„Bildungsstudie ist falsch und bedeutungslos“

Dietzenbach - Als „falsch, unsauber recherchiert und für den Kreis Offenbach bedeutungslos“ hat Landrat Oliver Quilling (CDU) gestern den Mitte November vorgelegten „Lernatlas 2011“ der Bertelsmann-Stiftung bezeichnet. Von Michael Eschenauer

Die bundesweite Untersuchung zu den Bildungsbedingungen für Menschen der verschiedenen Lebensphasen war wie berichtet für den Kreis Offenbach zu dem Ergebnis gekommen, dass die Region gegenüber vergleichbaren „Kreisen im verdichteten Umland“ im Gesamt-Ranking auf den 108. Platz von insgesamt 144 kommt. Bei „Schulischem-“, „Beruflichem-“ und „Sozialem Lernen“ schnitt er unterdurchschnittlich ab. Einzig im Bereich „Persönliches Lernen“ lag der Kreis über den Durchschnitt. Untersucht wurden 412 Kreise und kreisfreie Städte.

Quilling sagte, die Situation in der Region sei deutlich besser als dargestellt. So werde bei dem Kriterium „Junge Menschen ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz“ mit Zahlen gearbeitet, die gar nicht aus dem Kreis Offenbach stammten. Dr. Miika Blinn, Projektmanager der Bertelsmann-Stiftung, habe zugegeben, dass die Analysten wegen des Fehlens genauerer Zahlen Stadt und Kreis Offenbach in einen Topf geworfen hätten. Auch spiegelten sich „unsere Aktivitäten für Jugendliche in positiven Arbeitsmarktzahlen wider.“ So seien Ende November nur 728 Jugendliche arbeitslos gemeldet gewesen. Dies seien 4,1 Prozent.

Tendenz ist rückläufig

Bei den 15- bis unter 20-Jährigen liege die Quote nach neuesten Zahlen sogar bei 3,2 Prozent. Und die Tendenz sei rückläufig. Im Ausbildungsjahr 2011 blieben im Kreis bis Oktober 37 Jugendliche unversorgt. „Im vergangenen Jahr haben alle bis auf 18 einen Ausbildungsplatz bekommen.“ Die Zahl der unversorgten Bewerber im Kreis Offenbach lag, so der Landrat, im Erhebungszeitraum des Lernatlas bei 0,7 Prozent. Hessenweit seien es 1,7.

Auch die Werte der Studie in Bezug auf das ehrenamtliche Engagement seien nicht nachvollziehbar. Sie unterschieden sich laut Quilling erheblich von aktuellen Zahlen, die für den Kreis von der TU Darmstadt erhoben worden seien. „Hier liegt der Kreis, über dem Landes- und Bundesdurchschnitt.“ Warum ausschließlich die Zahl der ehrenamtlichen Helfer des Roten Kreuzes in die Studie einfließe, das Engagement bei Maltesern, Johannitern oder anderen Hilfsorganisationen nicht berücksichtigt werde, sei ebenfalls nicht nachvollziehbar.

„Sportvereine pro Einwohner“

Fragwürdig sei auch der Punkt „Sportvereine pro Einwohner“. Hier habe man nicht direkt auf Zahlen aus den jeweiligen Sportkreisen, sondern auf Angaben von Dritten zurückgegriffen. Hinzu komme, dass bei den schulischen Qualifikationen die Ergebnisse des jeweiligen Bundeslandes bei der PISA- oder Iglu-Studie genommen worden seien. Damit habe man alte Bewertungen einfach fortgeschrieben und als aktuell ausgegeben. Ferner bedeute dies: Alle Kreise Hessens haben exakt denselben Schulbildungwert.

Dem Wertungskriterium „Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss“ lägen vor allem die Schülerzahlen an Förderschulen zu Grunde. Schülerströme aus umliegenden Kreisen und Städten in Förderschulen eines Kreises würden diesem zugerechnet.

Fazit des Landrats, der ähnliche Beschwerden von anderen Landkreisen gehört haben will: „Vorsicht mit dieser Studie.“

Quelle: op-online.de

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