Vorbild Dagobert Duck: Geldsäcke, Villen und ein Elefant

Betrugsprozess gegen S&K-Chefs beginnt

Frankfurt - Vor dem Landgericht Frankfurt beginnt der Prozess zu einem der größten Betrugsfälle in der deutschen Kriminalgeschichte. Die Ermittler mussten sich durch wahre Datenmassen kämpfen.

Zweieinhalb Jahre nach der entscheidenden Razzia beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Millionenbetrüger aus dem Frankfurter Immobilienunternehmen S&K. Ab dem kommenden Donnerstag (24. September) müssen sich vor dem Frankfurter Landgericht die Firmengründer Stephan S. (36) und Jonas K. (34) sowie vier weitere Angeklagte wegen schweren Betrugs und schwerer Untreue verantworten. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Laut Anklage sollen die Männer mehrere tausend Anleger mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem um ihr Geld gebracht haben. Den Gesamtschaden beziffern die Ermittler auf über 240 Millionen Euro.

Die S&K-Verantwortlichen sollen ein Schneeballsystem mit systematisch überbewerteten Immobilien aufgebaut haben. Nur wer frühzeitig aussteigen wollte, bekam sein Geld zurück - bezahlt aus den Einlagen der Neueinsteiger. Geschädigt wurden laut Staatsanwaltschaft rund 11.000 Direktanleger sowie eine unbekannte Anzahl weiterer Investoren, die über Fonds bei S&K investiert hatten. Teilweise wohl gegen ihren Willen, denn die mutmaßlichen Betrüger sollen auch fremde Fondsgesellschaften aufgekauft und deren Mittel in die eigenen Kanäle umgeleitet haben. Rund 1300 Opfer lösten ihre Lebensversicherungen auf, um bei S&K einsteigen zu können. Für Schlagzeilen sorgten aber nicht allein die Dimensionen des Betrugs, sondern auch der großkotzige Lebenswandel der noch jungen und schnell zu Geld gekommenen Protagonisten.

Uhren, Villen, Sportwagen und ein Elefant

Schwere Uhren, protzige Villen, dicke Sportwagen, Partys mit Popstars und bezahlten Mädchen gehörten zum Lebensstil der angeblichen Immobilienkaufleute. Um Anleger zu beeindrucken ließ S&K bei einem der zahlreichen Investoren-Feste sogar einen leibhaftigen Elefanten auflaufen, wie Fotos im Internet zeigen. Details veröffentlichten die Ermittler im Bundesanzeiger mit einer Liste von Vermögensgegenständen der Beschuldigten: S. war den Ermittlern zufolge im Besitz von mehr als zehn Kilogramm Gold und nicht weniger als acht Uhren der Marke Rolex. Sein Kompagnon K. besaß unter anderem ein Motorrad im Schätzwert von 100.000 Euro.

Am luxuriösen Firmensitz in der Frankfurter Kennedy-Allee beschlagnahmten die Polizisten auch etliche Säcke Münzgeld, die wohl zum Geldbad nach dem Vorbild des Comic-Milliardärs Dagobert Duck dienen sollten. Mit rund 55 Millionen Euro decken die sichergestellten Vermögenswerte inklusive der Grundstücke aber nur den kleineren Teil des Schadens ab. Das Verfahren sprengt selbst bei der wirtschaftserfahrenen Frankfurter Justiz alle bekannten Dimensionen. „Wir haben 100 Terabyte von E-Mail-Material auswerten müssen. Das entspricht, in Papier ausgedruckt, in etwa der Entfernung von Frankfurt nach Rom“, berichtete Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber bei der Vorstellung der Anklage. Zur S&K-Gruppe gehörten 150 Unternehmen, etwa 2200 Bankkonten hatten die Ermittler zu analysieren.

Der ADAC-Skandal - eine Chronologie

Herausgekommen ist eine Anklageschrift mit 3150 Seiten, von denen über 1700 als Anklagesatz zu Prozessbeginn verlesen werden sollen, was alleine mehrere Verhandlungstage dauern kann. Die Anklage markiert aber nur den Beginn einer ganzen Prozess-Serie, ist sich die Justiz sicher. Insgesamt wurde gegen 140 Verdächtige ermittelt, darunter neben Notaren, Gutachtern, Steuerberatern und Anwälten auch Beschäftigte des TÜV Süd in München. Dessen Prüfsiegel prangte auf den S&K-Broschüren, um Seriosität vorzutäuschen. Von den Machenschaften der Inhaber habe man nichts gewusst, beteuert der TÜV, räumt aber ein, für ein angeblich internes Audit von S&K das stolze Honorar von 90.000 Euro kassiert zu haben.

Die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess gegen die Hauptbeschuldigten zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt, weil von den Angeklagten kaum Kooperation zu erwarten ist. Alle sechs sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft, berichtet die Staatsanwaltschaft. Die Fluchtgefahr ist mindestens bei Stephan S. evident: Er versuchte schon während eines Zivilgerichtstermins im September 2013 trotz Handfesseln die Flucht - und brach sich beim Sprung aus dem Fenster im ersten Stock mehrere Knochen. (dpa)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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