Operntag in Frankfurt

Blick in die Maschinerie der Bühne

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Ganz schön kompliziert, so eine Oper. Wie spielt man zum Beispiel unsterbliche Liebe oder furchtbare Angst?

Frankfurt - Was an der Frankfurter Oper bisher nur Schulklassen möglich war, ist nun auch als Privatvergnügen buchbar. Von Lara Sturm

An ausgewählten Samstagen in dieser Spielzeit können Jugendliche ab 14 Jahren einen ganzen Tag in dem Komplex am Willy-Brandt-Platz verbringen und die Oper von allen Seiten kennenlernen. Der zweite Operntag widmete sich Wolfgang Amadeus Mozarts Die Hochzeit des Figaro (Le nozze die Figaro).

Der Diener Figaro führt seinen Grafen Almaviva hinters Licht und obsiegt so am Ende über die Obrigkeit – ein revolutionärer Stoff, der sich den Weg auf die europäischen Bühnen des 18. Jahrhunderts erst erobern musste. Mit aristokratischen Widerständen müssen sich die 19 Jugendlichen heute nicht mehr herumschlagen. Sie faszinieren ganz andere Facetten von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais’ Schauspiel „Figaros Hochzeit“, dessen Stoff Mozart zu einer Oper formte: „Diese Oper ist auf jeden Fall noch aktuell. Die Liebe mit all ihren Schwierigkeiten – das ist doch immer zeitgemäß“, ist sich Ines Eckert (15) sicher.

Im Probensaal üben die Teilnehmer in kleinen Gruppen auf bunten Socken Szenen des Stücks, ausgestattet mit Kostümen aus dem Theaterfundus. Die Figaros tragen Schiebermützen auf den Köpfen, während die langen Röcke ihrer geliebten Susannas den Boden streifen. Denn Figaro liebt Susanna, die Kammerzofe der Gräfin, und möchte sie heiraten. Doch der Graf besteht darauf, das frühere, feudale Recht der ersten Nacht mit frisch vermählten weiblichen Bediensteten wieder einzuführen. Die Gräfin wiederum möchte die erkaltete Liebe zwischen sich und ihrem Gatten wieder anfachen, und der Page Cherubino schwärmt für die Gräfin – aber nicht nur für sie. Figaros Eheversprechen an Susanna lässt auch noch Marcellina auftauchen, denn der ist Figaro zu Ehe verpflichtet, wenn er seine Schulden nicht begleichen kann. Das käme dem Grafen gerade Recht, doch dann stellt sich Figaro als Marcellina verschollener Sohn heraus.

Ganz schön kompliziert

Ganz schön kompliziert. Wie spielt man unsterbliche Liebe, furchtbare Angst oder das unfassbare Glück, sein verschwundenes Kind wiederzusehen?

Einige der 16 Mädchen streichen sich nervös durch die Haare. Die drei anwesenden Jungen wirken cooler, zu mindestens lassen sie sich ihre Aufregung nicht anmerken. „Vergesst nicht die goldene Regel: Nie dem Publikum den Rücken zuwenden“, tönt es von hinten. Musikpädagogin Hannah Stringham steht den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Weiße Zettel flattern umher. Neben dem Szenentext sind auch die Rollen mit ihren Eigenarten geschildert. Außer biographischen Informationen ist jedem Charakter ein Schlüsselsatz zugeordnet, der die Figur besonders intensiv beschreiben soll. Es wird gebrüllt, gezweifelt und gelitten. Intrigen, wahnwitzige Versteckspiele und jede Menge Notlügen: Die Figuren aus „Die Hochzeit des Figaro“ müssen sich vom ersten Takt der Oper an mutig der Flut der Ereignisse entgegenstellen und versuchen, nicht von ihr überrollt zu werden. Mut beweisen auch die Teilnehmer: Alle trauen sich, vor versammelter Mannschaft ihr Können zum Besten zu geben. Applaus und Stringhams Lob an alle Teilnehmer lassen nach der Mini-Aufführung auch ganz schnell jeden Versprecher und jedes falsche Timing vergessen.

Jugendliche, ab 14 Jahren, konnten sich für den „Operntag“ anmelden, ähnliche pädagogische Projekte finden sonst nur für Schulklassen statt. „Der Vorteil ist, dass alle freiwillig da sind. Aber sie mussten sich natürlich erst noch kennenlernen“, erklärt Stringham, die den Workshop konzipierte. Nach einer Führung durch das Gebäude, machten sich die Teilnehmer mit Musik und Stück vertraut. Abends geht es dann gemeinsam in die Vorstellung. „Ich bin schon gespannt, wie sich die richtigen Schauspieler so anstellen“, lacht Ines. Für sie wird es die erste Opernvorstellung sein. Die Zehntklässlerin liebt das Schauspiel und die Mini-Aufführung ist ihr bisheriger Höhepunkt des „Operntages“. Schauspiel-Erfahrungen konnte sie bereits in der Schule sammeln, sie belegt „Darstellendes Spiel“. Beruflich sieht sie ihre Zukunft aber in anderen Bereichen. „Schauspielern wird für mich ein Hobby bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen mal in der Oper zu arbeiten.“ Im Gegensatz zu Lara Stuicesce (15). Die Neuntklässlerin ist ein richtiger Opern-Fan.

„Etwas ungewöhnlich für mein Alter“

„Ich weiß schon, dass das etwas ungewöhnlich für mein Alter ist“, schmunzelt sie: „Ich habe aber zum Glück Freunde, die meine Leidenschaft teilen.“ Die 15-Jährige nimmt Gesangsunterricht und spielt Klavier und Flöte. Zu gerne wäre sie einmal ein Teil der Opernmaschinerie. Denn bei der Führung haben die Teilnehmer einen Eindruck davon bekommen, dass viel mehr Menschen an einer Oper beteiligt sind, als man letztlich auf der Bühne sieht. Die Tour führte unter anderem durch das Requisitenlager und in den Orchestergraben. „Das ist schon beeindruckend, wie viele Leute hier arbeiten. Man bekommt echt einen Eindruck davon, wie Oper eigentlich funktioniert“, staunt Ines.

Lara darf bald mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen werfen, sie macht dieses Jahr ein zweiwöchiges Praktikum in der Oper. „Ich musste mich schon ein Jahr im Voraus bewerben und bin überglücklich, dass es geklappt hat“, strahlt sie übers ganze Gesicht. Und während Snacks und Getränke herein geschoben werden, machen sich die Jugendlichen schick für die Oper mit den „richtigen Schauspielern“.

Wer Lust bekommen hat, kann sich für den nächsten „Operntag“ am 23. März unter opernprojekt@buehnen-frankfurt.de anmelden. Dann wird sich mit dem Stück „Die Fledermaus“ von Johann Strauss beschäftigt. Die Teilnahme kostet 25 Euro, für weitere 5 Euro ist Verpflegung enthalten. „Wer interessiert ist, sollte sich beeilen, es ist nur noch eine Hand voll Plätze frei“, verrät Hannah Stringham.

Quelle: op-online.de

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