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Bestsellerautoren Allende und Franzen im Literaturhaus

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Zu Scherzen aufgelegt, doch nicht mit zwei linken Händen: US-Starautor Jonathan Franzen hat im Schauspiel seinen Spaß.

Frankfurt Für die Autoren, die das Literaturhaus Frankfurt während der Buchmesse einlädt, ist sogar das Schauspiel zu klein. Bei Isabel Allende und Jonathan Franzen ist es ausverkauft. Von Markus Terharn

Die beiden nehmen das Publikum indes mehr für ihre Person ein als für ihre Neuerscheinungen. Gibt es das, eine Liebe, die ein Leben lang andauert? „Ja, sofern Sie nicht verheiratet sind“, sagt Isabel Allende und lächelt gewinnend. Die große Dame der chilenischen Literatur ist 73, hat sich aber das Äußere einer topgepflegten Filmdiva von 50 bewahrt. Im englischen Dialog mit Journalistin Margarete von Schwarzkopf („Ich bin seit 40 Jahren verheiratet“) ist die „Geisterhaus“-Frau völlig entspannt und verrät viel Humor.

Dabei geht es im aktuellen Roman „Der japanische Liebhaber“ um sehr ernste Dinge. Etwa die Internierung japanischer US-Bürger während des Zweiten Weltkriegs, von der Allende kürzlich erfahren hat (David Gutersons verfilmter Weltbestseller „Schnee, der auf Zedern fällt“ von 1994 ist ihr offenbar entgangen). Und um Sterbehilfe, die in ihrer kalifornischen Wahlheimat legal ist. Im katholischen Chile, wo ihre Eltern leben, natürlich nicht. Mutig macht Allende deutlich, dass sie es als ihre Aufgabe betrachtet, der Mutter einen qualvollen Tod zu ersparen. Dies und das Eingeständnis, dass sie der 95-Jährigen jeden Abend – auch nach diesem Auftritt – eine E-Mail schreibt, lässt ihr viele Herzen zufliegen. Und rührt mehr als alle Textpassagen über die anfangs unmögliche Beziehung der polnischen Jüdin Alma und des japanischen Gärtners Ichimei; so ausdrucksstark Schauspielerin Constanze Becker diese auch vortragen mag.

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Mit angegrautem Jungencharme und abgewetzter Aktentasche entert Jonathan Franzen tags drauf die Bühne. „Leider habe ich nicht zwei linke Hände“, kalauert er – anspielend auf den Umschlag des Romans „Unschuld“, den er bewerben soll. Der 53-Jährige kann es sich sogar erlauben zuzugeben, dass er die Deutschen nicht mochte, als er in den 80ern in Westberlin studierte. Das hat sich geändert. Und die Deutschen lieben den Amerikaner, der ihre Sprache so gut spricht.

In Lesungen auf Deutsch und Englisch sowie im von gegenseitiger Sympathie getragenen Gespräch mit Kritikerin Felicitas von Lovenberg punktet Franzen mit Geist und Witz. Allerdings entsteht nie der Eindruck, ihm sei ein grandioser Nach-der-Wende-Wurf oder ein ultimativer Beitrag zum Thema Whistleblower gelungen. Eher ist der Leserin im Auditorium zuzustimmen, die seit dem Mega-Erfolg „Die Korrekturen“ die fortschreitende Verflachung des Stils bemängelt. Das kann Franzen nicht leugnen, nur als Absicht ausgeben...

Quelle: op-online.de

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