Blockupy legt Frankfurt lahm

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Polizisten bauen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) Absperrgitter auf. Die Polizei rüstet sich für die Blockupy-Aktionstage der Kapitalismus-Kritiker, die am Himmelfahrtswochenende in der Mainmetropole stattfinden sollen.

Frankfurt - Absperrgitter stehen bereit, Geschäftsleute machen ihre Läden dicht, Büroangestellte kommen nicht zur Arbeit. Ohne überhaupt in Frankfurt zu sein, legen die Blockupy-Aktivisten die Innenstadt lahm.

Frankfurt bereitet sich auf vier Protesttage der Blockupy-Bewegung vor, auch wenn endgültige Gerichtsentscheidungen noch ausstehen. Außer Tausenden von Polizeibeamten und den Demonstranten werden vermutlich nicht viele Menschen in der Stadt unterwegs sein - egal, wie die Genehmigungsfrage letztlich entschieden wird.

Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter aufgerufen, am Freitag von zu Hause aus zu arbeiten, den Brückentag freizunehmen - oder zumindest inkognito und nicht im Anzug zu kommen. Nach einem pauschalen Verbot der Stadt hatte das Verwaltungsgericht drei Veranstaltungen für Mittwoch und Samstag zugelassen, über ein Dutzend bleiben verboten.

Beschwerden beim hessischen Verwaltungsgerichtshof

Beschwerden dagegen liegen nun beim hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel, am Mittwoch soll entschieden werden. Die Polizei wartet nicht auf die Richter: Am Dienstag begann sie damit, Absperrungen aufzubauen - etwa um das Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) mit seinem markanten großen Euro-Symbol, eines der zentralen Ziele der Kapitalismuskritiker.

In der EZB selbst hält man sich mit Äußerungen zu den Protesten zurück. In einer Erklärung heißt es nur: „Die Europäische Zentralbank hat einen Auftrag zu erfüllen, nämlich für Preisstabilität im Eurowährungsgebiet zu sorgen. Dieser Arbeit werden wir auch an Tagen mit Demonstrationen nachgehen.“ Es werde alles unternommen, die kritischen Funktionen der EZB und die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher zu gewährleisten. Die benachbarte Commerzbank schließt ihr Hochhaus am Kaiserplatz und ein weiteres Hochhaus in der Nähe von Donnerstag bis Sonntag.

Platz an anderen Standorten

Mitarbeitern, die am Brückentag arbeiten, werde ein Platz an anderen Standorten zur Verfügung gestellt, teilte die Bank mit. Auch Commerzbank-Filialen in der Sicherheitszone werden vorübergehend geschlossen sein. Der Hessische Bankenverband hatte bereits am Montag die für Freitag geplante Mitgliederversammlung aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Städtischen Bühnen kamen zur Krisensitzung zusammen. Das gläserne Haus liegt in unmittelbarer Nähe zu EZB und dem Occupy-Camp, wo Kapitalismusgegner seit über einen halben Jahr ausharren. Sie müssen ihre Zelte am Mittwoch vorübergehend verlassen, wollen das aber nicht freiwillig tun.

Theater und Oper werden an den Protesttagen nur zu Fuß erreichbar sein, denn die U-Bahnstation wird geschlossen, Straßenbahnen, die vor dem Haus halten, werden umgeleitet. Die Vorstellungen von Schauspiel und Oper sollen alle stattfinden, die Vorverkaufskasse bleibt geöffnet. „Wir werden eine relative Normalität haben, die Besucher müssen sich aber auf Verzögerungen gefasst machen“, sagte Bernd Fülle, Geschäftsführer der städtischen Bühnen. Es werde Polizeikontrollen an den Absperrungen geben.

Läden am Freitag zu

Einige Geschäftsleute in der City haben schon angekündigt, ihre Läden am Freitag zu schließen, aber ein einheitliches Vorgehen gibt es nicht. „Jeder entscheidet selbst, was er macht“, sagte Aysel de Fries, Sprecherin der Aktionsgemeinschaft Freßgass. Händler und Gastronomen rechneten schon wegen der massiven Sperrung der Innenstadt während der Aktionstage mit Einbußen.

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Ein Fest auf dem Platz vor der Alten Oper wurde um eine Woche verschoben. Alarmstimmung in der teuren Goethe-Straße in der City: Dort denken mehrere Geschäftsinhaber darüber nach, ihre Läden mit Holzplatten zu verbarrikadieren. Private Sicherheitsdienste wurden verstärkt. Bei der speziell für die Aktionstage eingerichteten Telefon-Hotline der Polizei sind nach Angaben eines Sprechers bis zum Dienstag 550 Anrufe eingegangen. Der Parfümerie-Inhaber Frank Albrecht ruft trotz aller Aufregung zur Besonnenheit auf. „Ich sehe keine Veranlassung, die Geschäfte zu schließen. Es ist eine ernste Situation. Aber wir fühlen uns überhaupt nicht bedroht“, sagte er.

40 Jahre Erfahrungen mit Demonstrationen

Frankfurt habe 40 Jahre Erfahrungen mit Demonstrationen, und die Spitzen seien durch das Verbot gekappt. „Wir leben in einem Rechtsstaat, und ich gehe davon aus, dass uns die Polizei schützt.“ Nicht alle Demonstranten seien doch gewalttätig. Im Gegenteil, sie seien vielmehr alle potenzielle Kunden. „Wovor sollen die Geschäftsinhaber denn Angst haben? Dass ein paar Scheiben kaputt gehen?“

dpa

Quelle: op-online.de

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