Blindgänger-Entschärfung ohne Risiko

Wasser setzt Bomben schachmatt

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Mit Hilfe eines 700 Bar starken Wasserstrahls kann das computergestützte Gerät innerhalb kurzer Zeit die Zünder aus Bomben herausschneiden, während die Entschärfer den Vorgang aus sicherer Entfernung steuern.

Frankfurt - Eine Fünf-Zentner-Bombe explodierte am 22. Juli völlig unerwartet auf einem Feld bei Gießen. In Frankfurt wurden kurz zuvor innerhalb weniger Wochen drei Fliegerbomben entschärft. Mit einem Wasserstrahlschneidegerät geht das jetzt sicherer und schneller.

Der mit australischem Granatsand vermischte Wasserstrahl schneidet mit einem Druck von 700 Bar den Zünder kreisrund aus der Fliegerbombe heraus. Nur zehn Minuten brauchten der Leiter des Kampfmittelräumdienstes Hessen, Gerhard Gossens, und seine drei Mitarbeiter gestern in Frankfurt für die Entschärfung der Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Gefährlich war der bereits leere Sprengkörper nicht mehr, er diente jedoch der Demonstration der neuen Anlage. Mit der bisherigen Hydraulik-Methode hätte es eine halbe bis zwei Stunden gedauert, wie Gossens sagt.

Als achtes Bundesland hat Hessen ein Wasserstahlschneidegerät zur Entschärfung besonders unberechenbarer Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg mit Langzeitzündern angeschafft. Nordrhein-Westfalen beschafft die Wasserschneider gerade, in Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen sind sie schon länger im Einsatz, wie das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt berichtet. Dort hat der Kampfmittelräumdienst seinen Sitz. Rund 332.000 Euro kostet die Anlage, die die Entschärfung sicherer und schneller macht.

Besondere Gefahr

Wie gefährlich die Entschärfung von Weltkriegsbomben ist, zeigt vor allem der Tod zweier Sprengmeister bei Wetzlar 1990. Oder die Fünf-Zentner-Bombe bei Buseck, die Ende Juli auf einem Feld plötzlich explodierte - verletzt wurde niemand. Die Detonation riss einen vier Meter tiefen und 15 Meter breiten Krater in die Erde.

Eine bereits entschärfte amerikanische Weltkriegsbombe dient als Demonstrationsobjekt.

Rund 400 Munitionsfunde werden in Hessen pro Jahr gemacht, wie Regierungspräsident Johannes Baron (FDP) sagte. Darunter seien jedes Jahr etwa 40 englische oder amerikanische Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg, die entschärft werden müssten. Dazu gehörten einige wenige Bomben, die beim Aufschlag detoniert seien, aber vor allem solche mit chemisch-mechanischen Langzeitzündern, die eine Detonation bis zu 144 Stunden zeitverzögert auslösen können. Etwa 10 bis 30 Prozent sind Blindgänger - sicher ist das aber erst, wenn das Zündsystem freigelegt wurde, wie Gossens sagt.

Von außen ist nicht zu erkennen, ob der Zünder versagt oder noch nicht ausgelöst hat. Dies ist besonders gefährlich, denn der Alterungsprozess führt zu einem unkalkulierbaren Risiko. „Das Haltesystem kann spröde sein und der Schlagbolzen sich von allein bewegen und die Zündung auslösen“, erläutert Gossens. „Das ist ein sehr wichtiges Tool für uns, aber kein Generalsystem“, sagt Gossens. „Es kommt immer auf die Bombe und ihre Lage an.“ Der große Vorteil: Die Vorbereitung der Entschärfung kann in Deckung vorgenommen und die eigentliche Entschärfung aus sicherer Entfernung auf einem Videoschirm überwacht werden. Besonders gefährlich sind die sechs, sieben Minuten, in denen der Adapter an der Bombe angebracht werden muss. Dieser ist mit dem Schlauch verbunden, durch den das Wasser-Sand-Gemisch gepresst wird - so stark, dass der Druck einen Finger abschneiden könnte.

dpa

Quelle: op-online.de

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