Verband kritisiert Sparpolitik in Kommunen

Bibliothekare sind besorgt

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Frankfurt - Bibliothekare schlagen Alarm und fordern ein Ende der Kürzungen: Der Deutsche Bibliothekenverband (dbv) hat die Sparpolitik bei öffentlichen Bibliotheken kritisiert.

„Wir sehen, dass sich in einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland die Finanzlage der öffentlichen Bibliotheken auf einem niedrigen Niveau eingependelt hat“, sagte die dbv-Geschäftsführerin Barbara Schleihagen. „Die Kürzungen müssen umgehend gestoppt werden“, so Schleihagen bei der Vorstellung des Berichts zur Lage der Bibliotheken in Deutschland, der vom dbv erarbeitet wurde.

Ein Viertel der befragten 700 öffentlichen Bibliotheken seien von Sparmaßnahmen betroffen, bei weiteren 16 Prozent  seien  sie  geplant. Die bittere Konsequenz für die Bibliotheken: Veranstaltungen müssten reduziert, Öffnungszeiten gekürzt oder auf geplante Projekte, wie beispielsweise Bauarbeiten,  verzichtet  werden, kritisierte Schleihagen. Gleichzeitig steige aber der Bedarf an Bibliotheksdienstleistungen. Der Verband befürchtet eine Kettenreaktion: Wenn gespart werden muss, geht das Angebot für den Bürger spürbar zurück - weniger Personal, weniger Medien. Die Besucher finden nicht mehr, was sie suchen, und bleiben am Ende dann tatsächlich weg. Auch Alexander Budjan vom Landesverband Hessen warnte: „Die Erwerbungsetats werden reduziert oder steigen nicht im nötigen Umfang und vor allem verschlechtert sich die Personalsituation in den Einrichtungen, weil frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden.“

Sorgen bereitet dem Bibliothekenverband zudem der E-Book-Bereich. Für gedruckte Bücher hätten die Bibliotheken seit den 1960er Jahren ein im Urheberrecht verankertes Recht, Bücher zu erwerben und zur Verfügung zu stellen, bei den E-Books sei das nicht so, erklärte der dbv-Vorsitzende Frank Simon-Ritz. Lizenzierungen von E-Books müssten einzeln verhandelt werden, einige Verlage verweigerten sie ganz. Gleichzeitig spiele das Angebot digitaler Medien in Bibliotheken aber eine immer größere Rolle. Der Verband fordert eine Gesetzesinitiative, mit der E-Books und gedruckte Bücher gleichgestellt werden könnten - auch in puncto Steuern. Bislang gilt für gedruckte Bücher der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, für die elektronischen Pendants müssen allerdings 19 Prozent gezahlt werden.

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

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psh/dpa

Quelle: op-online.de

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