Bilanz von Blockupy

350 Verletzte und ein Millionenschaden

+

Frankfurt - Einige hundert Verletzte, Schäden in Millionenhöhe und ein Jahrzehnte lang nicht gekanntes Ausmaß an Gewalt: Das ist die Bilanz der Krawalle zur EZB-Eröffnung in Frankfurt. Politiker verurteilen die Ausschreitungen. Blockupy weist die Verantwortung zurück.

Brennende Autos und Barrikaden, Angriffe auf Polizeiautos und eine Wache, zertrümmerte Haltestellen und eingeworfene Scheiben: Rund 350 Polizisten und Demonstranten sind bei den gewalttätigen Blockupy-Protesten zur Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt verletzt worden. „Diese Ausschreitungen waren vorbereitet, organisiert und gesteuert und keinesfalls spontan“, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Tag danach. „Etwa 4000 hemmungslos agierende Straftäter“ seien am Morgen unterwegs rund um die EZB im Ostend gewesen. Der Sachschaden gehe in die Millionenhöhe. Ähnlich viel habe der Einsatz wohl auch gekostet. Bereswill sprach von einer Gewalt, „die es in Frankfurt seit Jahrzehnten nicht gegeben hat“.

Stimmen zur Blockupy-Demo

Der friedliche Protest auf dem Römerberg am Nachmittag mit rund 17.000 Menschen sei „etwas ganz anderes gewesen“. Die Polizei hielt etwa 525 Beschuldigte vorübergehend fest, 26 von ihnen wurden festgenommen. Rund 150 Polizisten wurden verletzt, 80 von einer unbekannten Flüssigkeit, die mit ABC-Masken geschützte Straftäter eingesetzt hätten. Blockupy zählte etwa 200 verletzte Demonstranten. Zwei Feuerwehrleute erlitten leichte Reizgasverletzungen. Um brennende Autos, Mülltonnen und Barrikaden zu löschen, war die Feuerwehr mindestens 55 Mal ausgerückt. Dazu kamen 280 Rettungsdiensteinsätze. Die Bundespolizei hat bei ihrem größten Einsatz in Frankfurt mehr als 300 Platzverweise erteilt und 13 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie war mit sieben Hundertschaften, die Polizei mit fast 10.000 Kräften aus ganz Deutschland im Einsatz.

Der Chaos-Tag zum Nachlesen im Liveticker 

Die Verantwortung für die Ausschreitungen wiesen die Organisatoren von Blockupy zurück, gaben aber zu: „Mit so einer Eskalation haben wir nicht gerechnet.“ Sprecherin Hannah Eberle sagte: „Die Leute wollen sich nicht länger von dieser Krisenpolitik terrorisieren lassen.“ Aber auch: „Es steht außer Frage, dass es am Vormittag manche Aktionen gab, die ganz klar außerhalb des von uns gemeinsam vereinbarten Aktionskonsens stattgefunden haben.“ Polizeipräsident Bereswill forderte Blockupy auf, inne zu halten, die Ereignisse nicht zu verherrlichen, sondern als Wendepunkt zu nehmen, um eine Eskalation der Gewaltspirale zu vermeiden. Die Ausschreitungen hätten nach Einschätzung von Einsatzleiter Harald Schneider auch noch mehr Polizisten nicht verhindern können.

EZB-Eröffnung von Krawallen begleitet

Die Polizei brauche in einer Großstadt wie Frankfurt immer erstmal eine Info, wo eine Gewalttat beginne, sagte Bereswill. Bei der massiven Gewaltbereitschaft der Täter brauche es dann immer etwas Zeit, bis die Beamten in ausreichend großer Zahl zu dem Ort gelangen könnten. Der Berliner Protestforscher Dieter Rucht vermisst ein „eindeutiges Bekenntnis zu friedlichen und gewaltfreien Protesten“. „Wenn man die Verhältnisse und die beteiligten Gruppen kennt, dann kommt die Gewalt nicht überraschend“, sagte er. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), die Fraktionen im hessischen Landtag, der DGB und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann verurteilten die Gewalt.

Nach Blockupy: Das große Aufräumen

Nach Blockupy-Protest: Aufräumen in Frankfurt

Feldmann sagte: „Das passt nicht zu der Stadt. Ich war sehr wütend auf diese angereisten Chaoten, die Gewalt-Touristen die in unsere Stadt eingefallen sind, Autos angezündet und die Bevölkerung verschreckt haben“, sagte der SPD-Politiker, der bei der EZB-Eröffnungsfeier gesprochen hatte. "Das ist ein Imageschaden für die Stadt, aber auch für das Anliegen der friedlichen Kritiker der Finanzwirtschaft." Die DGB-Landesvorsitzende Gabriele Kailing sagte: „Die Gewalt ist nicht zu rechtfertigen und hat dem politischen Anliegen von mehreren tausend friedlichen Demonstranten geschadet.“

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare