Bibliophile Schatzkammer

Palmendarstellung aus der sechsbändigen „Historia naturalis palmarum“ von Carl Friedrich Philipp von Martius, der„Vater der Palmen“.

Frankfurt - (rose) 100.000 Drucke aus allen Epochen und Wissensgebieten hat sie erworben: Diese Bilanz zieht die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) in Frankfurt zu ihrem 20-jährigen Bestehen.

Die vorrangige Aufgabe der 1989 ins Leben gerufenen ‚Sammlung Deutscher Drucke 1450 bis 1912‘ besteht in der gezielten Anschaffung von Drucken aus dem deutschen Sprachraum und ausländischen Drucken in deutscher Sprache, die noch in keiner anderen Bibliothek vorhanden sind“, sagt Berndt Dugall, Direktor der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg und Vorsitzender der AG SDD.

Die Arbeitsgemeinschaft, der sechs Bibliotheken angehören wurde vor 20 Jahren auch deshalb gegründet, weil Deutschland im klassischen Sinne über keine Nationalbibliothek verfügte. Der Sammelauftrag der früheren Deutschen Bibliothek, die sich heute Nationalbibliothek nennt, beginnt erst 1913. „Im Gegensatz stehen dazu die Nationalbibliotheken wie die Bibliothèque Nationale in Paris oder die British Library in London, die die jeweilige Landesliteratur von Anbeginn sammelten“, sagt Dugall.

Sondersammelgebiete zu Israel, Judentum oder Linguistik

In den 1980er Jahren bemängelten dann Wissenschaftler die fehlenden Bestände aus der Zeit vor 1913. Der Münsteraner Anglistikprofessor Bernhard Fabian hatte schließlich die Idee einer „verteilten, retrospektiven Nationalbibliothek“ und es gelang ihm die Volkswagen-Stiftung von einem solchen Vorhaben zu überzeugen. Seit 1989 teilen sich nun sechs Bibliotheken diese Sammelaufgabe. Sie konzentrieren sich dabei auf bestimmte Zeitspannen: Die Bayerische Staatsbibliothek in München auf die Zeit von 1450 bis 1600, die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel auf die Zeit von 1601 bis 1700, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen auf die Jahre von 1701 bis 1800, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt auf die Zeit von 1801 bis 1870 und die Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz auf die Jahre von 1871 bis 1912. Diese Sammlung wurde durch die Initialförderung der Volkswagen-Stiftung in Höhe von damals 25 Millionen Mark ermöglicht. Nach dem Auslaufen der auf fünf Jahre begrenzten Förderung kam auch die Deutsche Nationalbibliothek (für die Zeit ab 1913) zum Verbund.

Gerade bei populären Volksbüchern hat sich gezeigt, dass dort größte Bestandslücken bestehen, da diese Bücher in früheren Jahrhunderten nicht als sammelwürdig erachtet wurden“, sagt Angela Hausinger, Referentin für die Sammlung Deutscher Drucke an der Frankfurter Universitätsbibliothek. Insgesamt 23000 Bände sind in den vergangenen 20 Jahren zur Frankfurter Sammlung hinzugekommen. 100000 Euro pro Jahr sind dafür ausgegeben worden. Es gibt Sondersammelgebiete zu Themen wie Israel und Judentum, Linguistik oder Biologie.

Die Sammlung ist im Lesesaal der Uni-Bibliothek in Bockenheim einzusehen.

Zu finden sind aber auch Kuriositäten wie ein kleines Orakelbuch, in dem Angela Hausinger blättert und das Auskunft über die Fragen des Lebens gibt. Der Buchtitel lautet „Neuestes scherzhaftes Punktir-Buch, aus welchem wissbegierige Damen bei den wichtigsten Lebensverhaeltnissen Belehrung schoepfen koennen“.

Auch hübsch anzusehen ist ein Mini-Buch mit integriertem Taschenspiegel. „Der Freund des schönen Geschlechts.“ Hausinger lächelt. „Die frühere Brigitte“, sagt sie.

Quelle: op-online.de

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