„Besser als jedes Praktikum“

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Dr. Klaus Winkler (links), Abteilungsleiter Montage 2 bei der Firma manroland, erklärt Gymnasiast Kevin Eckstaedt die Funktion einer Druckmaschine. Beim Aktionstag „Schüler als Bosse“ schaute der 18-Jährige ihm genau über die Schulter.

Offenbach ‐ Lektion eins im Berufsleben: Auch wenn man einen Arbeitstag plant, kommt es meistens ganz anders. Lektion zwei: Vorgesetzte werden nicht angerufen, wenn es gut läuft. Von Veronika Szeherova

Für Dr. Klaus Winkler, Leiter derMontageabteilung 2 bei der manroland, ist das alles längst Alltag. Auf Kevin Eckstaedt prasseln dagegen jede Menge neuer Eindrücke ein: Der Zwölftklässler von der Offenbacher Leibnizschule darf einen Tag lang bei dem Druckmaschinenhersteller Führungsluft schnuppern. Am Aktionstag „Schüler als Bosse“ der Wirtschaftsjunioren Offenbach am Main e.V. beteiligten sich mehr als 50 Schüler aus Stadt und Kreis. Anhand ihrer bevorzugten Branchen und Berufsvorstellungen wurden sie einzelnen Unternehmen zugeteilt - von der Arztambulanz über das Autohaus bis zur Anwaltskanzlei. 40 Unternehmen aus der Region boten diese Chance. Für Kevin Eckstaedt war die Zuteilung zu manroland ein Glücksgriff: „Mein Opa hat hier gearbeitet und mir viel über den Betrieb erzählt.“

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Um acht Uhr begann der Arbeitstag für den Gymnasiasten. Kaum war er angekommen und hatte seinen betreuenden „Boss“ kennengelernt, ging es auch schon zu einem Besuch des Werks in Mainhausen. Dort stand ein Gespräch mit einem Vertreter des Regierungspräsidiums zum Thema Arbeitssicherheit an. Zurück in Offenbach, klingelte Winklers Telefon. Es folgten mehrere Meetings. Der 18-Jährige kam natürlich überallhin mit.

„Dass man viele Kilometer am Tag zurücklegt, gehört dazu“, erklärt Winkler. „Dabei hatten wir die meiste Zeit für Erklärungen und Gespräche.“ Denn entgegen gängiger Vorstellungen verbringe man in einer Führungsposition gar nicht so viel Zeit vor dem Schreibtisch. „Neben technischem Wissen braucht man in diesem Job vor allem Kommunikationsbereitschaft“, so Winkler. „Wer keinen Spaß an vielen klärenden Gesprächen hat, ist hier falsch.“

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Von seinem jungen Kollegen für einen Tag ist der Abteilungsleiter sehr angetan. „Er ist sehr aufmerksam und interessiert“, lobt er. Im Handumdrehen waren neun Arbeitsstunden vorbei. „Ein einziger Tag ist zwar an sich nicht viel, aber dafür war er sehr informativ“, findet Eckstaedt. Der Schüler sieht seine Erwartungen übertroffen. Er habe schon Schülerpraktika erlebt, die viel länger dauerten und längst nicht so viel gebracht hätten. „Es ist sehr spannend gewesen, alles direkt mitzuerleben und bei wichtigen Entscheidungen dabei zu sein. Besser als jedes Praktikum.“

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Der Aktionstag „Schüler als Bosse“ ist eine freiwillige Aktion. Die Möglichkeit, einen Tag in einem Betrieb statt der Schule zu verbringen und Kontakte zu knüpfen, klingt verlockend. Doch Kevin Eckstaedt berichtet, dass in seinem Jahrgang weniger als zehn Schüler überhaupt die Unterlagen mitgenommen hätten. Ist es Bequemlichkeit? „In der Schule hätte ich heute nur vier Stunden gehabt“, so der 18-Jährige, „aber die Erfahrungen möchte ich nicht missen.“ Beruflich zieht es ihn sowohl zu großen Industrieunternehmen, aber auch in den Bereich Finance und Banking. Und Klaus Winkler deutet vielversprechend an: „Über Praktikanten und Werkstudenten freuen wir uns immer.“

Quelle: op-online.de

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