Der tiefe Fall der Wolskis

Kommentar: Blick in dunkle Wasser

Fast drei Jahre Haft für Rechtsanwalt Michael Wolski und ein überraschender, wenn auch von keinerlei Verständnis geprägter Rücktritt seiner Ehefrau Karin: So endet die unglaubliche Geschichte um Sex, Lügen, Dummheit und grenzenlose Gier. Von Michael Eschenauer

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Ganz verstehen werden wir sie wahrscheinlich nie. War es perfider Plan oder nur schlampige Geschäftsführung, die den 61-Jährigen dazu veranlasste, über Jahre keine Steuererklärungen abzugeben und die zynisch eingestrichenen Millionen seiner reichen Verehrerin nicht anzugeben? Wie ist die Rolle seiner Frau, der Karriere-Richterin Karin Wolski, zu bewerten? Sie sah dem bizarren Treiben ihres Gatten mit der 87-jährigen Millionärswitwe zu. Klar, es gab Vorteile: Sechs gleichzeitig auf den eigenen Namen angemeldete Autos schießen manche Leute höher ins Orbit als Koks oder die Hoffnung, nie sterben zu müssen. Es gab aber auch trübe Tage: Zum Beispiel bei der gescheiterten Kandidatur als Oberbürgermeisterkandidatin der CDU für Offenbach im Jahre 2004. Oder auch der gestrige schwarze Freitag, an dem man sein Amt aufgeben musste - hocherhobenen Hauptes und um Schaden vom Staatsgerichtshof abzuwenden, versteht sich.

Fragen bleiben auch an die Politik: Warum wurde nie gegen Karin Wolski ermittelt? Warum dauerte es Jahre, bis die Untersuchungen gegen ihren Ehemann in Gang kamen? Schnee von gestern; die Sache ist, sowohl in Sachen Herr als auch Frau Wolski, ausgelöffelt. Der eine bezieht seine Haftstrafe, die andere gibt in letzter Sekunde dem immer weiter steigenden Druck nach. Einsicht scheint in diesem Drama kaum eine Rolle zu spielen.

Die Finanzbürokratie allerdings wartet weiter auf den Einsicht fördernden Tritt in den Allerwertesten. Die peinlichen Auftritte der Finanzbeamten vor dem Darmstädter Landgericht, die offensichtlich nicht kapierten, dass sich Wolski strafbar machte, als er über Jahre keine Steuererklärungen abgab, lässt einen fast hoffen, dass alte Kameraden versuchten, Schaden von der Familie Wolski fernzuhalten. Dann nämlich könnte man wenigstens eine gewisse, wenn auch kriminelle Intelligenz voraussetzen. Andernfalls bliebe nur Dummheit.

Als Angehöriger der Kaste des Steuernutzviehs mag man sich sowieso kaum ausmalen, welche unentdeckten Skandale in den bürokratischen Paralleluniversen der Finanzämter noch auf ihren Christoph Kolumbus warten. Deren Ausmaß wird wahrscheinlich nur übertroffen von der Dickfelligkeit und Borniertheit, mit der man hier bei Fragen mauert und Aufklärung torpediert. Vernahmen wir Selbstkritik? Rollten Köpfe? Gab es Reformen gar?

Wenn der tiefe Fall des Ehepaars Wolski überhaupt einen Vorteil für das Gemeinwesen hat, dann den, dass er uns einen Blick in die dunklen Wasser der Finanzbürokratie hat werfen lassen. Und wenn Finanzminister Weimar, der selbst zugegeben hat, der Fall sei „nicht gut gelaufen“, sich nun bemüßigt fühlte, die Ämter Frankfurt und Offenbach-Land kräftig durchzulüften - die sechs Autos, die drei Jahre Haft und der Rücktritt hätten am Ende doch noch einen Nutzen gehabt.

@michael.eschenauer@op-online.de

Quelle: op-online.de

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