„Blockupy“: Ausnahmezustand vorbei - Aktvisten wieder im Camp

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Eine Demonstrantin inmitten einer Gruppe voll ausgestatteter Polizisten.

Frankfurt - Nach der „Blockupy“-Demonstration und dem in Frankfurt herrschenden Ausnahmezustand ist wieder Ruhe in die Mainmetropole eingekehrt. Derweil sind Aktivisten in ihr Camp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgekehrt.

Die Bewohner des Frankfurter Occupy-Camps haben wieder ihr Zeltlager vor der Europäischen Zentralbank (EZB) bezogen. „Die Polizei hat unser Gelände früher als erwartet freigegeben", erklärte ein Sprecher der Kapitalismuskritiker. Das Camp war am Mittwoch von der Polizei geräumt worden, damit wegen der „Blockupy"-Proteste gegen die europäische Sparpolitik eine Sicherheitszone um die EZB errichtet werden konnte.

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Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) äußerte sich zufrieden zum Verlauf der Protesttage: „Frankfurt am Main ist eine friedliche und weltoffene Stadt, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung genauso gilt wie das Recht auf Berufsfreiheit und körperliche Unversehrtheit." Zugleich verteidigte sie das von der Stadt verhängte Verbot der geplanten Blockaden im Bankenviertel.

Vom „Blockupy"-Chaos der vergangenen Tage ist heute in Frankfurt nicht mehr viel zu spüren: Straßenbahnen fahren wieder durch das Bankenviertel, geschlossene U- und S-Bahnhöfe sind wieder frei. Nur vereinzelt erinnern noch ein paar Absperrgitter der Polizei daran, dass gestern mehr als 20.000 Menschen in der Innenstadt gegen die europäische Sparpolitik demonstriert haben.

Bilder von der Demonstration

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Die Polizei hatte vor den „Blockupy"-Aktionstagen am Himmelfahrtswochenende das Schlimmste befürchtet. Aber Szenen wie bei einer Demo von Kapitalismuskritikern am 31. März mit Attacken auf Polizisten, fliegenden Pflastersteinen und zersplitterten Schaufenstern blieben aus. Weder bei den verbotenen Protestaktionen noch bei der Großdemonstration am Samstag gab es ernsthafte Ausschreitungen. Selbst der berüchtigte „Schwarze Block" hielt sich zurück. Auch als der Protestzug die Hochhaustürme der Deutschen Bank passiert, flog nicht ein einziger Stein.

Neben über 20.000 friedlichen Demonstranten mit Trommeln und bunten Transparenten hatten sich auch rund 1000 Autonome in den Protestzug eingereiht. Mit dunklen Sonnenbrillen und schwarzen Jacken - die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen - lief der „Schwarze Block" hinter einem Lautsprecherwagen im hinteren Teil der Demo. Doch die Veranstalter hatten sich auch mit den Radikalen abgesprochen: „Wir hatten einen Aktionskonsens", erklärte „Blockupy"-Sprecher Christoph Kleine. Von den Demonstranten sollte keine Eskalation ausgehen. „Und daran haben sich alle gehalten."

Das „Blockupy"-Bündnis feiert sich nach der Demo als Sieger und den hessischen Innenminister Boris Rhein (CDU) als Verlierer. Das Polizeiaufgebot sei „völlig überzogen", das Verhalten der Beamten „offenkundig auf Provokation" ausgerichtet gewesen. Die Polizei sieht das anders: Es habe Gewalttätigkeiten gegen Beamte gegeben, Demonstranten hätten Rauchbomben und Bengalische Feuer gezündet. Die Demonstranten wurden zum Teil von sechs Doppelreihen gepanzerter Polizisten eskortiert. Ein Twitter-Nutzer veröffentlichte eine SMS seiner Tochter von den „Blockupy"-Protesten: „Hey papa, wahnsinnige stimmung. 25 tausend leute, jeder hat seinen privatpolizisten!!"

dpa

Quelle: op-online.de

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