Urteil für Räuberbande: Mit blauem Auge kam keiner davon

Darmstadt - „Es wird keiner mit einem blauen Auge davon kommen!“ Diese Ankündigung des Staatsanwalts in einem Prozess um besonders schweren Raub mit vier Angeklagten hat sich bewahrheitet. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Nach fünf Verhandlungstagen und mehrstündiger Urteilsberatung verkündet Richter Sven Onneken am Landgericht Darmstadt folgende Haftstrafen: Marcel A. (20): fünf Jahre und drei Monate, Björn A. (19): vier Jahre, Sandra A. (25) und Susann M. (24) jeweils zwei Jahre und neun Monate. Damit folgt er weitestgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft und lässt jene der Verteidiger außer acht: Diese hatten für die Frauen Bewährungsstrafen und für die Männer niedrigere Haftstrafen gefordert.

Von Anfang Februar bis Anfang April diesen Jahres verübten die drei vorbestraften Geschwister Marcel, Björn und Sandra mit ihrer Bekannten Susann eine ganze Serie von Tankstellenüberfällen im Kreis Offenbach. Bei zehn Raubzügen erbeuteten sie eine Gesamtsumme von knapp 12.000 Euro, den Großteil davon setzten die Brüder in Alkohol und Drogen um.

Opfer: „Wir hatten in dem Moment Todesangst“

Die Vorgehensweise war dabei stets die gleiche: Marcel bedrohte den Kassierer mit einer ungeladenen Gaspistole, Björn mit einem Messer. Er packte auch die Beute ein. Beide waren maskiert. Die Frauen warteten im Fluchtfahrzeug in der Nähe der Tankstelle, sie müssen sich wegen Beihilfe verantworten.

In seinem Plädoyer führt Thomas Glab aus, dass man es hier mit Straftaten zu tun habe, die im Erwachsenenstrafrecht mit mindestens fünf Jahren Haft nach Paragraf 250 auf gleicher Höhe wie Tötungsdelikte stünden. Diese zunächst vielleicht übertrieben scheinende Gewichtung wird verständlich, wenn man die Aussagen der Opfer im Zeugenstand hört: „Wir hatten in dem Moment Todesangst.“

„Keiner möchte so aufwachsen wie die Geschwister A.“

Gleichzeitig verliert Glab jedoch eine Betrachtung nicht aus dem Auge. „Wir haben aus der Vorgeschichte viel Trauriges und Negatives gehört. Keiner möchte so aufwachsen wie die Geschwister A.“ so Glab, und spielt damit auf frühe familiäre Gewalterfahrungen, Heimaufenthalte und Drogenkonsum an. Als strafmildernd rechnet er allen vieren umfängliche Geständigkeit, ein kooperatives Verhalten und ehrliche Reue an: Alle haben sich ohne vorheriges „Gut-Zureden“ der Verteidiger bei den Zeugen entschuldigt, was sie in ihrem letzten Wort noch einmal untermauern. Susann: „Ich hab den Mist verbockt und ich stehe auch dafür gerade.“ Marcel: „Ich kann es nicht fassen, was ich für ein Idiot gewesen bin!“

Quelle: op-online.de

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