Katholische Initiativen und Pfarreien legen sich ins Zeug

Bistümer greifen Staat bei Flüchtlingen unter die Arme

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Papst Franziskus

Offenbach - Große Hilfsbereitschaft in der katholischen Kirche: Flüchtlinge werden aufgenommen. Bistümer stellen Millionen Euro bereit, um Schutzsuchende zu unterstützen. Nicht erst der Aufruf von Papst Franziskus lässt Kirchenvertreter handeln. Von Angelika Dürbaum

In der katholischen Kirche in Deutschland ist der jüngste Appell von Papst Franziskus zur Aufnahme von Flüchtlingen auf große Resonanz gestoßen. Der Papst hatte am Sonntag alle Pfarreien, Klöster und religiösen Gemeinschaften dazu aufgerufen, mindestens jeweils eine Familie aufzunehmen. Allerdings waren viele Gemeinden auch schon vor der Bitte des Papstes aktiv - stellten Wohnraum zur Verfügung, unterstützten Asylbewerber bei der Suche nach Unterkünften oder beim Deutschlernen. In den Bistümern in Hessen ist das Engagement vieler Gläubiger unübersehbar; man greift dem Staat gerne unter die Arme:

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  • Im Bistum Mainz will Generalvikar Dietmar Giebelmann die Pfarreien anschreiben und sie ermutigen, den Aufruf des Papstes umzusetzen. Dafür plant das Bistum, auch Mittel aus seinem Flüchtlingsfonds (derzeit rund 500.000 Euro) zur Verfügung zu stellen. Das Bistum dankte bereits den zahlreichen engagierten Pfarreien und ihren ehrenamtlichen Helfern, die sich mit viel Einsatz um Flüchtlinge und ihre Familien kümmern. 
  • Das Bistum Fulda hat seine Pfarreien schon vor einem Jahr angeschrieben mit der Bitte, Liegenschaften für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung zu stellen. Mehrere Pfarreien in Fulda, Kassel und Marburg haben bereits Familien und Einzelpersonen aufgenommen, ebenso das Bischöfliche Priesterseminar in Fulda.
  • Der Caritasverband für das Bistum Fulda ist mit der Koordination der Flüchtlingshilfe beauftragt worden. In den kirchlichen Häusern, in denen Flüchtlinge untergebracht werden, übernimmt der Sozialverband die Flüchtlingssozialbetreuung. Im Regional-Caritasverband Nordhessen-Kassel werden ca. 1 000 Flüchtlinge in zwölf Einrichtungen betreut. Im Regional-Caritasverband Fulda/Geisa werden Sozialarbeiter und Integrationshelfer gestellt sowie Pfarrgemeinden in der Flüchtlingshilfe beraten und Ehrenamtliche eingesetzt. Dazu kommt die Ausländer- und Migrationsberatung. Im Bereich Main-Kinzig-Kreis werden Flüchtlinge beispielsweise mit Sprachkursen und Hausaufgabenhilfe durch Ehrenamtliche betreut. Die Nachbetreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen findet in diözesanen Einrichtungen der Jugendhilfe in Fulda, Fritzlar und Marburg statt.

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Das Bistum Limburg hat sich bereits im Vorfeld dafür eingesetzt, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Bistum, Pfarreien und kirchliche Ordensgemeinschaften haben derzeit mehr als 30 Wohneinheiten für Flüchtlinge und Asylsuchende zur Verfügung gestellt. Darunter ist ein Studentenwohnheim für 40 Personen, ein Gästehaus für 18 Menschen, ein altes Schulgebäude für etwa 25 Flüchtlinge sowie mehrere Pfarrhäuser. 250 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (die Zahl schwankt nach Auskunft der Flüchtlingsbeauftragten) sind unter anderem in Wohngruppen oder Erziehungseinrichtungen katholischer Träger untergebracht worden.

Darüber hinaus unterstützt das Bistum katholische Initiativen und Pfarreien finanziell, wenn Renovierungen oder Reparaturen anstehen. Bis zu 5 000 Euro steuert das Bistum hier zu. Ein Beispiel: 20.000 Euro hat das Bistum etwa für die Renovierung von sechs Wohneinheiten in Rüdesheim im Rheingau zur Verfügung gestellt, nachdem dort ein Brand eine Asylunterkunft unbewohnbar gemacht hatte. Die Verantwortlichen in Limburg haben

Das Bistum hat zudem für sein Projekt „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ 2,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit den Mitteln wurden unter anderem sieben Stellen (50 Prozent) geschaffen, um die Beratungssituation für Flüchtlinge und Ehrenamtliche im Bistum zu verbessern. Darüber hinaus unterstützt das Bistum Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse, Begegnungscafes oder Angebote für Frauen oder zur Freizeitgestaltung. Ein weiterer Schwerpunkt bilden Qualifizierungsmaßnahmen von Ehrenamtlichen als Flüchtlingslotsen oder Flüchtlingsbegleiter. Auch ein Ausbildungskurs ist wieder im Angebot.

Das Bistum will das Flüchtlingsproblem auch bei seinem Kreuzfest am 20. September in den Mittelpunkt stellen. Das sogenannte Lampedusa-Kreuz, das aus Schiffsplanken gestrandeter Flüchtlingsboote gefertigt wurde, spielt dabei eine große Rolle. Das Fest steht unter dem Motto: „Heil’ges Kreuz - Planke der Hoffnung“.

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Quelle: op-online.de

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