Blütenrausch in der Natur

Frankfurt - „Der April macht, was er will“ - in diesem Jahr zeigt der launische Monat eine ungewöhnliche Variante. Mitte April ging es mit den Temperaturen bergauf, und seitdem läuft die Frühlingsblüte im Zeitraffer ab.

Was sonst hintereinander kommt, passiert nun gleichzeitig und sorgt für einen Blütenrausch in der Natur: Frühe Obstbäume wie Aprikose oder Kirsche sind noch gar nicht verblüht, da beginnt schon die Apfelblüte. Flieder und Löwenzahn stehen in voller Farbenpracht. „Das ist ganz, ganz selten“, sagte Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

War die Entwicklung der Vegetation Anfang April noch rund zwei Wochen zurück, verzeichnen die Agrarmeteorologen nun einen Vorsprung von zwei Wochen. Kurz vor Monatsende liegt die Durchschnittstemperatur in Deutschland rund vier Grad über dem Normalwert, der auf der Basis der Jahre 1961-1990 ermittelt wird.

Im Rheingau betrage die Abweichung sogar fünf Grad, sagte Bianca Plückhahn von der agrarmeteorologischen DWD-Abteilung in Geisenheim. In der Natur habe es eine rasante Aufholjagd gegeben. Zwischen Hasel- und Apfelblüte liegen im Rheingau gewöhnlich 75 Tage, in diesem Jahr waren es nur 50 Tage.

Laune der Natur oder Klimawandel? „Es passt jedenfalls ins Bild“, sagte DWD-Klimatologe Gerhard Müller-Westermeier. Derzeit liege der April 2009 bei der Durchschnittstemperatur auf Platz zwei. Der bisher wärmste April mit einer Abweichung von 4,2 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel wurde 2007 registriert. Zwei solche Ausreißer so rasch aufeinander müssten zu denken geben, sagte der DWD-Experte.

„In der Karwoche ist es passiert“, sagte DWD-Sprecher Lux. Die ersten April-Tage waren noch recht kühl, dann aber kletterten die Temperaturen stetig und erreichten am Mittwoch nach Ostern (15.4.) Spitzenwerte von über 25 Grad. Die höchste Temperatur registrierte der DWD in Bendorf (Rheinland-Pfalz) mit 26,8 Grad.

Insgesamt hätten 50 Stationen sogenannte Sommertage mit Höchsttemperaturen von 25 Grad oder darüber gemeldet - Bad Kreuznach sogar schon sechsmal. Rekordträchtig ist das allerdings nicht: Der bisher wärmste April-Tag in Deutschland überhaupt wurde am 22.4.1968 mit 32,1 Grad in Zehdenick (Brandenburg) registriert.

Während überall die Menschen nach dem langen Winter dankbar ins Freie strömen und die Biergartensaison längst eröffnet ist, leiden Pollenallergiker besonders. Die Birke mit ihren Pollen, die Niesanfälle auslösen, steht noch in voller Blüte, und schon wird der Beginn der Süßgräser-Blüte gemeldet - rund drei Wochen vor dem Termin in normalen Jahren.

Die Trockenheit verschärft die Probleme der Allergiker, denn es hat in vielen Regionen kaum geregnet. Eine dicke Schicht aus gelben Blütenpollen überzieht vielerorts Häuser, Autos, Straßen und Terrassen.

Im Durchschnitt seien in Deutschland seit Monatsbeginn erst 20 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, ein Drittel des Monatssolls, sagte DWD-Sprecher Lux in Offenbach. Während der Süden wesentlich mehr Regen abbekam, ist es im Norden und Osten knochentrocken. In einigen Gebieten besteht sogar Waldbrandgefahr wegen des leicht entzündlichen trockenes Laubs, das noch vom Herbst auf dem Boden liegt.

Der Wald selbst leidet derzeit noch nicht, denn der Boden hat während des Winters ausreichend Feuchtigkeit gespeichert. Vor allem die reichlichen Niederschläge im Februar und März hätten dem Wald gut getan, sagte Michael Buhlmann vom hessischen Umweltministerium. Die Wärme im April habe allerdings die Borkenkäfer aus der Winterruhe geweckt. Die Insekten seien bereits ausgeflogen.

Bei günstigen Verhältnissen - warm und trocken - könnte im Sommer eine dritte Käfer-Generation ausgebildet werden. Regelmäßig würden die hessischen Wälder beobachtet, um rechtzeitig gegen diesen gefürchteten Schädling eingreifen zu können. Generell hat der kalte Winter nach Aussagen von Forstleuten die Insekten nicht geschädigt. Sie sind auf Frostperioden eingerichtet. Häufig schwankende Temperaturen mit Feuchtigkeit dagegen vertragen sie weniger gut.

Quelle: op-online.de

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