Rund 500 Beamte im Einsatz

Blaulicht und Rotlicht: Großkontrolle im Bahnhofsviertel

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Bei der nach Polizeiangaben bislang größten Razzia im Bahnhofsviertel waren rund 500 Beamte im Einsatz, ganze Straßenzüge wurden abgesperrt, hunderte Verdächtige wurden kontrolliert.

Frankfurt - Mehr Beamte, häufigere Kontrollen: Im Frankfurter Bahnhofsviertel erhöht die Polizei den Druck auf Rauschgifthändler und andere Kriminelle. Eine Großkontrolle mit fast 500 Beamten soll eine klare Ansage sein.

Flackerndes Blaulicht auf der Straße, rot beleuchtete Fenster und Balkone an den Gebäuden in der Elbestraße im Frankfurter Bahnhofsviertel: Hunderte Polizisten sind am späten Donnerstagabend bei einer Großkontrolle im Einsatz, bei der es vor allem um Drogenhandel, aber auch organisierte Kriminalität geht. "Alle in einer Reihe aufstellen, Hände vor den Körper!", ruft ein Polizist den Männern zu, die auf der Straße vor einem der Bordellbetriebe stehen. An einem der rot beleuchteten Fenster zieht eine Frau das Negligé enger um die Schultern und macht eine Zigarettenpause, während sie das Geschehen unten beobachtet. Die Kundschaft muss erst mal draußen bleiben. "Wir wollen den Kontrolldruck erhöhen", betont der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill vor Ort. Deshalb sei der Brennpunktbereich des Bahnhofsviertels "schlagartig eingenommen" worden.

Um 22 Uhr hatten fast 500 Beamte Straßenzüge mit Flatterband abgesperrt. Dutzende Polizisten haben sich nun in den Straßen verteilt, sind in "ausgewählten Bordellen und Lokalitäten" im Einsatz, so Bereswill. Hier würden nicht nur Straftaten begangen: "Das sind auch Rückzugsräume und teilweise Orte, von denen Straftaten gesteuert werden." Die Aktion richtet sich vor allem gegen den Straßenhandel mit Rauschgift, aber es wird auch Informationen aus verdeckten Ermittlungen nachgegangen. "Wir wollen mit dieser Aktion auch Erkenntnisse sammeln über Personenzusammenhänge und Strukturen. Und wir wollen den Straftäter zeigen, dass es nicht einfach ist, hier in Frankfurt und im Bahnhofsviertel sich so zu verhalten, wie wir das bisweilen haben."

Erst am Vorabend sei in der unmittelbaren Nachbarschaft geschossen worden, sagt Bereswill. Ob es um Revierrivalitäten oder Imponiergehabe ging, steht derzeit noch nicht fest. Mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen steht ein Mann an einer Häuserwand, während ein Polizist ihn durchsucht. Die kräftigen Sicherheitsmänner eines Rotlichtbetriebs stehen an der Absperrung, an der sie normalerweise die Kunden des Hauses in Augenschein nehmen. "Schon wieder", sagt einer von ihnen lakonisch. Trotz des hohen Polizeiaufgebots, des zuckenden Blaulichts, das in den Pfützen auf dem Pflaster gespiegelt wird, ist die Stimmung auf beiden Seiten ruhig. Schließlich ist dies nicht die erste und nicht die letzte Kontrolle - beide Seiten kennen das Vorgehen zur Genüge.

Junkies mit leerem Blick kauern in Hauseingängen. Eine Frau ist genervt. "Ey, was soll'n das? Was wollt ihr?", schreit sie, die Worte klingen wie mit schwerer Zunge artikuliert. Sie zieht die Kapuzenjacke tiefer über ihr Gesicht. Eine Polizistin begleitet ein mit Einkaufstüten heimkehrendes Paar aus der Nachbarschaft durch die Polizeiabsperrung. Auch für die Menschen, die im Bahnhofsviertel leben, seien die im vergangenen Jahr mit mehr Personal ausgeweiteten zusätzlichen Kontrollen der Polizei ein Signal, betont Bereswill. "Wir zeigen, dass wir da sind und uns kümmern. Wir halten unsere Versprechen und lassen niemanden allein."

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Die Reaktionen von Geschäftsleuten und Anwohnern auf die nicht nur in dieser Nacht verstärkte Polizeipräsenz sei positiv, sagt ein Polizist. "Die meisten unterstützen das sehr. Natürlich gibt es immer wieder auch welche, die meckern oder die Polizei generell nicht so mögen."

In der Frankfurter Kriminalstatistik des vergangenen Jahres ist die Rauschgiftkriminalität um mehr als 45 Prozent auf fast 10.500 Fälle gestiegen. Das sei ein Ergebnis der erhöhten Polizeipräsenz, sagt Bereswill. Es würden mehr mutmaßliche Straßenhändler kontrolliert und Drogen aufgegriffen. Bei Taschendiebstahl oder Diebstählen in Hotels oder Gaststätten dagegen sei ein Rückgang um bis zu 40 Prozent verzeichnet worden. "Taschendiebe reagieren sehr sensibel auf Polizeipräsenz und verlassen sofort den Ort", meint er trocken. Oft verschwänden sie dann nicht nur aus dem Bahnhofsviertel, sondern auch gleich aus der Stadt. (dpa)

Quelle: op-online.de

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