Amt bestellt tote Kinder zur Vorsorge

Offenbach - (psh) Peinlicher Fehler bei der Einladung zur in Hessen vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchung für Mädchen und Jungen bis zum Alter von sechs Jahren.

In 17 Fällen schickte das Kindervorsorgezentrum in Frankfurt Einladungs- oder Mahnschreiben an Eltern, deren Kinder bereits verstorben waren. Tobias Heinz, Sprecher des Sozialministeriums in Wiesbaden, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass veraltete Meldedaten ans Zentrum, das hessenweit für die Benachrichtigung an Eltern zuständig ist, weiter gegeben worden seien.

Die meisten Fehler seien von der Einrichtung am Frankfurter Uniklinikum durch Datenabgleich festgestellt worden. Es habe aber auch Beschwerden von Eltern gegeben. Das Problem liege im langen Behördenweg. Eltern melden den Tod ihres Kindes den Standesämtern, die die Daten den Meldebehörden weitergeben, hieß es.

Gerd Krämer, Staatssekretär im Sozialministerium, nannte im Hessischen Rundfunk (hr) jeden Einzelfall entsetzlich und eine unnötige Belastung der betroffenen Väter und Mütter: „Man muss sich das vorstellen: Eltern haben das Liebste verloren, was sie auf der Welt haben. Und dann kommt der Staat und mahnt sie, auch noch dieses Kind beim Arzt vorzustellen, weil sie angeblich ihrer elterlichen Pflicht nicht gerecht wurden.“ Das sei nicht akzeptabel. Der Staatssekretär kündigte an, sich jetzt bei den Eltern persönlich für den Vorgang entschuldigen zu wollen und dafür zu sorgen, dass alle „aufgedeckten und denkbaren“ Fehlerquellen ausgeschlossen werden. Nach Angaben von Ministeriumssprecher Heinz werden die 426 hessischen Meldestellen jetzt „sensibilisiert“. Die entsprechenden Daten sollen in Zukunft „zeitnaher“ in die Register eingegeben werden.

Laut hr geht der hessische Datenschutzbeauftragte, Professor Michael Ronellenfitsch, von mindestens 26 Fällen aus. Der Fehler liege im System. Zuletzt habe es teils mehrere Jahre gedauert, bis die zuständigen Behörden den Tod von Kindern dem Vorsorgezentrum gemeldet hätten. „Das ist ein melderechtliches Problem und muss zügig abgestellt werden“, wird Ronellenfitsch zitiert: „Es klemmt überall.“

Quelle: op-online.de

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