Über Absperrzäune geklettert

Blockupy-Demo vor EZB-Neubau mit Pfefferspray-Einsatz

+

Frankfurt - Das bankenkritische Blockupy-Bündnis ist zum Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gezogen, um dort gegen das „Krisenmanagement“ in Europa zu demonstrieren. Nach Erreichen des Geländes im Frankfurter Ostend kletterten zahlreiche Teilnehmer über die Absperrzäune.

Rund 80 Anhänger des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnisses haben nach einer friedlichen Demonstration den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt mit Farbbeuteln und Steinen beworfen. Dabei wurden am Samstag mehrere Polizisten und Demonstranten leicht verletzt. An der vorausgegangenen Demonstration unter dem Motto "Umzug zur neuen EZB - wir packen mit an!" hatten sich nach Polizeiangaben rund 2000 Menschen beteiligt. Die Veranstalter sprachen von etwa 3000 Teilnehmern.

Zur offiziellen Eröffnungsfeier der EZB am 18. März plant Blockupy eine Reihe von Demonstrationen, Blockaden und anderen Aktionen. "Der Protest und der Widerstand werden nach Frankfurt zurückkehren - stärker in der Zahl und in der Entschlossenheit als zuvor!", teilte das Bündnis am Sonntag mit. Zwei Demonstrantinnen - eine Britin (21) und eine Österreicherin (20) - sowie ein Mann wurden am Samstagabend vorübergehend festgenommen. Der Mann, ein 35-Jähriger aus Thüringen, habe einen Schlagstock, eine Softairwaffe, ein Messer und Pfefferspray bei sich gehabt. Die EZB stellte nach Polizeiangaben Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. Die Polizei ermittelt mit Hilfe von Videos und Fotos wegen schweren Hausfriedens- und Landfriedensbruch. Die Höhe des Sachschadens an der EZB-Fassade und dem Zugangstor war zunächst unklar. Polizeifahrzeuge und andere Einsatzmittel hätten ebenfalls Farbe abbekommen.

Mehr als 80 Aktivisten waren nach der Demo über den Zaun geklettert und für einige Minuten auf das EZB-Gelände gelangt. Polizisten seien massiv mit Tritten und Schlägen angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher. Daraufhin habe es den gezielten Pfefferspray-Einsatz gegeben. Neun Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt, drei von ihnen hätten wegen schweren Prellungen und einer Knieverletzung nicht weiter arbeiten können. 20 Demonstranten bekamen nach Darstellung von Blockupy Pfefferspray ab. Die Demo selbst sei "vollständig unproblematisch" abgelaufen, sagte der Polizeisprecher. Zwar seien zunächst einige Demonstranten vermummt gewesen, der Versammlungsleiter habe sich aber "maximal kooperativ" gezeigt und die Vermummungen seien abgelegt worden. Ein Sprecher von Blockupy lobte: "Das Verhalten der Polizei war ganz anders als in den letzten zwei Jahren." Andere Aktivisten kritisierten den Pfefferspray-Einsatz als "völlig sinnlos und überzogen".

Blockupy: Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte (Archiv)

Blockupy: Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte

Für die offizielle Eröffnung des EZB-Neubaus am 18. März 2015 kündigte das Bündnis an, die Straßen rund um den Eurotower blockieren und "das Event der Macht und des Kapitals" unterbrechen zu wollen. "Die EZB ist eine der treibenden Kräfte der sozialen Verelendung der europäischen Bevölkerung", sagte ein Sprecher zur Begründung. Die Demo am Samstag war der Höhepunkt eines viertägigen Festivals unter dem Motto "Runter vom Balkon! #talk #dance #act" (sprechen, tanzen, handeln). Dabei diskutierten nach Veranstalterangeben rund 600 bis 800 Menschen - darunter 150 aus dem EU-Ausland - über die Sparpolitik der Troika und die Krise in Europa sowie die Zukunft von Blockupy und den Protest am 18. März.

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare