Rosetta-Mission

ESA besucht Komet „Tschurmi“

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Die Flugingenieurin Armelle Hubault steht bei der ESA in Darmstadt unter dem Modell der Kometensonde „Rosetta“.

Darmstadt - Der europäischen Raumfahrtagentur ESA dürfte in knapp einem Jahr die erste Landung auf einem Kometen gelingen. Von Axel Wölk

Die Experten zeigten sich gestern am zur ESA gehörenden Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt vom Erfolg des komplizierten Manövers überzeugt. Einen ersten Lackmustest absolviert die sogenannte Rosetta-Mission aber schon am 20. Januar. Dann soll die Raumsonde aus einem ihr von den Ingenieuren verordneten energiesparenden Tiefschlaf „wiedererwachen“. Die Sonde wird ihre Navigationsinstrumente aufwärmen, ihre Hauptantenne auf die Erde ausrichten und mit dem Kontrollraum des ESOC in Kontakt treten. „Seit Juni 2011 gab es keine Signale von Rosetta mehr. Es herrschte absolute Funkstille“, berichtet Missionsleiter Paolo Ferri. Im Januar kommt die Sonde der Sonne wieder so nahe, dass sie ausreichend Solarenergie für den Kontakt zur Erde tankt.

Kometen als Geburtshelfer

Ziel der zwölfjährigen Reise, die im März 2005 begann, ist ein Komet mit dem Namen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, benannt nach seinem ukrainischen Entdecker. Er befindet sich momentan an den äußeren Enden unseres Sonnensystems. Er umkreist die Sonne ein Mal in rund sechseinhalb Jahren. Die Forscher erhoffen sich von der Landung Erkenntnisse über die Entstehung unseres Planeten. „Das Wasser auf der Erde könnte von Kometen stammen“, wagt Professor Mark McCaughrean von der ESA eine nicht unumstrittene Hypothese. Kometen könnten mit ihren Einschlägen praktisch als Geburtshelfer für Leben auf der Erde gedient haben. Dieser Vermutung wollen die Wissenschaftler nachgehen, indem sie die im Kometen wohl vorhandene Urmaterie vom Beginn unseres Sonnensystems analysieren.

Kometen ziehen hinter sich einen weiten Schweif her, der sich aus Staub und Eis zusammensetzt – sofern sie sich im aktiven Zustand befinden. In dem Maße, in dem sich der von den Wissenschaftlern spielerisch „Tschurmi“ getaufte Komet der Sonne nähert, wird er wieder mit Schweif durchs Weltall rasen. Genau während dieses Prozesses werden Instrumente von Rosetta auf dem Kometen präsent sein. „Es ist das erste Mal, dass auf diese Weise der Übergang vom inaktiven in einen aktiven Zustand beobachtet wird“, freut sich der technische Manager Koen Geurts. Bis zum Ende ihrer Tätigkeit im Jahr 2015 wird Rosetta etwa 7,1 Milliarden Kilometer durch unser Sonnensystem zurückgelegt haben. Sie passierte bereits dreimal die Erde, einmal kam sie am Mars vorbei – und auch an den Asteroiden Steins und Lutetia. Die Sonde besteht aus dem Landegefährt Philae und zehn verschiedenen Instrumenten, mit denen Kometenmaterial untersucht werden soll. Rund 80 Prozent der Masse machte allein der Treibstoff aus.

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Wenn das ESOC die Raumsonde wieder „aufweckt“, wird Rosetta noch neun Millionen Kilometer vom Zielkometen entfernt sein. Auf den ESOC-Monitoren erscheine „Tschurmi“ derzeit kaum größer als der Bruchteil eines Pixels, sagt ESA-Sprecher Markus Bauer. „Wir müssen noch herausfinden, wie der Komet genau aussieht, wie seine Oberfläche beschaffen ist“, fügt Ferri hinzu.

McCaughrean schätzt, dass „Tschurmi“ einen Durchmesser von gerade einmal vier Kilometern hat. Seine Anziehungskraft beträgt nicht mal den 20. Teil eines Millionstels der Erdgravitation. Dadurch muss das Landegefährt Philae geradezu auf den Kometen heruntergedrückt werden. Kompliziert ist es schon, einen geeigneten Landeplatz zu finden. An diesem Ort darf kein Schweif abgesondert werden und er sollte möglichst eben sein. Viel Spielraum zum Manövrieren haben die Ingenieure außerdem nicht. Es dauert allein schon eine runde Dreiviertelstunde bis ein Signal der Raumsonde auf die Erde gelangt.

Quelle: op-online.de

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