„Rhein raus!“

Tausende bei Blockupy-Demo gegen Polizeikessel

+

Frankfurt - Nach dem Polizeikessel bei der Blockupy-Demonstration sind in Frankfurt erneut Tausende auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen den Polizeieinsatz - und riefen: „Rhein raus!“

Mehrere tausend Menschen haben in Frankfurt gegen den Polizeieinsatz bei der antikapitalistischen Blockupy-Demonstration vor einer Woche protestiert. Sie folgten dabei am Samstag jener Route, auf der die Polizei eine Woche zuvor fast 1000 Menschen stundenlang eingekesselt hatte. In Reden und auf Plakaten warfen sie Innenminister Boris Rhein (CDU) und der Polizeiführung einen Angriff auf das Demonstrationsrecht vor.

Die Polizei sprach von etwa 6500 Teilnehmern, ein Sprecher der Occupy-Bewegung von 12.000. Andere Schätzungen gingen bis zu 20.000, sagte er. Zum Protest aufgerufen hatten die Occupy-Bewegung sowie Gewerkschaften, Linkspartei, Grüne, Piratenpartei und die SPD. Polizei und Occupy nannten den Verlauf absolut friedlich.

Video von der Blockupy-Demo gegen Polizei-Gewalt

Die Polizei hielt sich den ganzen Tag im Hintergrund und regelte meist nur den Verkehr. Allein vor der Europäischen Zentralbank standen Bereitschaftspolizisten, die aber keine Helme trugen. Sie wurden von Demonstranten mit Konfetti und Seifenblasen begrüßt. Ein Sprecher der Polizei erklärte den friedlichen Verlauf damit, dass diesmal keine krawallbereiten Auswärtigen angereist seien.

Viele Teilnehmer des Protestzuges trugen Sonnenbrillen und bunte Schirme, weil die Polizei diese in der vergangenen Woche als verbotene Vermummung eingestuft hatte. Am Ort des Polizeikessels verharrten die Demonstranten, machten Lärm und verbrannten Grundgesetze, um den Einsatz als Angriff auf ihre Rechte zu geißeln.

Immer wieder: „Rhein raus!“

Für die Occupy-Bewegung sprach Protest-Organisator Jan Umsonst von einem "starken Zeichen der Gewaltlosigkeit" der Demonstranten. Die Umstände des Kessels müsse ein Untersuchungsausschuss klären, forderte er. Auch die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Janine Wissler, sagte, im Zweifel müsse dieser Weg beschritten werden.

Scharfe Kritik äußerte auch die SPD bei ihrem Landesparteitag in Bad Hersfeld. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, forderte Rheins Rücktritt.

Blockupy-Vertreter hatten nach dem Polizeikessel in der vergangenen Woche von über 200 Verletzten gesprochen. Frankfurter Medien beschrieben das Eingreifen der Polizei am 1. Juni ebenfalls als überhart und berichteten von Übergriffen auf Journalisten. Innenminister Rhein hatte den Einsatz dagegen angemessen genannt.

Bilder von den Blockupy-Protesten

Blockupy: Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte

Bei dem Protestzug am Samstag riefen viele der Demonstranten immer wieder "Rhein raus!". Auf einem Transparent stand knapp "So nicht". Gefordert wurde die Kennzeichnungspflicht für Polizisten. Beifall gab es, als ein Redner die Medien, darunter auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Bild"-Zeitung, für ihre Berichte lobte.

Unterstützung bekamen die Demonstranten vom Kabarettisten Urban Priol. Er sagte bei einer Kundgebung über den Blockupy-Einsatz der Polizei, bislang habe er gedacht, so etwas gebe es nur in Bayern.

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare