Anstieg der Gebühren

Bitteres Bonbon für Tagesmütter

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Offenbach - Der mögliche Anstieg der Gebühren für die Kindertagespflege im Kreis Offenbach um rund 15 Prozent stößt bei den Tagesmüttern auf Unverständnis. Von Christoph Zöllner 

„Es sollte doch eigentlich darum gehen, Tagesmütter und Eltern darin zu unterstützen, ein verlässliches Betreuungsumfeld zu gestalten und damit eine gute Entwicklung und Förderung der Kinder sicherzustellen. Und nicht darum, die Haushaltslöcher zu Lasten von Eltern und Tagesmüttern zu stopfen“, heißt es in einer Stellungnahme des Netzwerks Kindertagespflege, das zehn Vermittlungsstellen und rund 200 Tagesmütter im Kreis vertritt.

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Das Netzwerk rechnet damit, dass sich in Städten und Gemeinden, wo die Kinderkrippe günstiger ist als die Tagespflege, künftig mehr Eltern für die Krippe entscheiden. „Dann zahlt nicht der Kreis, sondern die Kommune die Zuschüsse.“ Ein solches Ansinnen verneint Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Carsten Müller (SPD). „Die Kommunen heben die Kitapreise ja ebenfalls an“, sagt er. Folglich stehe der Kreis mit der Kindertagespflege unter Druck. Müller zufolge ist der Kreis gezwungen, dafür eine einheitliche Gebühr festzusetzen. Es sei rechtlich nicht zulässig, unterschiedliche Beträge, die sich an den jeweiligen Kitagebühren vor Ort orientieren, zu erheben. „Wie sollten wir den Eltern auch erklären, dass der Kreis in Mainhausen 190 Euro und in Langen 400 Euro nimmt“, so Müller.

Eine leistungsgerechte Bezahlung

Nach wie vor fordern die Tagesmütter eine leistungsgerechte Bezahlung: mindestens 6,50 Euro die Stunde plus zusätzliche Zeiten für Weiterbildung, Dokumentation und Ähnliches sowie frei verhandelbare Betreuungsstunden mit den Eltern. Zurzeit zahlt der Kreis - inklusive Landesförderung und Sachkosten 4,95 Euro. „Noch im vergangenen Jahr wurde von Seiten des Kreises den Tagesmüttern vorgehalten, eine Zusatzbezahlung sei unangemessen und unakzeptabel. Jetzt holt sich der Kreis genau das direkt von den Eltern“, kritisiert das Netzwerk. Der Kreis habe bislang signalisiert, dass es Sache der Kommunen sei, pro Stunde noch etwas draufzulegen. Dies gelte auch für die Kosten einer Vertretungsregelung. Bis zu fünf Kinder dürfen Tagesmütter gleichzeitig betreuen. Tatsächlich sind es im Schnitt laut Netzwerk drei Kinder. Die Selbstständigen sind steuer- und sozialversicherungspflichtig, zahlen Raum- und Nebenkosten, Ausgaben für Reinigungsmaterial, Spielzeug, Einrichtung, Körper- und Gesundheitspflege sowie Nahrung. Das Netzwerk begrüßt die vorgesehene Erhöhung der Essensgebühren von 60 auf 70 Euro zwar grundsätzlich, bezeichnet sie aber auch als „bitteres Bonbon“. Denn im Gegensatz zum Essensgeld in Kitas ist auch diese Einnahme steuer- und sozialversicherungspflichtig, so dass von den zehn Euro nur wenig übrig bleiben dürfte.

Schon vor einem Jahr hatten sich die Tagesmütter gegen eine Satzungsänderung zur Wehr gesetzt, die eine Zuzahlung von Eltern verhinderte. Seither bieten den Pflegerinnen nur Familien mit wenigen oder besonders hohen Betreuungsstunden pro Woche (unter 20 und über 40) einen kleinen finanziellen Vorteil. Die mit Abstand am häufigsten angefragten Zeiten zwischen 25 und 35 Wochenstunden minimierten indes den Stundensatz der Tagesmütter.

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Wie berichtet, hatte der Kreisausschuss beschlossen, die monatlichen Gebühren bei einer Betreuungszeit von bis zu 20 Wochenstunden ab 1. Januar von 116,80 auf 134 Euro zu erhöhen, bei 40 bis 50 Stunden von 292 auf 336 Euro. Bis 2019 werden die Gebühren dann stets am 1. August eines Jahres um durchschnittlich 2,5 Prozent steigen. Ab August 2019 müssen Eltern, die ihre Kinder bis zu 20 Stunden wöchentlich von Tagesmüttern betreuen lassen, monatlich 148 Euro bezahlen. Bei einer Betreuungszeit von 40 bis 50 Stunden werden 371 Euro fällig, sollte der Kreistag zustimmen.

Wegen der Haushaltskonsolidierung und der finanziellen Auflagen der Kommunalaufsicht gebe es keine andere Möglichkeit, als die Gebühren anzuheben, hatte Müller erklärt. Der Kreis nimmt die Gebühren entgegen und bezahlt die Tagesmütter. Ausgaben von 2,9 Millionen Euro stehen in diesem Jahr 1,2 Millionen Euro Einnahmen gegenüber, so Müller. Das 1,7 Millionen Euro große Minus trage der Steuerzahler: „Und das soll kleiner werden.“

Quelle: op-online.de

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