen hat, sei das mediale Interesse an dem fahrradfreundlichen Betrieb stark angestiegen. „Ich rede schon mehr übers Fahrradfahren als vom Wetter“, sagt Nitz und lacht.

Die Kongresse von „bike+business“ finden traditionell beim Award-Sieger des Vorjahres statt. So war der DWD Austragungsort des dritten Kongresses unter dem Motto „Zeit in die Gänge zu kommen“. Den Preis für 2012 verlieh jetzt der hessische Sozialminister Stefan Grüttner an das Kasseler Unternehmen SMA Solar Technology AG. Eine eigens aufgestellte Mobilitäts-Arbeitsgruppe warb im Firmen-Intranet für das Rad – mit Erfolg. Das Stellplatzkonzept und die Dienstfahrräder machten das Fahrrad zum wichtigen Verkehrsmittel in der Firma.

Ein Ansatz, den sich der regionale Radverkehrsbeauftragte Joachim Hochstein fürs ganze Land wünscht. Denn wie jeder zweite Autoweg sind 85 Prozent der Radwege kürzer als fünf Kilometer. „Wahr ist aber auch: 70 Prozent der Pendlerdistanzen sind länger als 15 Kilometer“, so Hochstein. Eine gute Alternative im Nahbereich bis etwa zehn Kilometer sind für ihn Elektrofahrräder. „Mit dem klassischen Fahrrad hat man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 Stundenkilometern, mit dem E-Bike 20 bis 27 Stundenkilometer, kommt also schneller und müheloser ans Ziel.“ Die planerische Antwort darauf seien Radschnellwege. „Hier gilt es, ein regionales Konzept zu erstellen, das ist ein Zukunftsprojekt für die nächsten fünf Jahre.“

Die erste Beigeordnete des Regionalverbands Birgit Simon bestätigt: „Ohne gute Infrastruktur wird es schwierig, mehr Leute fürs Radfahren zu begeistern.“ Die Verkehrssysteme und der ÖPNV seien derzeit überlastet, an eine Fahrradmitnahme in der S-Bahn zu Stoßzeiten nicht zu denken. Ein Problem sei die Finanzierung der Radwege: „Die Summe, die man braucht, um ein Stück Radweg auszubauen, ist ungeheuerlich. Ohne Hilfe vom Land geht es nicht.“

Quelle: op-online.de

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