Frankfurter Buchmesse 2012

Besinnung auf das schöne Buch

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Frankfurt/Offenbach - Zur Unterstützung lokaler Läden ruft der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf. „Amazon macht es auch nicht besser“, sagt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. Wie reagiert der Sortimentshandel der Region auf die Internet-Konkurrenz? Von Markus Terharn

„Unterbinden kann man den Internetvertrieb nicht“, ist Helma Fischer realistisch. Deshalb macht die Geschäftsführerin der Steinmetz’schen Buchhandlung in Offenbach einfach mit. „Wir haben seit längerer Zeit eine Internetseite mit Katalog, aus dem unsere Kunden bestellen können. Einige tun das auch und holen die Bücher dann ab. “ Vielen sei das lieber, als eine Benachrichtigung im Briefkasten zu finden und danach am Postschalter zu stehen.

Einen entscheidenden Vorteil ihres Ladens sieht Fischer im Buchbestand. „Wir haben natürlich auch die Bestseller da. Aber vor allem Werke, die man nicht überall findet. Da kann sich der Leser überraschen lassen.“ Dazu komme das persönliche Gespräch, die Möglichkeit, dem Fachhändler Fragen zu stellen. „Das ist besser als die Empfehlung in einem Blog, dessen Autor man nicht kennt.“ Und noch eine Erfahrung hat Fischer gemacht: „Viele informieren sich vorab im Netz und kaufen trotzdem bei uns – auch um Solidarität zu zeigen.“

Bilder von der Frankfurter Buchmesse 2012

Startschuss für Frankfurter Buchmesse

Ihren Umsatz nennt Fischer „nicht berauschend, aber es hält sich“. Sorgen müsse sie sich nicht machen, solange sich die Branche auf das besinne, was sie ursprünglich mache: „schöne Bücher“! Das bezieht die Expertin auf den Inhalt wie auf die Gestaltung, „gerade im Zusammenhang mit dem E-Book“. Druck, Schriftbild und Gestaltung müssten dazu verleiten, sich das Buch anzuschauen.

Schwerpunkt der 177 Jahre alten Steinmetz’schen Buchhandlung in der Fußgängerzone ist die Belletristik sowie das anspruchsvolle Sachbuch: Geschichte, Soziologie, Naturwissenschaften. Besonderheit ist eine kleine Philosophie-Abteilung.

Tuscher betont, dass viele die klassische Beratung zu schätzen wissen, die sie im Internet nicht bekommen. „Unser Vorteil ist: Wir kennen unsere Kunden. Wenn jemand ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Soundso sucht, wissen wir, was er liest und was er schon besitzt.“

„Lehrer, Gewerkschafter, Studenten“

Mit Belletristik, Kinder- und Jugendbuch sowie Krimis zielt der bam auf ein intellektuelles Publikum: „Lehrer, Gewerkschafter, Studenten“, skizziert Tuscher die Käufer. Stammkunden informiert das Team einmal die Woche per Newsletter. Zur Kundenbindung tragen Veranstaltungen wie die „Kleinen Lesbarkeiten“ mit Buchtipps der Mitarbeiter oder Lesungen wie die der bekannten Offenbacher Autorin Silke Scheuermann bei (Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr, Wilhelmsplatz 12).

Für Tuscher geht der Trend übrigens schon wieder weg vom Internet, „gerade bei den Jüngeren“. Als Grund vermutet sie, dass sie nicht mehr gern ihre Daten preisgeben. Während die Buchhandels-kette Thalia anderswo Läden schließt, ist die Offenbacher Filialleiterin Kerstin Födisch zufrieden mit den Ergebnis sen. Das Unternehmen, zur Douglas-Holding gehörig, verfolge eine „Multi-Channel-Strategie“, die eine enge Verzahnung des Internet-Shops mit dem Ladengeschäft einschließe. „Das ist eine strategische Entscheidung, von der die Filialen profitieren.“

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Auf der Suche nach klaren Worten

So funktioniert es: „Auf unserer Internetseite kann der Kunde ein Medium bestellen, wahlweise zu uns oder zu sich nach Hause – portofrei und unverbindlich.“ Das sei ein Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern. Trotz Zentralisierung setzt die Niederlassung im Einkaufszentrum KOMM auch auf die regionale Karte. Autorenlesungen und Signierstunden stehen auf dem Programm, eher im Tagesgeschäft. „In den Abendstunden sind wir durch unsere Lage innerhalb des Centers an dessen Spielregeln gebunden“, erläutert Chefin Födisch.

Quelle: op-online.de

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