Ratgeber warnt vor „Lebensmittellügen“

Betrug im Supermarkt

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Doch lieber frische Erdbeeren! Viele Lebensmittel enthalten nicht das, was sie versprechen.

Frankfurt - Ein neuer Ratgeber der Verbraucherzentralen deckt Lügen der Lebensmittelindustrie auf. Mit seiner Hilfe sollen Verbraucher die Tricks künftig durchschauen und bewusstere Entscheidungen treffen können. Von Lara Sturm

Auf der Internetplattform www.lebensmittelklarheit.de beraten Verbraucherschützer Konsumenten im Umgang mit Lebensmitteln. Und die Sorgen der Verbraucher sind groß. Doch oftmals bekommen die Betroffenen auch hier nur unbefriedigende Antworten. So sei eben die Gesetzeslage, Konsumenten seien oft im Nachteil.

Eine Nutzerin fragte beispielsweise, wie sie denn das Herkunftsland von Tee-Anbietern herausfinden könne. Wegen des Atomunfalls in Fukushima wolle sie ihren Kindern keinen Tee aus Japan zu trinken geben. Doch auf keiner Verpackung sei das Herkunftsland zu finden. Und auch auf ihre direkte Anfragen antwortete keiner der Hersteller. Auch die Verbraucherschützer konnten nicht wirklich für Aufklärung sorgen. Es gebe in Deutschland nun mal für Tee keine verpflichtende Angabe des Ursprungslands.

„Wir erleben eine tiefe Unsicherheit der Verbraucher“, berichtet Birgit Wein, Reporterin der Plattform. Über 3700 Meldungen gingen in den letzten zwei Jahren auf dem Portal ein. Zudem ergab eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale, dass 72 Prozent der Befragten sich beim täglichen Einkauf getäuscht und betrogen fühlen. „Und das mit Recht‘“, findet Weins Kollegin Claudia Weiß. Werbelügen und Kennzeichnungsfallen seien in der Lebensmittelbranche Alltag.

Den Ratgeber kann man für 9,90 Euro in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen erstehen.

Nun wollen die Verbraucherzentralen die Konsumenten dabei unterstützen, sich im Lebensmitteldschungel besser zurecht zu finden. Der Ratgeber „Lebensmittel-Lügen – wie die Foodbranche trickst und tarnt“ soll Hilfestellung beim Einkauf geben. Man wende sich damit auch an die Politik, erklärt Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. „Es ist kein Zufall, dass wir den Ratgeber so kurz vor der Wahl herausbringen. Wir brauchen Gesetzesänderungen für die Lebensmittelbranche. Vieles muss klarer geregelt werden. Unser Ratgeber ist ein Warnschuss“, stellt Billen klar.

Zudem warnt der Ratgeber auch vor irreführenden Kennzeichnungen. Täuschungen fangen in der Lebensmittelindustrie oft schon mit dem Namen eines Produktes an. So vertreibt der Hersteller „Landlob“ einen „ fruchtigen Erdbeer-Drink“. Mit Früchten hat das Getränk allerdings nichts zu. Beim Blick auf die Zutatenliste entpuppt sich, dass das Milchmischgetränk gar keine Erdbeeren, sondern nur Aromastoffe, enthält. Auch bei der „Kalbsleberwurst“ der Marke „Lutz“ fühle sich der Konsument zu Recht getäuscht, sagt Billen. Man erwarte, dass das Produkt zum Großteil aus Kalbsleber bestehe. Die Leberwurst enthält aber fünf Prozent Kalbsleber. Stattdessen besteht sie zu 48 Prozent aus Schweinefleischfleisch. Laut dem deutschen Recht müsse der Name keine Produktbeschreibung sein.

„Damit Verbraucher sich im Supermarkt wieder sicherer fühlen, erklärt der Ratgeber auf was man achten sollte“, sagte Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. „Wenn Verbraucher die Tricks kennen und nicht mehr darauf reinfallen, ändert die Lebensmittelindustrie vielleicht bald etwas“, fügt Billen hoffnungsvoll hinzu. Bis dahin sei die Beschwerdeplattform der Verbraucherzentrale aber nicht genug, nur eine gesetzliche Klarstellung könne die Konsumenten wirklich schützen. Daher hoffen die Verbraucherschützer, dass das Verbraucherministerium nach der Wahl Gesetzesänderungen in die Wege leitet.

Quelle: op-online.de

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