Der Bio-Weinbau boomt

Aus der Nische heraus

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Der Pflanzenschutz erfordert im Bio-Weinbau deutlich mehr Arbeit.

Oestrich-Winkel - Einst belächelt, heute gefragt. Der Bio-Weinbau hat längst seine Nische verlassen und verzeichnet einen Boom. Der größte Biowein-Anbauverband Ecovin feiert nun in Hessen sein 25-jähriges Bestehen. Von Christian Riethmüller

In den 1980er Jahren galt Michael Albrecht aus Eltville unter den Rheingauer Winzern als Exot. Dabei stammt er aus einer Winzerfamilie und hat in Geisenheim Weinbau studiert. Was ihn so „anders“ wirken ließ, war eine grundsätzliche Entscheidung, die er 1988 mit der Übernahme des großväterlichen Betriebs getroffen hatte: Er stellte sofort auf ökologischen Weinbau um. Fast zeitgleich gründete er mit vier Kollegen die Regionalgruppe Rheingau des Biowein-Anbauverbands Ecovin. Heute gehören auch Betriebe aus den Anbaugebieten Mittelrhein und Hessische Bergstraße zur Regionalgruppe, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Albrecht und Kollegen waren Pioniere, wenn auch nicht die ersten Rheingauer Winzer, die auf ökologischen Weinbau setzten. Das in Lorch beheimatete Gut der westfälischen Grafen von Kanitz etwa ist schon seit 1968 dieser Anbauweise verpflichtet. Doch der Bio-Anbau galt lange Zeit als wirtschaftlich riskant, weshalb viele Betriebe die sichere Schiene fahren und bei Bedarf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Herbizide und Fungizide, einsetzen.

Ernsthafte Anfragen renommierter Weingüter

Wie Michael Albrecht am Mittwoch in Oestrich Winkel sagte, ist das Interesse vieler Güter aber stark, diese Wege zu verlassen. „Ich erhalte jedes Jahr mehrere ernsthafte Anfragen renommierter Weingüter, die mit dem Gedanken spielen, auf Bio-Bewirtschaftung umzustellen oder dies bereits getan haben.“ Nach Albrechts Einschätzung hat dies zum einen mit dem positiven Image zu tun, das Bio-Produkte seit etlichen Jahren haben, zum anderen aber auch mit dem Bestreben, Spitzenqualitäten zu erzeugen. Dazu soll nicht nur die bewusste Reduzierung des Ertrags, sondern auch die ökologische Anbauweise beitragen.

Der Hattenheimer Winzer Hans Lang, Mitglied im Verband der Prädikatsweingüter (VDP), hat im Jahr 2009 mit der Umstellung auf den Bio-Weinbau begonnen und bewirtschaftet 18 Hektar. „Der Arbeitseinsatz für die Bewirtschaftung ist weniger geworden, dafür erfordert der Pflanzenschutz mehr Arbeit. Der Ertrag ist seit der Umstellung um etwa zehn Prozent zurückgegangen, doch die Trauben sind nun viel gesünder“, berichtet Lang, der sich vor allem über die Qualität seiner Weine freut. „Die sind differenzierter und komplexer“, meint er.

Sechs Prozent der Rebfläche ökologisch bewirtschaftet

Bundesweit werden etwa sechs Prozent der Rebfläche ökologisch bewirtschaftet. Das sind rund 5400 Hektar. Die gut 220 Mitglieder des Verbands Ecovin bewirtschaften davon etwa 1600 Hektar. Damit ist Ecovin das größte, aber nicht das einzige Bio-Label im Weinbau. Auch in Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland sind Bio-Winzer organisiert und werden gemäß den Richtlinien dieser Verbände zertifiziert.

Die Qualität der Erzeugnisse regionaler Bio-Winzer sollte am besten getestet werden. Gelegenheit dazu bietet die „Große Öko-Weinmesse“ zum 25-jährigen Bestehen der Ecovin-Regionalgruppe Rheingau - Mittelrhein - Hessische Bergstraße, die am Sonntag, 14. April, in der Domäne Mechtildshausen in Wiesbaden-Erbenheim veranstaltet wird. Dort präsentieren 14 Güter in der Zeit von 13 bis 18 Uhr über 80 Weine.

Quelle: op-online.de

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