Kein Platz frei an der Schule nach Wunsch?

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Im Rhein-Main-Gebiet werden wohl nicht alle Schüler an den von ihnen gewünschten Integrierten Gesamtschulen und Gymnasien unterkommen. Engpässe werden dadurch verschärft, dass in den Eingangsklassen der Gymnasien nur noch maximal 30 Schüler unterrichtet werden. 

Frankfurt - Die böse Überraschung für die Frankfurter Familie Dietrich kam am 20. Mai. Für ihre Tochter Sira gebe es keinen Platz in den von ihr gewünschten weiterführenden Schulen, hieß es in der Mitteilung des Schulamtes in Frankfurt.

Es folgte eine Liste von Schulen mit freien Plätzen, die nächst gelegene hätte für die Neunjährige einen Schulweg von täglich 80 Minuten bedeutet. Die Familie ist bei weitem nicht die einzig Betroffene in Hessen. „Das Problem tritt jedes Jahr auf“, sagt der Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden, Nicolas Wolz.

Die Grundschüler der vierten Klasse haben im Frühjahr eine Liste mit ihren Wunsch-Schulen abgegeben. Kurz darauf folgten die Verteilungskonferenzen, wie jedes Jahr kamen in den großen Städten im Rhein-Main-Gebiet nicht alle Schüler wie gewünscht an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) und Gymnasien unter. „Sie haben zwar einen Rechtsanspruch auf einen Gymnasialplatz, aber nicht auf einen Platz in einer bestimmten Schule“, erläutert Jurist Ulrich Striegel vom Schulamt in Frankfurt. In Hessens größter Stadt wird das Problem dadurch verschärft, dass die Zahl der Schüler nicht - wie erwartet - sinkt und gleichzeitig immer mehr Eltern ihre Kinder auf einem Gymnasium sehen möchten. „Wir haben über 50 Prozent Anmeldungen für Gymnasien. Da muss gedrückt und geschoben werden“, sagt Striegel. Denn bei der Wahl der Schule haben in Hessen zunächst die Eltern das letzte Wort. Sie können auch gegen die Empfehlung der Lehrer ihr Kind aufs Gymnasium schicken. Kommt es dort zu Schwierigkeiten, kann es jedoch auch gegen den Willen der Eltern in die Realschule zurückgestuft werden.

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In den meisten Fällen wird sich einvernehmlich geeinigt“, heißt es an den Schulen. Geeinigt hat sich schließlich auch die Familie Dietrich mit dem Frankfurter Schulamt. An der Elisabethenschule ist eine weitere Klasse eröffnet worden, dorthin kann die Neunjährige mit dem Fahrrad hin fahren. Die Familie ist zufrieden, ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Siris Freundinnen haben alle einen Platz auf anderen Gymnasien bekommen.

dpa

Von unseren Redaktionen

Verschiedene Neuerungen sind mitschuldig an der sich verschärfenden Lage an weiterführenden Schulen. So dürfen in den Eingangsklassen der Gymnasien nur noch maximal 30 Schüler unterrichtet werden. Bei den Integrierten Gesamtschulen sinkt die Höchstzahl von 30 auf 27. „Dadurch kommt es natürlich zu Engpässen“, räumt Dr. Peter Bieniussa vom Schulamt für Stadt und Kreis Offenbach ein. Die Schulen in der Region bekommen die stärkere Nachfrage nach Gymnasien zu spüren. Viele scheinen die Situation aber meistern zu können. Jochen Zeller, Rektor der Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden, stellte fest: „Ein Aufnahmestopp ist bei uns kein Thema!“ Entwarnung auch an der Seligenstädter Einhardschule. Unsere Lokalredaktionen geben einen Überblick zur Situation an Schulen in der Region:

LANGEN

Zum neuen Schuljahr haben 160 Eltern ihre Kinder fürs Langener Dreieich-Gymnasium angemeldet. An der Goethestraße wird es nach den Sommerferien sechs 5. Klassen geben, wobei im Moment nur die Französischklasse mit 30 Schülern am Limit ist. Ein bisschen Luft hat Direktor Bernhard Zotz also noch. Um alle Klassen unterbringen zu können, soll in den Sommerferien ein Pavillon aufgestellt werden. Aus allen Nähten platzt auch die Adolf-Reichwein-Schule, weil die Anmeldungen regelmäßig Rekorde brechen. Fast 200 sind es in diesem Jahr. Auf den Gymnasialzweig entfallen drei Klassen, hier sind nach den Worten von DirektorinElke Dürr noch Plätze frei. Anders sieht es bei der Förderstufe der Kooperativen Gesamtschule aus. Alle fünf Klassen sind mit der maximal möglichen Stärke von 27 Schülern voll belegt. Die Reichwein-Schule kooperiert mit dem Dreieich-Gymnasium und hat einstimmig beschlossen, bei G8 zu bleiben und nicht zum längeren G9-Zug zurückzukehren.

