Betriebsrat von Fraport will kämpfen

Frankfurt - Mehr Konkurrenz auf das Rollfeld und bei der Gepäckabfertigung: Brüssel will den Wettbewerb zwischen den Anbietern am Frankfurter Flughafen fördern - und stößt auf eine Front der Ablehnung, auch beim Fraport-Betriebsrat.

Das Europa-Parlament in Straßburg hat einer Vorlage zugestimmt, nach der an Flughäfen mit mehr als 15 Millionen Passagieren pro Jahr mindestens drei Anbieter verschiedener Dienstleistungen wie Gepäckabfertigung oder Flugzeugbetankung zugelassen werden müssen. Das trifft neben Frankfurt, wo bereits zwei Anbieter aktiv sind, die Flughäfen München, Düsseldorf und Berlin-Tegel.

Heftige Kritik an dem Votum kommt vom Betriebsrat des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Er will sich im Kampf gegen die Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste an größeren Flughäfen nicht geschlagen geben. Es sei nun Aufgabe der Bundesregierung, über den europäischen Ministerrat die Interessen der Flughafenbeschäftigten zu schützen, sagte die Fraport-Betriebsratsvorsitzende Claudia Amier. Auch die Gewerkschaft Verdi, Fraport und die hessische Landespolitik haben sich gegen mehr Wettbewerb am Boden ausgesprochen, weil sie Lohndumping und Qualitätsverluste bringe. Die bisherigen Liberalisierungsschritte hätten nur zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen geführt, klagte die Betriebsrätin. Bei den komplexen Abläufen am Flughafen bedeute eine Vielzahl von Anbietern zusätzliche Abstimmungsprobleme und Qualitätsverluste für die Kunden. Amier verlangte von der Bundesregierung, zumindest nationale Sonderwege offenzuhalten.

Mehr Anbieter erschweren Ablauf

Die CDU-Europaabgeordneten Dieter-Lebrecht Koch und Thomas Mann verurteilten die Pläne als „Zwangsmaßnahmen zur Öffnung eines funktionierenden Flugverkehrsmarktes ohne Gewähr für einen Mehrwert“. Mehr Anbieter erschwerten einen reibungslosen Ablauf eher. Die Linke-Abgeordnete Sabine Wils sprach von einem „faulen Kompromiss zu Lasten der Beschäftigten“.

Enttäuscht reagierte der deutsche Flughafenverband ADV. Der Verband setzt nun auf die EU-Verkehrsminister, die noch über die Pläne entscheiden müssen. „In den anstehenden Gesprächen mit dem Ministerrat werden wir auf die gravierenden Folgen einer weiteren Marktöffnung hinweisen“, so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Minister hatten sich zuvor im Grundsatz schon auf eine weitere Liberalisierung geeinigt.

Gegenrede kommt aus der Kommission der Europäischen Union: Verkehrskommissar Siim Kallas zeigte sich nach der Abstimmung im Europaparlament erfreut. „Bodenverkehrsdienste sind eine Schlüsselfunktion in der Luftverkehrskette“, teilte Kallas gestern mit.

Nach früheren Angaben der EU-Kommission gehen siebzig Prozent der Flugverspätungen auf Verzögerungen am Boden zurück.

dpa

Quelle: op-online.de

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