Bessere Chancen für Menschen mit Krebs

Frankfurt - Jährlich erkranken in Deutschland 450 000 Menschen an Krebs. Entscheidend für ihren Therapieerfolg ist die Erstbehandlung: Diagnostik, Therapie und wissenschaftlicher Fortschritt sind dabei zu kombinieren und die verschiedenen Fachrichtungen zu verknüpfen. Von Sonja Thelen

Im Rhein-Main-Gebiet herrschen jetzt beste Voraussetzungen, um eine optimale medizinische Betreuung von Krebspatienten zu organisieren, wie es das eben verabschiedete Hessische Onkologiekonzept der Landesregierung vorsieht. Das vor einem Jahr vom Frankfurter Universitätsklinikum und vom Krankenhaus Nordwest gegründete interdisziplinäre „Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen“ (UTC) hat nämlich das von der Deutschen Krebshilfe verliehene Gütesiegel „Onkologisches Spitzenzentrum“ erhalten. Verbunden ist damit eine Förderung von über drei Millionen Euro über drei Jahre. Das UCT ist damit das einzige geförderte Zentrum im Rhein-Main-Gebiet und ganz Hessen.

Für den Ärztlichen Direktor der Uniklinik, Professor Roland Kaufmann, ist diese Auszeichnung Beleg dafür, das beide Kliniken die richtige Strategie eingeschlagen haben, indem sie ihre Kräfte und Kompetenzen im UCT gebündelt haben:„Uns ist damit ein großer Wurf gelungen.“Gerade die Onkologie ist „ein experimentelles Feld“,das sich laut Professorin Elke Jäger, Chefärztin der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Krankenhaus Nordwest, in Forschung und Wissenschaft unglaublich schnell verändert. Auch gelte es, nach außen klar zu machen, dass die Diagnose Krebs heutzutage keinem Todesurteil mehr gleich komme: „Die Deutschen gehen sehr depressiv mit dem Thema um, obwohl sich die Überlebensperspektiven erheblich verbessert haben - auch bei einem Krebs im fortgeschrittenen Stadium.“Daher sind neue Kooperationen wie das UCT längst überfällig.“

Vor allem für die Betroffenen ist es schwer, nach der für sie erschütternden Diagnose zu durchschauen, was es für Therapien wo gibt, und welche für sie die richtige ist, welche Operationsmethoden angewandt werden, wie es um die Nachsorge bestellt ist, oder wo man psycho-onkologisch betreut wird.

Diese Problematik hat auch die Politik erkannt. Um den Betroffenen die Sorge zu nehmen, unter dem vielfältigen und oft verwirrenden Angebot die bestmögliche Behandlung zu finden, wird im Rahmen des Onkologiekonzepts in festgelegten Versorgungsgebieten und Onkologischen Zentren die medizinische Versorgung koordiniert. Im Versorgungsgebiet Frankfurt-Offenbach übernimmt diese Aufgabe künftig das UCT.

Das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen ähnelt einem Netzwerk. Im Mittelpunkt stehen die Universitätsklinik und das Krankenhaus Nordwest. Beide versorgen nicht nur die Patienten, sondern sind ebenso wissenschaftliche Einrichtungen, an denen gelehrt und geforscht wird. Die Onkologen aller Fachrichtungen tauschen sich regelmäßig aus, so zum Beispiel über Diagnose, Operation, Therapie, Nachsorge und weitere flankierende Maßnahmen. Auch Themen wie Sport für Krebspatienten, Ergebnisse aus der neueren Forschung und Patienten-Studien zählen dazu. Wöchentlich finden elf Tumorkonferenzen statt. Auf ihnen wird die Behandlung besprochen, es werden Empfehlungen abgegeben und Behandlungsleitlinien definiert. Über diese Standards können sich kooperierende Krankenhäuser, weitere onkologische Abteilungen, niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie Krankenkassen und Patientenorganisationen auf einer Webseite informieren. Weitere Strukturen der Zusammenarbeit mit bislang 30 Kliniken sind die Hotline für Ärzte, das UCT-Studienregister, die Psycho-Onkologie und Palliativmedizin sowie das klinische Krebsregister, das sich im Aufbau befindet. Von diesem Wissenstransfer profitierten auch die Patienten in ländlicheren Regionen, hofft Professorin Jäger.

Zudem soll das UCT in zwei Jahren ein eigenes Gebäude auf dem Areal der Frankfurter Uniklinik haben, das über eine Ambulanz und eine psycho-onkologische Anlaufstelle verfügen wird, kündigte der Ärztliche Geschäftsführer des UCT, Christian Brandts, an.

www.uct- frankfurt.de

Quelle: op-online.de

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