Erste Ansteckung mit Lassa-Virus in Europa

Bestatter steckt sich an Leiche mit Lassa-Fieber an

Frankfurt - Ein Bestatter aus dem rheinland-pfälzischen Alzey soll sich an einer Leiche mit dem gefährlichen Lassa-Fieber angesteckt haben. Jetzt liegt er auf der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik. Es ist die erste Ansteckung mit dem Virus außerhalb von Afrika.

Bereits am Dienstag wurde ein Patient mit dem hochansteckenden Lassa-Fieber auf die Isolierstation der Frankfurter Uniklinik gebracht. Dies bestätigt das Klinikum und beschreibt den Gesundheitszustand des Patienten als „sehr schlecht“. Es sei weltweit der erste Fall einer Ansteckung außerhalb von Afrika, sagte René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, am Donnerstag. Der genaue Übertragungsweg sei aber noch nicht aufgeklärt.

Der Infizierte soll sich an der Leiche eines US-Amerikaners angesteckt haben, der als Krankenpfleger für eine Hilfsorganisation in Togo gearbeitet haben soll. Dort habe er sich mit dem Virus infiziert, bestätigen unterschiedliche Medien. Anschließend sei er nach Köln geflogen und dort wenige Tage später gestorben und sollte in dem Bestattungsinstitut in Alzey für die Überführung vorbereitet worden sein. Das zuständige Gesundheitsamt soll das Bestattungsinstitut erst über die gefährliche Infektion informiert haben, als der Tote dort bereits präpariert wurde.

Jährlich infizieren sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis zu 300.000 Menschen mit dem Lassa-Fieber. Die meisten Erkrankungen werden in Westafrika registriert. In Deutschland sind bislang sieben Fälle dokumentiert.

1974: Ein deutscher Arzt und Entwicklungshelfer steckt sich mit dem Virus in Nigeria an und wird in einem spezialversiegelten Flugzeug nach Hamburg geflogen. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger bietet sogar eine Weltraum-Isolierstation für den Transport an. Nach 30 Tagen Behandlung kann der Arzt das Krankenhaus geheilt verlassen.

1985: In Sierra Leone infiziert sich ein deutscher Arzt. Er wird im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin behandelt und überlebt.

2000: Eine Studentin aus Schwäbisch-Hall (Baden-Württemberg) kehrt nach einer Reise durch Ghana und die Elfenbeinküste mit Fieber in die Heimat zurück. Sie stirbt wenige Tage später. Bei der Frau wird eine bisher unbekannte Variante der Lassa-Viren gefunden.

2000: Ein Nigerianer stirbt in Wiesbaden an der Tropen-Krankheit. Der Afrikaner war zur Diagnostik und Therapie nach Deutschland geflogen worden.

2006: Ein Chirurg aus Sierra Leone infiziert sich bei seiner Arbeit im Heimatland. Nach drei Monaten Behandlung in Frankfurt/Main kann der erkrankte Mediziner die Klinik wieder verlassen. 2016: Am 26. Februar stirbt in Köln ein US-Bürger, der in Togo als Krankenpfleger gearbeitet hatte. Erst mehrere Tage nach seinem Tod wird Lassa festgestellt.

2016: Bei einem Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmen in Alzey (Rheinland-Pfalz), der Kontakt zur Leiche aus Köln hatte, wird eine Lassa-Infektion nachgewiesen. (dpa/ror)

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Quelle: op-online.de

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