Blühende Landschaft mittendrin

Städte entdecken das Gärtnern wieder

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Schüler eines Biologie-Kurses der Frankfurter Abendschule graben am Danziger Platz im Frankfurter Ostend Löcher für Rosenstöcke in den Boden, während sie an einem Urban Gardening Projekt teilnehmen.

Frankfurt - Als „essbare Stadt“ hat sich Andernach einen Namen gemacht, und in Berlin ist „Urban Gardening“ schon fast ein alter Hut. Die Bewegung gemeinsam gärtnernder Städter hat inzwischen auch Frankfurt erfasst. Von Ira Schaible

In der Bankenstadt erblüht gerade eine trostlose Verkehrsinsel. Der Danziger Platz am Ostbahnhof in der Nähe des EZB-Neubaus ist einer der tristesten Orte Frankfurts. Jetzt soll sich die rund 2.500 Quadratmeter große Verkehrsinsel in einen blühenden Garten mit Obst, Kräutern und Gemüse verwandeln. Die Initiatoren des „Frankfurter Gartens“ haben - nach rund anderthalb Jahren Vorbereitungszeit - erste Beete aufgestellt und zusammen mit vielen anderen Großstädtern Pflänzchen gesetzt. „Wir wollen Bürger zu urbanen Bauern machen und gemeinsam die Ernte einholen - nachhaltig, produktiv, sozial und lebensfroh“, formulieren es die Initiatoren.

Der „Frankfurter Garten“ ist nicht nur als riesiges Beet angelegt, sondern auch als Sozial-, Kunst- und Kulturprojekt. Die Initiatoren wollen einen begrünten Kiosk mit kleinem Café, ein Büro, ein Lager und Gemeinschaftsräume einrichten - als fliegende Bauten. „Urban Gardening heißt gemeinschaftliches Gärtnern und ist temporär angelegt“, erklärt Rainer Vollweiter vom grün geführten Umweltdezernat der Stadt, das das Projekt unterstützt. Das Nutzungsrecht des Vereins auf dem Danziger Platz - der wegen der geplanten nordmainischen S-Bahn brach liegt - läuft außerdem schon Ende 2014 aus, sagt Mitinitiatorin Petra Manahl.

Mit begrünten Zäunenvom Verkehrsgetöse abgeschirmt

Bis dahin sollen zwischen den neuen Beeten und den alten Bäumen auf dem Platz sowohl Kinder Federball spielen, als auch Seminare angeboten werden. Ein kleiner Wochenmarkt und ein Mädchenflohmarkt gehören ebenfalls zu den Projekten. Damit sich die Menschen jeden Tag von etwa 11 bis 22 Uhr im „Frankfurter Garten“ engagieren aber auch erholen können, wird er mit begrünten Zäunen und einigen Bretterwänden vom Verkehrsgetöse abgeschirmt. Die Nähe der Autos spielt bei der Wahl des Gemüses auch eine Rolle: Es soll abwaschbar sein wie Tomaten, und nicht Feinstaub einlagern wie Blumenkohl, sagt Manahl.

„Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet waren bisher auf der Karte des Urban Gardening weiße Flecken“, sagt Manahl. Dabei ist die Tradition des städtischen Gärtnerns in Frankfurt seit vielen Jahrzehnten tief verankert, wie Vollweiter betont. Und: „Es gibt viele Stellen, die eine Verschönerung vertragen.“ Mancher säe und pflanze dann auch schon mal einfach drauf los, wenn die Eigentumsverhältnisse nicht ganz klar seien.

„Blumen statt Steine“

Zu den Frankfurter Vorreitern des „Urban Gardenings“ gehören engagierte Bürger um Jörg Harradschain, die 2007 im Frankfurter Nordend unter dem Motto „Blumen statt Steine“ an einer Hauptverkehrsstraße 100 Sonnenblumen pflanzten. In diesen Tagen begrünen sie in der Nähe einen rund 250 Quadratmeter großen Platz inmitten dichten Straßen- und Straßenbahnverkehrs - wegen der Abgase nicht mit Nutzpflanzen. Einen Garten auf Zeit hat auch das sogenannte Stadtlabor des Historischen Museums angelegt, gemeinsam mit Bürgern im Stadtteil Ginnheim.

Das wieder eröffnete Museum für Angewandte Kunst (MAK) will den Bürgern auch Gemüseanbau in der Großstadt ermöglichen. Wie die Pläne von Kurator Teimaz Shahverdi für das Dach verwirklicht werden können, prüften derzeit Statiker, sagt MAK-Sprecherin Dorothee Maas. Kräutertöpfe auf dem Dach und Büsche mit Beeren um das Museum werde es aber auf jeden Fall geben.

10.000 Quadratmeter großer Gemeinschaftsgarten

Außer in Frankfurt sind den kommunalen Spitzenverbänden in Hessen noch keine Städte mit nennenswerten Projekte zum „Urban Gardening“ bekannt. Im Offenbacher Hafen allerdings soll auf rund 10.000 Quadratmetern ein Gemeinschaftsgarten wachsen - in Regie der Mainviertel GmbH und des Projekts „Besser leben in Offenbach“. Dabei entscheiden die Nutzer selbst, was sie anpflanzen wollen. Eine Fläche, Erde und das nötige Handwerkszeug bekommen sie vor Ort, heißt es auf der Homepage des Projekts.

Die grüne Oase auf dem Danziger Platz passt gut ins Konzept der Stadt, das den Grüngürtel um Frankfurt mit grünen Speichen und Tangenten in die City verbinden will. „Die Gartensaison 2013 ist finanziell soweit sicher“, sagt Manahl. Für die geplanten Bauten sucht der Verein noch Sponsoren und Stifter. Das Ende der Nutzungsrechte auf der Verkehrsinsel im Ostend soll keinesfalls das Ende des Frankfurter Gartens sein, der im Internet schon viele Hunderte Anhänger und Mitstreiter hat und sich nach dem Willen Manahls zu einem gigantischen virtuellen Garten auswachsen soll.  dpa

www.frankfurter-garten.de

Quelle: op-online.de

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