Millionen-Klage läuft

AKW Biblis:  Abbau in Sicht

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Der Biblis-Betreiber RWE erwartet, dass noch in diesem Jahr eine erste Genehmigung für den Abbau des Atomkraftwerkes kommt. Das Foto zeigt Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen (hinten) und neue Behälter (vorne), die auf dem Gelände des Atomkraftwerks Biblis in einer eigens errichteten Halle zwischengelagert sind.

Biblis - Der Zeitplan bleibt: Biblis-Betreiber RWE erwartet noch dieses Jahr eine erste Genehmigung für den Abbau des Atomkraftwerks. 2017 soll dann kein Kernbrennstoff mehr in dem Kraftwerk sein. Die Gemeinde Biblis bastelt derweil an einem Konzept für die Zeit nach dem AKW.

Der Abbau des AKW Biblis rückt näher. Hessens Regierung rechnet damit, dass Block A bis Anfang nächsten Jahres frei von Kernbrennstoffen ist. Anfang 2017 soll dann Block B soweit sein, teilte das Umweltministerium in Wiesbaden gestern mit. Die Brennelemente aus den Nasslagerbecken kommen in Castor-Behälter und dann in das Standortzwischenlager Biblis. Kraftwerksbetreiber RWE erwartet weiterhin, dass eine erste Genehmigung für den Abbau „noch Ende dieses Jahres kommen könnte“, sagte Kraftwerks-Leiter Horst Kemmeter am Abend in Biblis. Ganz so schnell könnte es dann aber vermutlich nicht gehen. Block A dürfte erst frühestens im Sommer 2016 frei von Kernbrennstoffen sein. Da für das Entfernen der Brennelemente spezielle Geräte benötigt werden, könne nicht in beiden Blöcken parallel gearbeitet werden, sagte Ministeriumssprecher Mathias Trümner-Friese. Erst danach könne mit dem tatsächlichen Abbau begonnen werden. Dafür werden rund 15 Jahre veranschlagt. Das Kraftwerk war 2011 stillgelegt worden, bis dahin war es der älteste kommerziell genutzte Atomreaktor Deutschlands.

Parallel zu den Planungen des Abbaus läuft noch die Klage von RWE gegen das Land Hessen und den Bund auf Schadenersatz in Höhe von 235 Millionen Euro, die schon für reichlich Aufsehen sorgte. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hatte 2013 die Anordnung des Landes Hessen auf Stilllegung als rechtswidrig eingestuft, weil RWE nicht angehört worden sei. Später bestätigte das Bundesverwaltungsgericht das Urteil. Das Land betont, auf Anweisung des Bundes gehandelt zu haben.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

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Abseits dieser Debatten arbeitet die Gemeinde Biblis nach dem Atom-Aus an einer Zukunftsstrategie, um die wegfallenden Gewerbesteuereinnahmen aus dem Kernkraftwerk auszugleichen. „Wir hoffen, dass wir bis zum Ende des Jahres zumindest Verträge über die Neuansiedlung von mittelständischen Unternehmen in trockenen Tüchern haben“, sagte Bürgermeister Felix Kusicka (parteilos). Das AKW habe jährlich rund 1,6 Millionen Euro in den Haushalt der rund 9000 Einwohner zählenden Gemeinde gespült - als größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler in der Region. Vor allem für den Dienstleistungssektor wolle Biblis langfristig gesehen attraktiver werden - und von seiner Lage zwischen den beiden Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar profitieren. „Der Dienstleistungsbereich ist die Zukunft für Deutschland und Europa.“

Im Standortzwischenlager ist Platz für 135 Castoren, 51 stehen dort bereits. Wenn die jetzt abklingenden Brennelemente hinzukommen, wird Platz für weitere etwa 50 Castoren gebraucht. Die Behälter sollen schließlich in ein atomares Endlager in Deutschland kommen, das aber noch in weiter Ferne ist.

dpa

Quelle: op-online.de

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