„Mobbing so schlimm wie Gewalt“

Lüneburg - An deutschen Schulen müssen die Lehrer nach Ansicht von Experten entschiedener gegen Mobbing vorgehen. „Man hört immer noch ‘Bei uns an der Schule gibt es das nicht‘“, sagte die Pädagogin Silke Rupprecht von der Leuphana Universität Lüneburg gestern in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. (dpa)

Dabei habe eine Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften unter anderem in Hessen ergeben, dass an weiterführenden Schulen jeder dritte Schüler schon einmal von Klassenkameraden schikaniert worden ist - mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit der Opfer: „Unser zentrales Ergebnis war, dass die Auswirkungen von Mobbing genau so schlimm sind wie die von Gewalt“, sagte die Wissenschaftlerin.

Körperlich leiden Mobbing-Opfer öfter an psychovegetativen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. „Die können sich zu einer richtigen Erkrankung auswachsen“, sagte die Expertin. Außerdem schätzten Gemobbte ihre eigene Leistungsfähigkeit oft schlechter ein als andere Schüler, seien signifikant häufiger unzufrieden mit ihrem Aussehen, gingen Problemen eher aus dem Weg und unternähmen seltener etwas mit Freunden. Im Vergleich zu ihren Altersgenossen seien gemobbte Schüler anfälliger für negative Bewältigungsstrategien. „Kinder, die hohe Schutzfaktoren haben, greifen seltener zu Zigaretten oder Alkohol“, sagte Rupprecht.

Beim Mobbing lässt sich nicht immer eine klare Grenze zwischen Gut und Böse ziehen. „Es ist ganz interessant zu wissen, dass bei Mobbing die Täter häufig auch Opfer sind“, erklärte die Pädagogin. Die Täter hätten in der Befragung häufiger bemängelt, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen oder benachteiligen, das Klima an der Schule und unter den Schülern negativ eingeschätzt und sich weniger zufrieden mit den eigenen Schulleistungen gezeigt.

Um Mobbing zu verhindern, sollten Schulen klare Klassenregeln und Konsequenzen für Verstöße festlegen, rät die Pädagogin Rupprecht. Dabei sollten die Schüler einbezogen und beispielsweise per Fragebogen zu ihren Erfahrungen befragt werden. „Es muss eine klare Ansage geben, dass so etwas nicht geht, Übergriffe müssen geahndet werden“, sagte die Lüneburger Wissenschaftlerin. „Jedes Kind hat ein Recht, sicher zur Schule zu gehen.“

Quelle: op-online.de

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