Weiter Streit um Biblis

Biblis - Der Atomausstieg ist beschlossen, das hessische Atomkraftwerk Biblis ist stillgelegt - aber die Diskussionen gehen weiter. So lautet eine der Fragen, die Politik und Betreiber beantworten müssen: Rückbau oder Versiegelung?

Der Atomausstieg in Deutschland bedroht im ältesten Kraftwerk Biblis in Südhessen rund 1000 ständige Arbeitsplätze. Bis zum Jahresende würden in der stillgelegten Anlage allein mehr als 250 der rund 300 dauerhaft Beschäftigten von Fremdfirmen nichts mehr zu tun bekommen, sagte Kraftwerksleiter Hartmut Lauer am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung. Die restlichen etwa 700 Beschäftigten gehören zum Biblis-Betreiber RWE. Sie sollten so lange wie möglich gehalten werden, sagte Lauer. Bei Revisionen seien noch zusätzlich bis zu 1500 Arbeitskräfte im Einsatz gewesen.

Eine Entscheidung, was mit dem Atomkraftwerk geschehen soll, kündigte Lauer für die nächsten Monate an. Das Atomkraftwerk befindet sich den Angaben zufolge im sogenannten Nichtleistungsbetrieb, der etwa fünf Jahre dauern könnte. Der Abbau ist auf 10 bis 15 Jahre ausgelegt. Details seien noch unklar. „Die Strategie zum Rückbau muss standortspezifisch erarbeitet werden“, sagte Lauer. „Das bedarf einer sorgfältigen Untersuchung.“ Eine Möglichkeit sei ein sofortiger Rückbau, eine andere ein sicherer Einschluss (Versiegelung) der Anlage. Dabei würden die Brennelemente entfernt und das Kraftwerk auch mit Blick auf radioaktivem Rest versiegelt und erst später entsorgt. Für die Oppositionsparteien SPD und Grüne wäre das die denkbar schlechteste Lösung: „Die SPD tritt für den schnellstmöglichen Rückbau der beiden Atomkraftwerksblöcke in Biblis ein“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt in Wiesbaden.

Die Variante einer Versiegelung des Kraftwerks mit späterem Abriss sei nicht akzeptabel, da dann bis zur endgültigen Beseitigung bis zu 50 Jahre vergingen. „Ein zügiger Rückbau sichert Arbeitsplätze und schafft zudem die Möglichkeit, auf Arbeitskräfte zurückgreifen zu können, die die Anlage gut kennen“, erklärte Schmitt. Deren Erfahrung mache die Abbrucharbeiten sicherer. Die Grünen sprachen von dem „Versuch, der Bevölkerung weiter Sand in die Augen zu streuen.“ Der Kraftwerksbetreiber RWE schüre Ängste vor Arbeitsplatzverlusten. Hunderte Beschäftigte hätten „in den nächsten Jahrzehnten mit dem Abbau des Atomkraftwerks mehr als genug zu tun“, erklärte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ursula Hammann.

Zudem würden durch den Umstieg auf erneuerbare Energien zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das AKW in Biblis besteht aus zwei Blöcken: Block A ging 1974 ans Netz, 1976 folgte Block B. Nach dem Atom-Kompromiss der Bundesregierung hätten die Reaktoren je nach Auslastung noch bis zum Jahr 2020 laufen können. Für die 9000 Einwohner große Gemeinde Biblis ist der Atomausstieg ein Schlag. Das Kraftwerk spülte als größter Arbeitgeber jährlich Millionen Euro in den Haushalt.

dpa

Quelle: op-online.de

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