„Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main"

Sphärische Klänge und Bilder

Frankfurt - Dreimal hebt die Eröffnungs-Fanfare aus „Also sprach Zarathustra“ an. Auch wer ansonsten mit klassischer Musik wenig oder gar nichts zu tun hat, kennt doch mindestens dieses geheimnisvoll-stolze Trompetenmotiv des Komponisten Richard Strauss. Von Axel Zibulski 

Daran hat gewiss auch Stanley Kubricks Film-Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“ seinen Anteil, dessen Handlung 1968 in zweieinhalb Stunden von der Urzeit des Affenmenschen bis zur Zukunftsvision einer Jupitermission reichte.  „Images of Sound – Bilder des Klangs“: Zum diesjährigen Motto von „cresc…“ der „Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main“ passt Kubricks Science-Fiction-Szenerie bestens. Wenn sich ein Space Shuttle zum wogenden Johann-Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“ einer Raumstation nähert oder die Sphärenklänge des 2006 gestorbenen Ungarn György Ligeti akustisch Raum und Weite ausmessen, dann greifen Musik und Bilder so genial ineinander wie in kaum einem anderen Film. Das gilt erst recht, wenn die Musik live so kompetent eingebracht wird wie bei der Biennale-Eröffnung in der Alten Oper Frankfurt.

Zu den 138 Filmminuten mit ihren Episoden um einen schwarzen Quader, der in der afrikanischen Wüste, auf dem Mond und in der surrealen Zimmerflucht des Schlussbildes wie ein monolithisches Fragezeichen auftaucht, spielte das HR-Sinfonieorchester unter der Leitung des Filmmusik-Experten Frank Strobel wunderbar flexibel und doch absolut synchron mit den Bildern. György Ligeti wurde von Sinfonikern und SWR Vokalensemble tönend gewürdigt, in den Spektralklängen seiner avantgardistischen Orchesterkomposition „Atmosphères“ ebenso wie in den sphärisch ausgebreiteten Chorstimmen seines „Requiems“ oder seines A-cappella-Stücks „Lux Aeterna“: Musik, so kühl und emotionslos wie der Computer „Hal 9000“, der ein menschenvernichtendes Eigenleben entwickelt. Mit einem Streicher-Adagio des armenischen Sowjetkomponisten Aram Chatschaturjan setzte Dirigent Strobel dazu einen ganz einfühlsamen Kontrapunkt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Dass „Also sprach Zarathustra“ ganz nah am einstigen Ort der Frankfurter Uraufführung des Jahres 1896 erklang, machte sanft darauf aufmerksam, wie eng die Stadt früher bereits mit der musikalischen Avantgarde verbunden war.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare