Panikmache besorgter Eltern im Internet

Gerüchte um Kidnapper schüren Angst

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Offenbach - Weil sie um ihre Kinder besorgt sind, verbreiten Eltern über Facebook oder WhatsApp massenhaft Hysterie. Derzeit warnen sie wieder einmal in immer neuen Variationen vor Unbekannten, die in Kleintransportern vor Schulen stehen. Die Ängste sind verständlich, aber übertrieben. Von Ralf Enders

Vor einigen Tagen parkte ein Kastenwagen mit zwei Männern vor einer Schule in Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis. Mehrere Schüler – durch Warnungen sensibilisiert – erzählten ihren Eltern von der Beobachtung. Die Eigendynamik war nicht mehr aufzuhalten. In WhatsApp- und Facebook-Gruppen teilten die Eltern Fotos des Kennzeichens und der Insassen – illegal wegen Persönlichkeitsrechten. Die Texte dazu erzählten wahlweise von Organhändlern oder Kinderschändern. Bei einer Kontrolle fand die Polizei heraus: Die Männer samt Kastenwagen gehörten zu einem Ingenieurbüro und hatten in der Nähe zu tun, wie Polizeisprecher Michael Malkmus vom Präsidium in Offenbach mitteilt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redakteur Ralf Enders.

„Die Sensibilisierung von Schülern und Eltern ist richtig und gut. Aber soziale Medien tragen nicht dazu bei, Verdachtsfälle und eventuelle Ermittlungen in die richtigen Bahnen zu lenken“, sagt Malkmus. Wichtigster Rat: „Wer einen Verdacht hat, soll sich immer zuerst an die Polizei wenden!“ Die sei stets dankbar für aufmerksame Schüler, Eltern und Nachbarn und könne tatsächliche Gefahren erkennen. Panikmache via Social Media – von einem Phänomen will Malkmus nicht sprechen, „aber solche Fälle haben wir immer wieder mal“. Kein Wunder, denn die Geschichten wabern seit Jahren deutschlandweit. Wer entsprechende Begriffe bei einer Suchmaschine eingibt, findet hunderte „Beobachtungen“ zwischen Garmisch und Kiel. Meist ist es ein weißer Kastenwagen vor einer Schule, bisweilen auch ein VW-Bulli. „AUFGEPASST!!!!!!! – an alle mit Schulkindern!!!!“ heißt es dann, stets verbunden mit der Bitte, die Nachricht an alle Kontakte weiterzuleiten.

Die Tricks der Daten-Hacker

Dann tritt der Stille-Post-Effekt in Kraft, im Netzjargon auch als Hoax (Falsch-/Spaßmeldung) bekannt. Jemand erzählt was, ein anderer dichtet was hinzu, ein Dritter schmückt ein bisschen aus. Bisweilen werden auch alte Meldungen neu verpackt und aufgewärmt.

In Friedberg sah sich die Polizei vor kurzem zu einer außergewöhnlich umfangreichen Pressemitteilung veranlasst. „Explosionsartig“ hätte sich über soziale Netzwerke die Meldung verbreitet, wonach zwei Männer in einem Kastenwagen vor einer Schule Kindern aufgelauert hätten. Die Beamten warnten eindringlich vor der Meldung ohne „jeglichen Wahrheitsgehalt“. Und: „Prüfen Sie jede Information, die an Sie herangetragen wird, auf ihren Wahrheitsgehalt, bevor Sie sie weitergeben.“

Was man heute über das Internet wissen muss

Quelle: op-online.de

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