Steinwürfe auf Polizisten

Bewährung für Blockupy-Aktivisten

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Federico A. wird in den Gerichtssaal geführt.

Frankfurt - Ein 23-Jähriger wird verurteilt, weil er bei den Frankfurter Blockupy-Krawallen Steine auf Polizisten geworfen hat. Die Tat hat er zugegeben. Ist ihm seine roten Jacke inmitten der schwarz Vermummten zum Verhängnis geworden?

Der Tatort liegt inmitten eines Parks in der Frankfurter Innenstadt. Am 18. März, dem Tag der Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB), werden dort unzählige Straftaten begangen. Aktivisten vermummten sich, Steine und Flaschen fliegen in Richtung von Hundertschaften der Polizei. Böller explodieren. Abseits des Parks zünden Aktivisten Autos an, werfen Scheiben ein und beschmieren Hauswände. Etwa 350 Demonstranten und Polizisten verletzen sich. Die Polizei hält 525 Menschen vorübergehend fest, 26 werden festgenommen. Darunter ein 23 Jahre alter Italiener, weil er Steine auf Polizisten geworfen hat.

Heute verurteilt ihn das Amtsgericht Frankfurt dafür zu 14 Monaten Gefängnis auf Bewährung. Der Angeklagte hat zuvor mit Handschellen gefesselt lächelnd den Gerichtssaal betreten. Gut ein Dutzend Kameras klicken und filmen - das öffentliche Interesse ist groß. Es ist nicht nur der erste Prozess nach den Krawallen vor zweieinhalb Monaten, sondern bislang auch der einzige. Obwohl die Polizei bereits Hunderte Filmaufnahmen ausgewertet und Zeugen befragt hat, ist es ihr bislang nicht gelungen, weitere Verdächtige zu identifizieren. Dass nun der junge Italiener auf der Anklagebank sitzt, liegt wohl auch an seiner auffällig roten Jacke.

Blockupy: Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte

Draußen vor dem Amtsgericht haben sich vor Prozessbeginn etwa 50 Aktivisten versammelt. Sie gehören größtenteils dem Blockupy-Bündnis an und solidarisieren sich mit dem Angeklagten. "Free Fede!", "Freiheit für Fede!" fordern sie lautstark in Sprechchören. Sie haben bunte Banner und Regenschirme bei sich. Begleitet wird die Demonstration von einem Großaufgebot an Polizisten. Etwas abseits stehen die Eltern des Angeklagten - sie fühlen sich offensichtlich nicht verbunden mit den lautstarken Demonstranten. Sie sind nach Deutschland gereist, um ihren Sohn Federico A. zu unterstützen. Der Vater Bruno A. versichert auf Englisch: "Ich habe Vertrauen in die deutsche Justiz."

Mehr als eine Stunde lang verliest der Angeklagte eine handgeschriebene Erklärung auf Italienisch. Er macht Pausen, damit eine Dolmetscherin übersetzen kann. "Ich habe auf Gewalttätigkeit mit Gewalttätigkeit reagiert", sagt der 23-Jährige und gibt zu, zwei Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Eine Freundin habe von Polizisten einen Schlag auf die Lippe bekommen. "Ich habe die Geistesgegenwärtigkeit verloren", sagt er. Wegen des Schlages, der aufgeladenen Atmosphäre und der Wut gegenüber der EZB habe er die Steine geworfen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Blockupy-Prozess

Als Zeugen treten zunächst drei Zivilpolizisten aus Berlin auf. Beim Betreten des Gerichtssaals sorgen die Beamten für Gelächter im Publikum. Einer kommt mit einer blonden Perücke und dunklem Bart, ein anderer mit langen, pechschwarzen Haaren. Die Polizisten wollen nicht erkannt werden, ermitteln regelmäßig verdeckt. Sie haben nach eigener Aussage den 23-Jährigen dabei beobachtet, wie er fünf Steine in einer Hundertschaft der Polizei geworfen hat. Identifiziert haben sie ihn aus Hunderten dunkel gekleideten Vermummten des sogenannten Schwarzen Blocks wegen seiner Jacke. Knallrot sei sie gewesen, sagt einer der Zeugen. Andere vermummten sich mit schwarzen Tüchern. Der Angeklagte band sich dagegen ein weißes T-Shirt um das Gesicht. Der vom Stein getroffene Beamte aus einer Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei hatte den 23-Jährigen als Steinewerfer nicht identifizieren können. Seine drei Kollegen in Zivil erkannten aber nach eigener Aussage den Angeklagten und das Opfer. Den 23-Jährigen an seiner auffällig roten Jacke, den Polizisten an seiner Nummerierung auf dem Rücken.

Die Richterin will der Version des Italieners nicht folgen, nur zwei Steine geworfen zu haben. Sie glaubt den Zivilbeamten, dass es fünf waren. Nicht nachweisbar dagegen sei, dass der Polizist aus der Hundertschaft von einem Stein des Angeklagten getroffen worden sei. Das Urteil von 14 Monaten Gefängnis, die fünf Jahre lang zur Bewährung ausgesetzt werden, nimmt der 23-Jährige sichtlich erleichtert zur Kenntnis. Er kann nach zweieinhalb Monaten Untersuchungshaft Frankfurt als freier Mann verlassen und wieder studieren. Auch seine Eltern dürften erleichtert sein. Sie bezahlen monatlich Hunderte Euro, damit er in London, fernab von seiner Heimat Rom, sich seinem Studium widmen kann.

dpa

Quelle: op-online.de

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