Biber-Boom in Hessen

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Der Biber ist wieder heimisch in Hessen.

Darmstadt - Der Biber erobert sich Hessen zurück. Die Zahl der Tiere steigt ständig und wird mittlerweile auf 218 geschätzt, wie das Regierungspräsidium Darmstadt gestern in seinem Biber-Bericht 2010 mitteilte.

Innerhalb eines Jahres nahm die Population der einst fast ausgerotteten Nager um rund 20 Exemplare zu. Ausgehend vom Spessart bei Sinntal sind die fleißigen Baumeister mit den meißelartigen Zähnen und dem flachen Schwanz vor allem im Main-Kinzig-Kreis, in der Wetterau und im Landkreis Fulda, aber auch im Odenwald anzutreffen. Bundesweit leben schätzungsweise rund 20.000 Biber.

„Der Nager war lange Zeit ein Sorgenkind des Artenschutzes“, sagte Regierungspräsident Johannes Baron laut Mitteilung. Inzwischen sei die „vor über 20 Jahren begonnene Wiederansiedlung auf dem besten Weg zu einer Erfolgsgeschichte“, es gebe einen kleinen „Biber-Boom“. Die Tiere sind Nachkommen der 1987/1988 im Main-Kinzig-Kreis ausgewilderten Elbe-Biber aus Ostdeutschland.

Von einer Erfolgsgeschichte spricht auch der Naturschutzbund Nabu. „Der Biber kommt auch mit brutal verbauten Gewässern klar“, schilderte Biologe Mark Harthun. „Wenn ihm was nicht passt, baut er sich halt einen Damm. Der Biber braucht keine Renaturierung. Der macht das sogar noch für uns.“ Vor seinen natürlichen Feinden Bär und Wolf braucht er praktisch keine Angst mehr zu haben - im Straßenverkehr wird es für ihn allerdings lebensgefährlich.

Fotos von Bibern und anderen Tieren

Biber und andere Tiere

Mitunter wird den Bibern sogar der Tisch gedeckt: „Wir pflanzen extra Weichhölzer wie Weiden und Erlen an“, sagte der beim Regierungspräsidium für Schutzgebiete zuständige Dezernatsleiter Wolfgang Mohr. Gibt es Ärger, wird nach einer Lösung gesucht, Betroffene werden entschädigt. „Wir versuchen den Konflikt so zu lösen, dass der Biber weiterleben kann.“ Für einen gefällten Obstbaum - die Nager lieben Obst - gibt es „an die 100 Euro“. Manchmal tut es auch einfacher Kaninchendraht, um die Biber fernzuhalten.

Eine entscheidende Wende bei der Wiederansiedlung des Bibers glückte laut Harthun vor wenigen Jahren, als die Tiere den engeren Bereich ihrer Wiederansiedlung an der Sinn verließen „und den Weg zur Fulda wagten“. Mittlerweile gebe es auch Biber-Vorkommen im Kreis Offenbach, unmittelbar vor dem Ballungsraum Frankfurt. Harthun ist schon gespannt, wann die Biber die Main-Metropole erobern. Ausgeschlossen sei das nicht. „Aus Wien gibt es Berichte, dass dort rund 200 Biber leben“, sagt der 42-Jährige.

Selbst in einer Großstadt finde der Biber ein Plätzchen in der Nähe vom Wasser. Das Nebeneinander zwischen Mensch und dem nachtaktiven Biber funktioniere zudem prima. „Wenn abends der letzte Jogger nach Hause geht, kommt der Biber erst aus seinem Bau.“

dpa

Quelle: op-online.de

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