MÜHLHEIM

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium zählt 118 Anfragen bei vier geplanten Klassen. „Wir sind also bei ganz knapp unter 30 Schülern pro Klasse. Wenn der ein oder andere Schüler aus dem nächsthöheren Jahrgang nicht versetzt wird und in diese Jahrgangsstufe dazu kommt, könnte die Zahl auch leicht drüber liegen“, so Schulleiter Jürgen Hegener. Dann könne die Zahl pro Klasse auch mal bei 31 liegen. „Aber das nehme ich in Kauf.“

HEUSENSTAMM

Beim Adolf-Reichwein-Gymnasium haben sich aktuell 155 Schüler angemeldet. Deshalb wird es nach Angaben der Schulleitung im nächsten Schuljahr sechs statt der geplanten fünf Klassen geben. „Dadurch entstehen uns aber keine Raumprobleme“, sagte Direktor Thomas Wittholz.

OBERTSHAUSEN

Gut im Rennen“ ist der Gymnasialzweig der Hermann-Hesse-Schule. Nach dem Wechsel von G8 zu G9 ist er „gefragt“; statt der geplanten drei Eingangsklassen wird nun mit vier geplant.

DREIEICH

An der Ricarda-Huch-Schule (Gymnasium) gab es keine Probleme. Alle Schüler, die dorthin wollten, werden aufgenommen. Was die Weibelfeldschule (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe) betrifft, so mussten 15 Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden, denn in den insgesamt sieben Klassen stehen nur 195 Plätze zur Verfügung. Nicht zum Zuge gekommen sind ausschließlich Schüler mit Wohnort außerhalb von Dreieich.

NEU-ISENBURG

Grünes Licht von der Goetheschule; es müssen keine Schüler abgelehnt werden.

HANAU

Entspannung der Lage in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis, denn die Behörden haben auf Fehlentwicklungen reagiert. Im Jahr 2007 konnten die Hanauer Gymnasien etliche Bewerber aus dem Main-Kinzig-Kreis nicht mehr aufnehmen, daraufhin schufen die Stadt Hanau und der Kreis gemeinsam finanzierten zusätzlichen Schulraum am Karl-Rehbein-Gymnasium und der Hohen Landesschule, so dass nun der Bedarf nach Auskunft des Schulverwaltungsamtes „vorbildhaft“ abgedeckt werden kann.

OFFENBACH

Schulleitungen seien optimistisch, Wünschen entsprechen zu können, heißt es beim Schulamt. Für Entlastung werde die Umwandlung der Geschwister-Scholl-Schule in Offenbach-Bieber in eine IGS sorgen. Die gymnasiale Schulform ist sehr gefragt. Engpässe gibt es etwa bei der Albert-Schweitzer-Schule. Rund 50 Interessierte habe die Schulleitung ablehnen müssen, zuvor war die Zahl der Eingangsklassen erhöht worden.

RODGAU

Die Umwandlung der Geschwister-Scholl-Schule in Hainhausen von der Haupt-/ Realschule zur kooperativen Gesamtschule hat für Entspannung gesorgt. Ablehnungen musste jedoch wieder einmal die Heinrich-Böll-Schule verschicken. An der einzigen Integrierte Gesamtschule in Rodgau fallen zwei Entwicklungen auf: Erstens führt der Mangel an IGS dazu, dass Eltern bis aus Mühlheim ihre Kinder dort anmelden; zweitens sehen Eltern von Kindern mit Hauptschulempfehlung diese Schule offenbar als Notnagel an. „Allerdings kann eine IGS nur funktionieren, wenn es in der Schülerschaft eine gesunde Mischung gibt“, so ein Beobachter.

Quelle: op-online.de

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